Zu jung, Mutter, zu alt - die stereotypen K.o.-Kriterien warum Frauen in Deutschland in Spitzenpositionen wie unter Gründern unterrepräsentiert sind. Das ist auch nach über 200 Jahren Feminismus ein Fakt. Umso spannender, sich mit denen zu unterhalten, die sich durchgesetzt haben. etailment stellt in loser Reihenfolge erfolgreiche Frauen vor. Heute: Miriam Wohlfarth, Gründerin und Mitgeschäftsführerin von Ratepay.

Frauen sind heute bestens ausgebildet. Dass sie es beruflich drauf haben, wird immer seltener bezweifelt, damit sich Frauen durchsetzen, braucht es gute Vorbilder, ist eine Überzeugung von Miriam Wohlfahrt.

Das jahrzehntelange Werben dafür, mehr verantwortliche Positionen mit Frauen zu besetzen, war nicht besonders erfolgreich. Muss es die Frauenquote richten?
Den überwiegenden Teil meiner Karriere habe ich mich nicht mit diesem Thema auseinandergesetzt – ich war der Annahme, dass sich der Frauenanteil über die Zeit von selbst vergrößert. Das war allerdings eine Fehleinschätzung. Mittlerweile finde ich es grundsätzlich wichtig, mich als Frau zu dem Thema zu positionieren und dieses Ungleichgewicht nicht einfach so hinzunehmen. 
© Ratepay
 Was verschenken Unternehmen mit einer niedrigen Frauenquote in entscheidenden Positionen?
Ich bin der Auffassung, dass gemischte Teams erfolgreicher arbeiten. Das sollte sich bis in die Chefetage ziehen. Bei uns ist das gut gelöst, wir in der Ratepay-Geschäftsleitung sind ein gemixtes Team: zwei Frauen, zwei Männer.
Was war für Ihre Karriereschritte ausschlaggebend? 
Erst einmal musste ich herausfinden, was ich möchte und worin meine Stärken liegen. Ich war schon immer gut im Verkaufen. Die Payment-Welt empfand ich vom ersten Moment an als ungeheuer faszinierend, weshalb ich mich ständig weitergebildet habe. Und irgendwann habe ich auf meinen Bauch gehört, meinen Mut zusammengenommen und gegründet. Das sind auch die Eigenschaften, die mir helfen, mich durchzusetzen. Ich habe keine Angst vor dem Unperfekten, ich vertraue auf meine Fähigkeiten und meine Expertise und bin eine Macherin.

Brauchen Frauen Förderer, um bei der Besetzung von Top-Positionen zum Zug zu kommen?
Generell brauchen Frauen nicht mehr Förderer und Förderung als Männer. Ich kann allerdings aus Erfahrung sagen, dass es ungemein hilfreich ist, sich Vorbilder zu suchen. Mein Vorbild und zugleich Mentor war mein erster Chef, denn er hat mir gezeigt hat, dass es eigentlich für jeden möglich ist, etwas zu erreichen. Solange man es mit Leidenschaft tut. Was Frauen oft brauchen, ist mehr Mut, es anzupacken.

Ich war der Annahme, dass sich der Frauenanteil über die Zeit von selbst vergrößert. Das war allerdings eine Fehleinschätzung. Mittlerweile finde ich es grundsätzlich wichtig, mich als Frau zu dem Thema zu positionieren und dieses Ungleichgewicht nicht einfach so hinzunehmen."

Miriam Wohlfarth
Woran liegt es, dass Unternehmen sich schwer tun, gehobene Funktionen mit Frauen zu besetzen?
Es wird immer wieder das Argument der Nichtvereinbarkeit von Familie und Beruf gebracht. Damit einher geht auch das Thema "Alter". Oft werden wir Frauen in drei Kategorien eingeteilt: zu jung, Mutter, zu alt. Stereotypisches Denken ist noch zu sehr in der Gesellschaft verankert. Männer sind angeblich selbstsicherer, durchsetzungsfähiger und überhaupt erfahrener; der Frau hingegen fehlt der Aufstiegswille. Brauchen Frauen weit im Vorfeld Förderung, um Karrierewege verfolgen zu können?
Sie brauchen vor allem einen Background, der Weitblick zulässt und die Themen Frauen und Karriere nicht als Kontroverse versteht. Ob man im Endeffekt den Willen und die Disziplin hat, um die eigene Karriere voranzutreiben, hängt vom Menschen an sich ab – nicht vom Geschlecht.
Wie erfolgt Frauenförderung in Ihrem Unternehmen? Wie werden sie unterstützt?
Es wird kein Unterschied gemacht zwischen Mann und Frau – die Qualifikation zählt. Förderung und Weiterbildung erhält jeder, unabhängig vom Geschlecht. Dennoch findet bei uns regelmäßig die Event-Reihe Woman@RatePAY statt: Wir laden externe, weibliche Gäste ein, die uns von ihrem Werdegang, ihren Learnings und Insights erzählen.

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