Deutschlands Sparkassen wollen ihre digitalen Angebote ausbauen. Das ist ambitioniert und klingt gut. Aber die Angebote sind mal mehr und mal weniger erfolgreich.

Auf dem Land ist der Bäcker abgewandert. Die Apotheke auch. Doch nicht die Sparkasse, meint Helmut Schleweis: „Die Filiale ist nicht tot, sie erlebt gerade einen zweiten Frühling“, versichert der seit Jahresbeginn amtierende Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) bei der Vorstellung der Bilanz in Frankfurt. „Ich glaube, dass die Filiale Zukunft hat. Wie viel Zukunft, werden die Kunden letztlich entscheiden.“

DSGV-Präsident Helmut Schleweis
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DSGV-Präsident Helmut Schleweis

So seien die Investitionen in digitale Angebote, mit denen der Dachverband der Sparkassen in diesem Jahr durchstarten will, auch keine Absage an die klassische stationäre Filiale. Aber: „2018 wird ein Jahr sein, in dem die Sparkassen wesentliche Innovationen für eine breite Kundschaft einführen werden“, ist Schleweis überzeugt. „Das betrifft vor allem den Payment-Bereich. Wir wollen dort so gut sein, dass die Menschen das Bezahlen nicht als Hürde empfinden.“

Kwitt

Als Beispiel nennt er den Dienst für Smartphone-Überweisungen namens Kwitt. „Mit mehr als 766.000 registrierten Kunden ist Kwitt der mit Abstand größte Dienst für Handy-zu-Handyüberweisungen in Deutschland“, sagte der langjährige Chef der Sparkasse Heidelberg. Seit Dezember vergangenen Jahres erfolge der Geldversand in Echtzeit. „Das bedeutet: Das Geld ist wirklich beim Empfänger, nicht nur die Ankündigung“, so Schleweis. Für eine Kwitt-Überweisung benötigt man keine Konto- sondern die Handynummer des Empfängers. Bei Beträgen bis 30 Euro funktioniert die Überweisung ohne Transaktionsnummer (TAN).
Kwitt
© Kwitt
Kwitt

Während schon jetzt nur derjenige, der Geld verschickt, Sparkassenkunde sein muss und der Empfänger ein Girokonto bei einer anderen Bank haben kann, will der Sparkassenverband noch einen Schritt weitergehen und die App an die Konkurrenz verkaufen: „Wir werden Kwitt auch anderen Kreditinstituten zur Verfügung stellen“, kündigte der DSGV-Präsident an.

Mobiles Bezahlen

Als zweiten „sehr wichtigen Schritt in diesem Jahr“ nannte der Sparkassen-Obere das mobile Bezahlen. Schon jetzt seien die 40 Millionen Girokarten der Sparkassen mit einem NFC-Chip ausgestattet. „Jetzt gehen wir einen Schritt weiter: Den heute auf der Plastikkarte festgeschweißten Chip bringen wir virtuell in das Handy der Kunden“, kündigte Schleweis an. Das mobile Bezahlen mit dem Smartphone an der Ladenkasse soll zur Jahresmitte angeboten werden.

Instant Payments

„Eine wirkliche Umwälzung der Bezahlwelt“ ist nach Meinung des DSGV-Präsidenten aber das Überweisen in Echtzeit, die sogenannten Instant Payments. „Unsere Kunden sollen künftig an jedem Bezahlpunkt – an der Kasse, im Internet, bei einer Überweisung oder bei der Handy-Zahlung – ohne Zeitverzug das Geld zum Empfänger bringen können. Instant Payments ist damit das Bargeld des Internet-Zeitalters“, sagt Schleweis. „Es wird mittelfristig viele Zahlungsverfahren überflüssig machen, über die wir uns heute noch Gedanken machen.“

"Instant Payments ist das Bargeld des Internet-Zeitalters"

Helmut Schleweis

Mit der Echtzeit-Überweisung gewinnen die Kunden seiner Meinung nach die Hoheit über ihre Daten zurück – „und die Händler müssen wertvolle Kundendaten nicht mehr mit Trittbrettfahrern teilen“, wie es Schleweis formulierte. Die Sparkassen werden demnach die erste Institutsgruppe in Deutschland sein, die Mitte 2018 Echtzeit-Überweisungen flächendeckend einführt.

Multi- statt Monobank

2018 wird demzufolge auch das Jahr der Multibankenfähigkeit. In der Sparkassen-App sei es schonheute möglich, Konten von anderen Kreditinstituten außerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe zu verwalten. „Ab Sommer 2018 wird das auch in der Internetfiliale der Sparkassen möglich sein“, verspricht Schleweis.

YES für Onlinehändler

Noch im ersten Halbjahr 2018 wollen die Sparkassen zudem den Identifikationsservice namens YES auf den Markt bringen. Onlinehändler erhalten von der Sparkasse eine Bestätigung, dass der jeweilige Kunde mit diesen Daten existiert - und wenn gewünscht, dass er für dieses Geschäft die notwendige Bonität hat. „Auch bei diesem Angebot wollen wir gerne mit den übrigen Partnern der deutschen Kreditwirtschaft zusammenarbeiten“, sagte Schleweis.

Elektronischer Safe

Mit dem elektronischen Safe, den die Sparkassen auch noch in diesem Jahr anbieten wollen, sollen Sparkassenkunden im Onlinepostfach der Internetfiliale ihre privaten Dokumente elektronisch „so sicher ablegen, wie dies real mit physischen Dokumenten im Kellerschließfach der Sparkasse möglich ist“, verspricht der DSGV-Präsident.
Yomo
© Yomo
Yomo

Yomo

Und was ist eigentlich mit Yomo? Mit der 2015 lancierten „Smartphone-Bank“ wollten zehn der größten Sparkassen ihren jungen Kunden die Möglichkeit bieten, ein Konto nur auf dem Smartphone zu eröffnen und zu führen. Während das Portal Finanz-Szene die „Mobile-Bank“-Initiative der deutschen Sparkassen kürzlich zum  Fiasko erklärt hat, weil sich die Haspa als größte Sparkasse hierzulande zumindest vorübergehend aus dem Projekt zurückgezogen hat, ist Schleweis optimistisch: „Yomo ist derzeit noch in der Betaphase. Bevor wir als Sparkassenorganisation mit Dingen auf den Markt gehen, müssen sie getestet worden und skalierbar sein, so dass 10 bis 20 Millionen Kunden sie nutzen können.“
Mobile Banking
© DSGV
Mobile Banking

Er geht davon aus, dass Yomo irgendwann flächendeckend eingeführt wird. Im März werde der Pilot auf rund 20 Sparkassen erweitert, ein "breiterer Einsatz" sei für Herbst geplant.

Paydirekt

Da das 2015 gelaunchte Paydirekt zu den wichtigsten Digital-Initiativen der klassischen Kreditwirtschaft hierzulande gehört, stellt sich natürlich die Frage nach dem Stand des bislang eher enttäuschenden Online-Zahlverfahren der deutscher Banken und Sparkassen. „Ich denke, man hätte selbst kommunikativ einiges besser machen können und hatte am Anfang zu hohe Ziele“, räumt Schleweis ein. „Aber es liegt mir fern, Paydirekt einen Misserfolg zu nennen. Denn so schlecht sind die Zahlen nicht für ein neues Zahlverfahren.“

Er macht als größtes Hindernis das Henne-Ei-Problem aus: „Die Händler sagen, wir binden Paydirekt ein, wenn es viele Kunden gibt, die es nutzen. Die Kunden sagen, wir nutzen Paydirekt, wenn viele Händler es anbieten.“ Paydirekt wird seiner Meinung nach noch zu einem relevanten Online-Zahlverfahren. Wann sagt er freilich nicht.
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