Die beste Technik ist immer die, die den Menschen das Leben erleichtert. Oder das Einkaufen. Das soll mit dem Connect-Laden von Wanzl geschehen. Hier wird mit Daten der Kundenfluss gesteuert. Und dabei hat der gute, alte Einkaufswagen eine zentrale Funktion.

Wenn das kein Zugreifangebot ist: 20 Prozent Rabatt für ein halbes Kilogramm Kaffee! Und wenn so eine Aktion auf dem Smartphone des Kunden aufpoppt, sobald er den Laden betritt, dann dürfte das gleich die Laune heben: Hurra, hier kann ich sparen.

Gewiss, der Kunde muss dafür die App des Shops erst geladen haben, aber das wird möglicherweise beim Einkaufen der Zukunft Standard sein. Und Wanzl hat schonmal den Laden dafür gebaut. Das 1947 gegründete Unternehmen aus Leipheim, das mit der Fabrikation von Einkaufswagen zum Weltmarktführer geworden ist, bietet nun technische Komplettlösungen für den digitalisierten Einzelhandel.

Tests in Deutschland, England und der Schweiz

"Wanzl Connect" heißt das Ding der Zukunft, das in diesem Jahr auf der Messe Euroshop vorgestellt wurde und mittlerweile von einigen Handelsunternehmen getestet wird. Wer? Wo? Das mag Andreas Starzmann nicht verrraten, nur so viel: In Deutschland, England und der Schweiz werden aktuell Erfahrungen mit diesem neuen System gesammelt.
Smart Trolley: Der Einkaufswagen als Datenlieferant
© Wanzl
Smart Trolley: Der Einkaufswagen als Datenlieferant
Mit dem Connectsystem will Wanzl keineswegs einen menschenlosen Supermarkt bieten, "es geht vielmehr darum, mit den Daten die Prozessabläufe zu verbessern. Die Personaldecke ist ja schon so dünn, da kann man nichts mehr optimieren", sagt der Director Digital Office.

Wieviele Kunden sind im Laden - das ist die Kernfrage

Vorderhand ist "Wanzl Connect" ein digitalisierter Lebensmitteladen, das System kann aber auch an andere Handelsformate angepasst werden. Das große Ziel ist ja, dass der Einkaufsprozess so reibungslos wie möglich gestaltet wird. Dafür muss der Filialleiter das Wichtigste immer wissen: Wieviele Kunden sind eigentlich aktuell bei mir? Und wo kaufen sie?

Wanzl Connect

Dafür gibt es sozusagen zwei notwendige Zählsysteme: Der Kunde wird einmal beim Eintreten in den Laden von einer Kamera von oben erfasst, man erkennt jedoch weder Gesicht und fast nicht das Geschlecht - aber die Körpergröße. Damit lässt sich unterscheiden, ob Erwachsene oder Kinder im Laden unterwegs sind.

Kasse öffnen, bevor die Schlange entsteht

Die genaueren Informationen liefert dann der "Smart Trolley". Der Einkaufswagen oder -korb ist sozusagen die Sendestation an die Zentrale. Ausgestattet mit einem RFID-Sender liefern Korb oder Wagen Daten über Einkaufszeiten, Laufwege und Aufenthaltsdauer vor den Regalen.
Der schlaue Einkaufswagen hilft dabei, Kenntnisse über das Konsumverhalten der Kunden zu gewinnen, zudem erlaubt er einen reibungslosen Einkauf. Sind im Markt viele Wagen unterwegs heißt das für den Filialleiter, möglichst viele Kassen zu besetzen, damit erst gar keine Warteschlange entsteht. "Und an der Kasse wird wiederum erfasst, aus welcher Richtung im Laden der Kunde kommt", erklärt Wanzl-Digitalchef Starzmann.

Alle Daten über das Dashboard ablesen

Auch das ergibt Sinn, weiß man darüber nämlich, ob es vielleicht eine besonders attraktive "Einflugschneise" zur Kasse gibt. Vielleicht, weil dort besonders beliebte Produkte passiert werden - oder einfach der Weg schlichtweg komfortabel ist.
Alles gut miteinander vernetzt: das Connect-System in der Übersicht
© Wanzl
Alles gut miteinander vernetzt: das Connect-System in der Übersicht
Diese und noch viel mehr Datenmengen kann der Filialleiter über das Dashboard ablesen, das ist ein großer Bildschirm, auf dem beispielsweise angezeigt wird, wie lange die durchschnittliche Verweildauer eines Kunden im Laden ist. Oder welcher Einkaufswagen zur Inspektion muss. Oder ob die Pfandrückgabebox überquillt.

Der Deutsche mag beim Großeinkauf nicht scannen

Der Wanzl-Laden ist voll mit Technik, aber alles soll trotzdem noch vom Kunden beherrscht werden. "Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch sinnvoll", sagt Starzmann. So sollen auf dem Kunden-Smartphone maximal vier Angebote pro Woche aufpoppen, alles, was darüber hinaus geht, erhört den Nerv-Faktor.

Genervt ist er beispielsweise auch, wenn er seinen Großeinkauf per Smartphone erledigen soll. Also alles per Smartphone einscannen, um es später per Self Check out oder online bezahlen zu können. Aber bei einem Wochenendkeinkauf kommen schnell 40, 50 verschiedene Produkte zusammen - und die alle jedes Mal scannen? Nein. Die Franzosen sind hier noch reservierter.

Bezahlen? Alles ist möglich!

Was aber praktisch sein dürfte, ist die über die Laden-App gespeicherte Einkaufsliste. Dieser digitale Zettel wird dann mit einer Indoor-Lokalisation abgeglichen, per App bekommt der Kunde dann gezeigt, wo Müsli, Wein oder Schuhcreme stehen. Parallel können (nicht personalisierte) Werbefilmchen aufpoppen.

Was er aber will, immer will, ist: Schnell durch die Kasse kommen. Aber wie er bezahlen möchte, ist noch höchst unterschiedlich. Mit dem Wanzlsystem lässt sich alles kontaktlos per Smartphone lösen, doch das allein wäre nicht genug. "Der Deutsche liebt nach wie vor das Bargeld", sagt Wanzl-Digitalchef Starzmann. "Wir glauben daran, dass in einem Laden künftig alle Bezahlsyteme nebeneinander existieren werden: Mobile Scanning, Self Check out sowie Bedienkasse." Starzmann geht es darum, jeder unterschiedlicher Zielgruppe gerecht zu werden.

Keine Quengelware mehr an der Kasse

Für Wanzl ist allerdings die Kasse der Zukunft anders strukturiert. Die berühmte Quengelware mit Süßigkeiten soll es nicht mehr geben, dafür kann der Kunde hier Convencience-Produkte kaufen, etwa eine leichte Mahlzeit für die Mittagspause. "Und dafür muss man dann nicht mehr durch den ganzen Laden gehen", begründet Andreas Starzmann dieses Konzept. Klingt einleuchtend. Wer nur 30 Minuten Pause hat, mag diese Zeit nicht vertrödeln.
Kasse im Connect-Markt: Leichte Mahlzeiten statt Kaugummis
© Gerth
Kasse im Connect-Markt: Leichte Mahlzeiten statt Kaugummis
Der letzte Kontaktpunkt mit dem Kunden ist dann die Rückgabe des Einkaufswagens. Da poppt noch einmal auf dem Smartphone eine Botschaft auf: "Vielen Dank für Ihren Einkauf." Und es gibt einen Coupon. Auch für den, der den Wagen ohne Mobiltelefon retourniert - dafür gibt es Thermodrucker, auf denen etwa ein 50-Cent-Rabattmärkchen ausgedruckt werden kann.So technisch das alles ist - der gute, alte Einkaufswagen bleibt im Einzelhandel unverzichtbar und sogar künftig mehr als nur ein Warentransportmittel. In Spanien hat er übrigens eine ganze andere Dimension erreicht: Die Modelle aus Metall werden gnadenlos geklaut und irgendwie den Rohstoffmärkten zugeführt, wo es damit gutes Geld zu verdienen gibt. Daher rüsten immer mehr Märkte ihre Wägen auf Plastikmodelle um.

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