MyToys-Chef Oliver Lederle über den Onlinespielwarenhandel, warum Läden für ihn wichtig sind, und was sich in seinem Unternehmen zu Weihnachten ändert.

Herr Lederle, Sie sagten einmal, dass es Ihnen als Onlinehändler immer gut geht, wenn das Wetter schlecht ist, weil dann die Menschen viel von daheim einkaufen.

Richtig, schlechtes Wetter ist gut. Deswegen versuche ich immer, meine Mitarbeiter zu motivieren, dass sie sich für das Wochenende schlechtes Wetter wünschen. Im warmen Oktober hat das leider nicht geklappt.

Für Spielwaren ist die Schlechtwetterzeit vor Weihnachten die wichtigste Verkaufsperiode. Gilt das für Sie auch?

Ja. Obwohl wir ja mehr als nur Spielwaren verkaufen. Unterjährig sind wir Mode-, an Weihnachten Spielwarenhändler.

Oliver Lederle: "Schlechtes Wetter ist gut"
© MyToys
Oliver Lederle: "Schlechtes Wetter ist gut"
Bedeuten andere Sortimente auch andere Prozesse?

Das nicht, aber wir erkennen an der Art der Sendungen, dass die Spielwarenzeit begonnen hat. Die Kartons sind voluminöser, es wird viel mehr bestellt. Das Weihnachtsgeschäft überragt einfach alles.

2016 lag der Umsatz der MyToys-Gruppe bei 550 Millionen Euro. Wie viel entfiel auf Spielwaren?

Die unterschiedlichen Sortimente tragen etwa je ein Drittel zum Gesamtumsatz bei: Bei Spielwaren waren es im vorigen Jahr 33 Prozent, bei Mode und Schuhe 37 Prozent und Sonstiges, worunter wir etwa Produkte fürs Baby oder auch Schul-und Bastelbedarf zählen, etwa 30 Prozent.

Sie werben damit, im europäischen E-Commerce in der Kategorie „Familie“die Nummer eins zu sein. Wo sehen Sie sich im deutschen Onlinespielwarenhandel?

Betrachtet man die Liste der reinen Onlinespielwarenhändler, sind wir in Deutschland und Europa aktuell die Nummer eins. Erweitert man diese Liste um Vollsortimenter, ist Amazon natürlich klar führend.

Sie wachsen auch stationär, im Oktober haben Sie in Essen ihre siebzehnte Filiale eröffnet. Betreiben Sie diese Läden unter Marketinggesichtspunkten?

Ganz sicher nicht. Jede einzelne Filiale hat die Aufgabe, rentabel und erfolgreich zu sein. Das stationäre und das digitale Geschäft sollen sich gegenseitig stärken. Wir betreiben seit 2006 Filialen und haben in den vergangenen Jahren gelernt, diese wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Im stationären Geschäft gibt es ja ganz andere Herausforderungen als im Onlinehandel. Wenn ich online etwas ausprobieren möchte, ändere ich für einen halben Tag mein Design auf der Website. Im stationären Laden muss ich Handwerker rufen, die schrauben und hämmern. Und selbst danach habe ich immer noch keinen stimmigen Vergleich zur Variante zuvor.

Haben Sie ein Expansionsziel?

Nicht konkret. Aber daran, dass wir immer wieder neue Filialen eröffnen, kann man erkennen, dass wir an das stationäre Geschäft glauben. Meiner Meinung nach besteht die Zukunft des Handels aus einem Kanalmix aus online und offline.

Vor einer Weile war der Fidget Spinner der Verkaufsschlager bei Spielzeug, ein kleiner Finger-Propeller, sozusagen. Gilt das jetzt noch?

Nein, dieser Trend war heftig, aber doch sehr kurz. Weihnachten ist geprägt von den Klassikern wie Playmobil, Lego oder Brettspielen. Auch die Puppe spielt immer eine große Rolle. Wir beobachten allerdings auch, dass immer mehr intelligente Elektronik in die Spielwarenwelt einzieht, wie etwa der kleine Roboter Cozmo von der Firma Anki.

Lego hatte voriges Jahr wegen der immensen Nachfrage Lieferprobleme, jetzt steckt das Unternehmen in einer Krise. Merken Sie das?

Welche Krise meinen Sie?

Es sollen 1400 Mitarbeiter entlassen werden, das Unternehmen will effizienter werden.

Ich persönlich kann hier nur aus Händlersicht sprechen. Es stimmt, dass es im letzten Jahr Lieferengpässe gegeben hat, aber in diesem Jahr können wir bisher nicht klagen.MEHR ZUM THEMA


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