Pressemeldungen darüber, wie viele Retouren von Onlinehändlern vernichtet werden, haben einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Zu Recht, schließlich sind viele der zurückgesendeten Artikel gar nicht oder kaum benutzt. Retournierte Ware oder Ausstellungsmodelle sind aber nicht nur unter Umweltgesichtspunkten zu schade zum Wegwerfen, Händler verschenken damit auch Umsatz. Hier braucht es ein entschiedenes Umdenken, sagt Oliver Klinck, Geschäftsführer von Ebay Deutschland, in einem Gastbeitrag. Der Marktplatzbetreiber will die Hürden für den Kauf gebrauchter Elektronikartikel senken.

Der erste Schritt ist bereits getan. In den vergangenen Monaten konnten gerade die Bereiche ein überproportionales Wachstum verzeichnen, in denen nicht mit neuer Markenware gehandelt wird.

Vorsaisonware, generalüberholte Artikel, gebrauchte Produkte oder Outlet-Waren werden für Konsumenten zunehmend interessant.

Besonders für die jüngeren Generationen spielt der Nachhaltigkeitsaspekt eine immer größere Rolle: Laut dem aktuellen Ebay-Recommerce-Report kauften 81% der Kunden zwischen 18 und 24 Jahren bei Ebay weltweit in den letzten Monaten häufiger gebrauchte Produkte. 
Gebrauchte und wiederaufbereitete Produkte werden für umwelt- und preisbewusste Konsumenten zunehmend interessant.
© IMAGO / biky
Gebrauchte und wiederaufbereitete Produkte werden für umwelt- und preisbewusste Konsumenten zunehmend interessant.

Großes Potenzial bei Elektronik

Möbel oder Kleidung gebraucht zu kaufen, ist längst Usus. Doch auch in der Elektronikbranche zahlt sich das aus - für Kunden wie für Händler. Die Neuproduktion ist durch den Einsatz von Edelmetallen wie Lithium und Kobalt extrem kosten- und rohstoffintensiv, auch die Produktion selbst ist aufgrund des hohen Energiebedarfs nicht eben umweltfreundlich.

Gerade Smartphones und Co. verschwinden zudem auch oft zugunsten eines aktuelleren Modells in der Schublade, obwohl das Gerät noch lange nicht am Ende ist.

Mehr als 120 Millionen Handys liegen ungenutzt herum

Ein Zahlenbeispiel: Allein in deutschen Haushalten liegen rund 124 Millionen Mobiltelefone ungenutzt herum - und das bei etwa 80 Millionen Einwohnern.

Doch auch wenn nicht jeder Wert auf das neueste Modell legt, schrecken viele Konsumenten vor dem Kauf gebrauchter Elektronikartikel zurück. Kein Wunder - wer ein Smartphone gebraucht kauft, das dann nach wenigen Wochen den Geist aufgibt, ärgert sich zu Recht.
Die Lösung sind Anbieter und Plattformen, die auf das sogenannte Refurbishing (eng. überholen, aufarbeiten) setzen. Das bedeutet, dass Artikel geprüft, generalüberholt und gereinigt werden und anschließend wieder in den Warenkreislauf einsteigen.

50% weniger Umweltbelastung bei gebrauchten Notebooks

Das lohnt sich nicht nur aus Umweltgründen - eine Studie der Technischen Universität Berlin zeigt: Gebrauchte Notebooks sparen 50% der herstellungsbedingten Umweltbelastung ein, bei Monitoren sind es sogar 66% - Verbraucher profitieren zudem von oftmals deutlich niedrigeren Preisen.

Für Händler ist der Verkauf generalüberholter Produkte eine sinnvolle Ergänzung zum regulären Geschäft, um nicht auf Retouren oder Vorführgeräten sitzen zu bleiben.

Rückgaberecht und Gewährleistung

Ebay ist vor mehr als 25 Jahren als Plattform für den Weiterverkauf von Produkten gestartet. Mit dem B-Ware-Center bringt der Marktplatz Händler, die generalüberholte Produkte, Retouren oder Vorführmodelle verkaufen, mit preis- und umweltbewussten Konsumenten zusammen.

Pakete über Pakete: Retouren gehören bei vielen Onlinehändlern heute zu den größten "Profitfressern".
© IMAGO / Ralph Peters
Retourenabwicklung

So werden Retouren nicht zum Verlustgeschäft

Hier angebotene Artikel werden von den Händlern oder direkt vom Hersteller gereinigt, geprüft und ggf. erneuert.

Beim Kauf auf einer anerkannten Plattform stehen Käufern die gesetzlich geregelten Rahmenbedingungen wie ein 14-tägiges Rückgaberecht sowie eine zwölfmonatige Gewährleistung zu.

Neues Zertifikat erweitert Garantie- und Rückgabefristen

Mit dem Siegel "zertifiziert generalüberholt" geht Ebay jetzt noch einen Schritt weiter. So ausgezeichnete Produkte sehen nicht nur aus wie neu und sind voll funktionsfähig. Käufer profitieren zudem von einem Jahr Verkäufergarantie sowie 30 Tagen Rückgaberecht.

Wie bei regulären Käufen von B-Ware-Produkten sind Kunden zudem durch den Käuferschutz abgedeckt und können sich bei Rückfragen an den Ebay-Kundenservice wenden. Auch die Verkäufer profitieren von der Auszeichnung, da sie weniger Rücksendungen mit der Begründung "Artikel nicht wie beschrieben" verzeichnen.

Secondhand-Verkauf als Ergänzung des regulären Geschäfts

In allen Bereichen kann der Gebrauchtwarenhandel eine sinnvolle Ergänzung zu Neukäufen sein, besonders bei langlebigen und hochwertigen Produkten. Dank zertifizierter Shops und Plattformen sinkt jetzt auch die Hürde für den "Second-Use"-Einsatz von Elektroartikeln.

Händler, die ganzheitlich denken und das Neuwarengeschäft mit dem Verkauf gebrauchter Artikel ergänzen, können ihren Kunden ein nachhaltiges und preisbewusstes Einkaufserlebnis bieten.

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