Mit neuen Läden will SportScheck im boomenden Sportartikelmarkt den Anschluss halten. Oder wieder herstellen. Auf der Mönckebergstraße in Hamburg wird sichtbar, wie sich der Sport-Spezialist eine moderne Filiale vorstellt: Als Ort der Inspiration und mit Technik, die das Einkaufen erleichtern soll.

Die Sport- und Fitnessbranche wächst, immer mehr Deutsche wollen laufend oder Gewichte stemmend jung bleiben. Allein die Fitness-Studios im Land haben mehr als 10 Millionen Mitglieder, notiert der Deutsche Industrieverband für Fitness und Gesundheit.

Ein interessanter Markt für den Einzelhandel? Unbedingt. Doch die Branche muss kämpfen gegen die Online-Konkurrenz. Die Fünfländer-Verbundgruppe Intersport beklagte für das  Geschäftsjahr 2018 einen Umsatzrückgang von 1 % auf 3,53 Milliarden Euro. Im überragend wichtigen Markt Deutschland gab es gar ein Minus von 3 % auf 2,85 Milliarden Euro. Umso bemerkenswerter, dass der neue Intersport-Vorstandschef Alexander von Preen die Renditen seiner Mitglieder auf 8 % heben will – aktuell liegen sie bei etwa 2,5 %. Die defizitäre Intersport-Tochter Voswinkel steht dagegen mittlerweile zum Verkauf.

Starke Konkurrenz aus dem Internet

Nicht nur für Intersport kommt neue Konkurrenz nicht nur aus Frankreich. Decathlon bietet auf immer mehr schlichten Großflächen enorm billige Eigenmarken. Vor allem steigt der Druck aus dem Internet: Amazon und Zalando greifen Umsätze ab. "Das ist ein alarmierendes Zeichen für uns Sportfachhändler", klagte Stefan Herzog, Generalsekretär im Verband Deutscher Sportfachhandel, auf der Leitmesse Ispo Anfang diesen Jahres.

Es ist daher mutig, in neue Filialen zu investieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Wie SportScheck das in Hamburg macht, ist wiederum konsequent. Die Otto-Tochter öffnete am Donnerstag auf der Hamburger Mönckebergstraße einen umgebauten Laden, der das bieten soll, was Decathlon und das Internet (noch) nicht schaffen: Erlebnis und Service. Und: Das Einkaufen vor Ort wird hier mit dem digitalen Bestellen verknüpft.

Drei Monate Training für den neuen Lauf

Als Multichannel-Händler versteht sich das in München ansässige Unternehmen ohnehin schon. "Doch mit dem neuen Storekonzept in Hamburg haben wir eine noch stärkere Verzahnung der Vorteile des stationären Handels mit denen des Online-Shoppings geschaffen", sagt Geschäftsführer Markus Rech. SportScheck soll Haus der Marken sein und über alle Kanäle reibungsloses Einkaufen bieten. 

Gallery: SportScheck in Hamburg: Der vernetzte Sportladen


Drei Monate dauerte der Umbau. Die Verkaufsfläche wurde durch den Wegfall einer Treppe zu einer U-Bahn-Station um 200 auf 3.100 Quadratmeter erweitert. Mehr Platz heißt aber nicht mehr Ware – im Gegenteil: Die neue Filiale, die fünfte dieses Konzepts, bietet viel Platz und Raum für moderne Ladeninszenierung.

Neue Technik hilft beim Beraten und Verkaufen

Dazu gehören eine Wand in Betonoptik zur Präsentation der beliebten Sneakers und von Trikots bekannter Fußballklubs, außerdem ungewöhnliche Elemente wie Container, in denen die Kassen untergebracht sind. Die Filiale ist in vier verschiedene Sportwelten unterteilt: Fitness für Frauen und Männer, Outdoor sowie Saison-Sport mit Artikeln fürs Wasser und den Schnee. Auf 80.000 Produkte summiert sich auf der Mönckebergstraße das Angebot.

Und jetzt zur Technik: Die Kunden können selbst "auschecken", wie das Bezahlen heute genannt wird. Dafür wurden die 35 Verkaufsberater mit Tablets ausgerüstet, mit denen sie Artikel scannen und sogleich bargeldlos per Karte oder Mobile Payment App bezahlen lassen können.

Hilfsmittel zur Leistungssteigerung

Dass die Dienste Click & Collect und Click & Reserve angeboten wird, muss nicht extra betont werden. Interessanter ist die Auswahl eines Lauf- oder Wanderschuh. Dafür misst eine sogenannte Druckmessplattform mit mehr als 4.000 Sensoren, wie der Fuß abrollt. Danach wird im System und in den Regalen innerhalb von zwei Minuten ein passender Schuh für den Kunden ermittelt.

Insgesamt betreibt SportScheck 17 Filialen, 5 sind bereits renoviert und umgebaut. In der jüngeren Vergangenheit lief's nicht gut für Ottos Sportler: 2018/19 sackte der Umatz um 2,3 % auf 280 Millionen Euro ab. Die neuen Filialen sollen demonstrieren, dass sich der Händler neu erfindet: "SportScheck findet seine Nische – als Treffpunkt für das Erlebnis Sport, sowohl im Netz als auch in der Filiale. Das Unternehmen ist zwar nach wie vor in der Restrukturierung, aber gleichzeitig investieren wir. Im stationären Handel zum Beispiel in Häuser, die wir für zukunftsfähig halten, aktuell in Hamburg", sagte Otto-Vorstand Sven Seidel unlängst der "Lebensmittel Zeitung".

Kleine Fußnote am Rand: Wenige Meter von der neuen SportScheckfiliale entfernt findet sich ein weiterer modernisierter Laden aus der Otto-Gruppe: Im Februar öffnete die digitale Filiale des Mode-Versenders Bonprix. Die Mönckebergstraße ist, wenn man so will, die Showmeile des Hamburger Versenders, auf der er zeigt, wie modern er gerade wird.



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