Schon seit einiger Zeit verlangt eBay von seinen Händlern verstärkt die Eingabe eindeutiger Produktnummern. Damit verfolgt der Marktplatzbetreiber eine klare Strategie. Wir verraten die Hintergründe.

Stellen Sie sich vor, Sie besäßen eine Schatzkiste, in der alles Wissen der Welt gespeichert ist. Nur leider herrscht in der Kiste ein absolutes Chaos. Tausende kleiner Zettel, auf denen sich Autoren mit verschiedenen Handschriften und Stilen verewigt haben. Und noch dazu für den gleichen Sachverhalt Synonyme benutzt wurden. Keine Frage, so wird es schwierig, das zu finden, wonach man sucht.

Das trifft in übertragenen Sinne auch auf eBay zu. Der Marktplatz besitzt ein Inventar von 1 Milliarde Artikeln (etwa ein Zehntel davon in Deutschland). Allerdings in unstrukturierter Form. Schuld daran sind die Verkäufer und Händler und natürlich eBay selbst, schließlich konnte jeder seine Angebote nach eigenen Wünschen beschreiben und bezeichnen. Das verursacht im Detail dann aber Probleme. Ein Beispiel. Die Angabe "Notebook von Acer 17 Zoll Modell Extensa" mag für die meisten Käufer ausreichend sein. Schwierig wird es, wenn es von diesem Modell aber verschiedene Varianten gibt (unterschiedliche Ausstattung). Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal mag dann zwar in der Produktbeschreibung stecken, aber für die Algorithmen der Suchfunktion bleiben die Beschreibungen ein Rätsel.

Eindeutige Produktkennzeichnungen lösen das Problem

Um mehr Ordnung in das Chaos zu bringen, fordert eBay von den Händlern die Angabe eindeutiger Produktkennzeichnungen. Diese finden sich üblicherweise auf den Verpackungen der Produkte in Form von Barcodes. Die Kennzeichnungen sind einem Produkt eindeutig zuzuordnen. Um das Notebook aus dem Beispiel aufzugreifen. Es mag die Produktbezeichnung "Extensa 1234" besitzen, seine Varianten (Festplattengröße, Arbeitsspeicher oder Betriebssystem) besitzen einen eigenen Barcode, über den der Hersteller selbst seine Warenwirtschaft steuert.

Solche eindeutigen Produktkennzeichnungen, auf die eBay abzielt, sind:

  • GTIN (Global Trade Item Number = Globale Artikelnummer): Damit sind in der Regel sämtliche im Einzelhandel erhältlichen Artikel, von Lebensmitteln bis hin zu Elektronik, versehen. GTIN ist ein Sammelbegriff, unter dem auch die EAN (European Article Number = Europäische Artikelnummer) und ISBN (International Standard Book Number=Internationale Standardbuchnummer) zusammengefasst werden.
  • MPN (Manufacturer Part Number = Herstellernummer): Hersteller verwenden diese Nummern, um ihren Warenbestand und ihre Produktlinien zu verwalten.

Die Eingabe dieser Informationen macht zwar Vorderhand etwas mehr Mühe, es ergeben sich aber auch Vorteile.

Den Kunden geben, wonach sie suchen

Dank strukturierter Daten im Artikelkatalog kann Ebay solche Produktseiten anbieten
© Screenshot von Stephan Lamprecht
Dank strukturierter Daten im Artikelkatalog kann Ebay solche Produktseiten anbieten
Über die Strukturierung des Artikelkatalogs kann eBay seine Suchfunktion deutlich verbessern. Gleichartige Produkte werden identifiziert und der Kunde findet schneller, wonach er sucht. Inzwischen sollen bereits rund 40 Prozent des Inventars eindeutig klassifiziert worden sein. Dabei setzt der Marktplatz auch auf Systeme der künstlichen Intelligenz. Von den strukturierten Daten haben die Kunden also einen konkreten Nutzen.

Doch auch die Händler profitieren:

  • Denken Sie an Hidden Champions, die eine Produktvariante besonders günstig anbieten, aber das Pech haben, von den Kunden nicht entdeckt zu werden.
  • Über Datenstrukturen werden neue Landingpages für die Kunden ermöglicht, die zu einem besseren Einkaufserlebnis führen werden. Über Filterfunktionen lässt sich der Warenbestand besser sichten. Hat der Kunde noch keine Modellpräferenz, könnte er sich etwa alle Notebooks anzeigen lassen, die mit 8 GB Arbeitsspeicher und dem Betriebssystem Linux lieferbar sind. Oder die Kundschaft erkennt mit einem Blick die günstigsten Angebote.
  • Kunden wollen Qualität und setzen dabei auf die Meinung anderer Käufer. Dank der eindeutigen Kennzeichnung kann eBay auch mit Produktbewertungen arbeiten. So sehen potenzielle Käufer, ob der Artikel ihren Erwartungen entspricht.

Die Produktkennzeichnungen bieten eBay also die technische Basis, für eine bessere Produktpräsentation und andere neue Funktionen. Und sie verbessern das Einkaufserlebnis für die Kunden. Und von beidem profitieren eben auch die Händler.



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