Die Wahl der Bezahlmethode ist – stationär wie online –  nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit sondern des Vertrauens. Die Skepsis gegenüber digitalem Bezahlen bleibt. Das sind die Fakten.

Der Paymentmarkt ist in Bewegung. Es gibt so viele Bezahlvarianten wie nie zuvor. Für manchen ist dabei Bargeld ein auslaufendes Modell. Doch dieses geradezu archaisch anmutende Bezahlkonzept hält sich: Es ist eine klare Angelegenheit - da gibt es selten Verwechslungen, da werden keine persönlichen Daten mitgeliefert - eine transparente Angelegenheit.

Gründe, warum viele Verbraucher am Bargeld festhalten und auch Online-Bezahlvarianten teilweise skeptisch beäugen. Und - PSD2 wird diese Vorsicht vermutlich nicht mindern. So wird aktuell bezahlt:

1. Bargeldlos überrundet Bargeld

Die Fakten: Bargeldlose Bezahlung ist die Methode der trendigen, fortschrittlichen – und bequemen Verbraucher  - so scheint es. Die Meldung im Frühjahr: Bezogen auf den Umsatzanteil hat die Karte 2018 erstmals das Bargeld überholt: 48,6 Prozent versus 48,3 Prozent (*EHI-Studie, 2019). Immerhin 52 Prozent der Kunden bevorzugten heute ausschließlich bargeldlose Möglichkeiten, ermittelte Concardis in einer Studie mit dem ECC (**). 
© ECC-Studie
Spitzenreiter ist dabei die Girocard, gefolgt vom SEPA Lastschriftverfahren. Mit Abstand folgen dann Kreditkarten, Maestro/VPay,  Mastercard Debitkarte und Handelskarten. Unterstützt wird diese Entwicklung durch kontaktlose Bezahlverfahren. Bereits 30 Prozent der Befragten zahlen damit regelmäßig.

Einer der angenehmen Nebeneffekte für den Handel: Verbraucher kaufen großzügiger ein. 53 Prozent der befragten Unternehmen glauben, dass bargeldlose Bezahlverfahren einen positiven Einfluss auf den Umsatz haben. Darin werden sie bestätigt: Denn tatsächlich sagen auch 49 Prozent der Kunden, dass sie bei Barzahlung stärker die Preise im Blick haben (**ECC-Studie, 2019).

2. Skepsis bleibt

Doch klar ist, der Prozess weg vom haptischen Bezahlmittel geht hierzulande langsam. Das wird sich auch nicht rasant ändern, auch wenn in den letzten 12 Monaten rege Betriebsamkeit in punkto mobile Zahlungsmöglichkeiten herrschte: Google Pay, VR-Pay, Apple Pay, Paypal Pay …. Darauf gewartet haben zwar lediglich Smart Consumer, eine noch kleine Schar all jener, die frühzeitig neue technische Lösungen ausprobieren. Doch der Markt ist eröffnet, das Smartphone kann künftig auch diesen Service gleich mitübernehmen.

Denn obwohl Bequemlichkeit und Neugierde locken, bleibt eine Skepsis gegenüber neuen Bezahlverfahren. Die Diskussion um die Datensicherheit hat sich noch nicht gelegt.
Noch bleibt unter Verbrauchern eine gewisse Skepsis gegenüber neuen Bezahlverfahren. Mehr als 60 Prozent sind mit der konventionellen Kartenzahlung völlig zufrieden und haben keinen Bedarf an neuen Varianten. Dennoch rechnen mehr als 50 Prozent der Befragten damit, dass bequeme und schnelle Zahlungsverfahren in Zukunft wichtiger werden (**ECC).

Bei der Wahl für ein Zahlungsmittel spielt das Trio Sicherheit, Seriosität des Zahlungsverfahrens und kostenloses Verfahren die entscheidende Rolle. Knapp dahinter folgen die Argumente einfache und bequeme Bedienung, Schnelligkeit und Bekanntheit des Zahlungsverfahrens.
© W2 Jugend Finanzmonitor
Von sekundärer Bedeutung sind Belastungszeitpunkt und die Möglichkeit Treuepunkte zu sammeln.
Letzter Punkt weist darauf hin, dass Verbraucher auf Instant Payment nicht sehnsüchtig warten. Seit kurzem bieten die Sparkassen und VR-Payment diese kostenpflichtige Möglichkeit an, GS1 und HDE arbeiten zudem an der Instant Payment-Lösung Hippos – man darf gespannt sein, welche Argumente, hier den Durchbruch bringen sollen.

3. Keine Frage des Alters?

Ist diese eingeschränkte Euphorie für bargeldlose Zahlung eine Frage des Alters? Bislang galt, je jünger, umso digital affiner. Die Millennials gelten als die Facebook Generation, die ein nahezu fatalistisches Verhältnis zur Verarbeitung ihrer persönlichen Daten entwickelt haben.  
© W2 Jugend Finanzmonitor

Und jetzt wird es interessant. In der folgenden Generation, die heute zwischen 15 und 25 Jahren alt ist, scheint sich die Euphorie etwas gelegt zu haben. Eine Forsa-Umfrage im April im Auftrag der Schufa zeigt, dass 63 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 16 und 25 Jahren lieber mit Bargeld bezahlen als mit Karte, gleichzeitig nutzen 45 Prozent Banking Apps.
© W2 Jugend Finanzmonitor
Auch wenn sie digitales Bezahlen für unsicherer als Bargeld halten, rechnen sie damit, dass sich die digitalen Varianten langfristig durchsetzen werden.

Studien:
*„Payment-Entwicklungen aus Sicht der Handelsforschung“,
EHI Retail Institute, 2019
** „Besser bargeldlos als Bargeld los – Potenziale digitaler Zahlungsverfahren
für den Mittelstand“, ECC Köln in Zusammenarbeit mit Concardis, 2019
*** „Zahlungsverkehr aus Sicht des Handels“, Handelsverband Deutschland (HDE), 2019
**** „W2 Jugend Finanzmonitor“, Forsa Meinungsforschungsinstitut im Auftrag der
Schufa, 2019

Detaillierte Zahlen -> Der Handel Ausgabe 7/8
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