„Wir dürfen nicht bequem werden“, sagt Walmart CEO Doug McMillan. „Wir haben eine Menge zu tun – man kann Veränderungen nicht verlangsamen.“ Walmart hält das Tempo hoch. Jetzt geht die neue Homepage an den Start, Pick up Tower werden ausgebaut, Finanzdienstleistungen angeboten und der Zustellservice massiv ausgedehnt - eine Ansage.

Der Einzelhandelsriese lässt nicht nach und bringt sein Unternehmen auf Zukunftskurs. Walmart hat wie kaum ein anderes Handelsunternehmen verinnerlicht, dass es völlig egal ist, wo ein Konsument den Kauf tätigt, so lange er den Kauf abschließt. Das scheint selbstverständlich, doch die meisten Händler setzen E-Commerce auf Platz zwei – und versuchen das klassische stationäre Geschäftskonzept zu verteidigen. Kein Gedanke für Walmart, der gemeinsam mit Jet.com Amazon Paroli bieten will.

Zeit der Marktplätze

Forrester Research schätzt, dass weltweit Verbraucher aktuell die Hälfte ihrer Käufe über Marktplätze abwickeln. Die Prognose im vergangenen Jahr: Der Anteil wird innerhalb von fünf Jahren auf  zwei Drittel ansteigen.
Diese Entwicklung sieht auch Walmart – der Wettkampf zwischen Walmart und Jet.com versa Amazon habe gerade erst begonnen, so Beobachter. Wenn jemand mit Amazon mithalten könne, dann Walmart, da das Unternehmen zum Beispiel bereits über Verteilzentren verfüge. Walmart hat verstanden, dass es einen eigenen Marktplatz entwickeln muss, schätzt Ohad Hagai, ehemliger Marketing Vizepräsident  von Feedvisor, den Experten für algorhythmische Preisanpassungen.
Dabei rückt Walmart die eigene Plattform und nicht etwa Jet.com in den Fokus. Zwar bringt Jet.com die jungen, gebildeten, urbanen Kunden mit höherem Einkommen – jene um die Walmart über Jahrzehnte vergeblich geworben hat. Doch es sei billiger einen Kunden mit der Marke Walmart zu gewinnen – „deshalb haben wir in Walmart.com investiert und reduzieren unsere Marketingausgaben für Jet“, erklärt Doug McMillon.

Jetzt hat er sich seine eigene Homepage vorgenommen, die im Mai online gehen soll. In diesen Tagen macht Walmart mit ersten Häppchen neugierig und deutet an, wo das Unternehmen Schwerpunkte setzen wird. Jetzt soll das persönliche Kundenerlebnis möglich werden. Je nach Sortiment verspricht Walmart eine spezielle Einkaufsatmosphäre. Wer sich für eine Couch interessiert und sich inspirieren lassen will, benötigt eine andere Ansprache, als ein Kunde, der bestimmte Haushaltsartikel sucht und einfach schnell bestellen will. In den kommenden Wochen wird Mode lanciert, mit von der Partie ist der Flagshipstor Lord & Taylor.
Walmarts neuer Auftritt
© Walmart
Walmarts neuer Auftritt

Pick up in weniger als einer Minute

Wer online ordert, kann per click&collect seine Ware am nächst gelegenen Standort abholen – ein Pluspunkt gegenüber Amazon. Neben klassischen Pick up Tresen hat Walmart Pick up Tower installiert.
Tempo zählt: Barcode einscannen und Lieferung in wenigen Sekunden entgegennehmen.
© Walmart
Tempo zählt: Barcode einscannen und Lieferung in wenigen Sekunden entgegennehmen.
Hier lagern die vorkommissionierten Einkäufe. Per Barcode oder Nummer die via E-Mail den Verbraucher erreicht haben, wird der Zugriff zum passenden Paket gewährt. Das überzeugende Argument: Über die automatisierte Abholung dauert der ganze Prozess keine Minute und der Kunde ist schon wieder unterwegs. Nachteil: Dieses Konzept funktioniert ohne Kühlung. 200 Pick up Tower wurden im vergangenen Jahr installiert – in diesem Jahr werden weitere 500 folgen. Für großformatige Einkäufe wie wandfüllende TV-Geräte werden ergänzende Schließfächer eingerichtet.
Der tägliche Einkauf lässt sich ebenfalls per  click & collect auf dem Nachhauseweg von der Arbeit bei Walmart einsammeln, ohne das Auto verlassen zu müssen – der Retter für gestresste Mütter - oder Väter. Er ist bereits in 1200 Geschäften verfügbar, alleine rund 20 in Charlotte  – weitere 1000 sollen in diesem Jahr noch folgen.

Zum 10. April konnten sich gestresste Eltern in Charlotte auf eine Premiere freuen. Denn jetzt kann der Einkauf direkt nach Hause geordert werden. Um diese on- und offline-Verzahnung zu verbessern, wird Walmart von Postmates unterstützt. „Wir sind zuversichtlich, dass unsere wachsende Flotte mit 160000 Kurieren den Walmart Kunden ultimative Conenvience bieten wird“, erklärt Dan Mosher, Senior Vizepräsident Postmates. Ultimative Convenience für mehr als 40 Prozent der US Haushalte soll dieser Coup bringen – so das anvisierte Ziel. Und so soll sie aussehen: Der Kunde bestellt online entweder über die Homepage oder die Walmart Grocery App. Er legt ein Zeitfenster für die Anlieferung fest. Sobald die Bestellung bei Walmart kommissioniert ist, holt ein Kurier von Postmate den Auftrag ab und liefert ihn aus – auch noch am selben Tag.  Dieser Service ist ohne Subskription ab einer Mindestbestellung von 30 Dollar für eine Gebühr von 9.95 Dollar zu haben. Zum Einstieg wird die erste Bestellung (Minimum 50 Dollar) unter Eingabe des  Aktionscodes Freshcar kostenlos geliefert. Der Lieferservice wird  in den kommenden Monaten weiter ausgebaut werden.

Walmart wird zum Bänker

Walmarts Service endet nicht beim Einkauf. Er übernimmt neuerdings auch Finanzdienstleistungen.
Walmart richtet Express Service ein.
© Walmart
Walmart richtet Express Service ein.

Wer Geld innerhalb der USA überweisen will oder auf das Konto seiner Nichte in Europa – kann einfach Walmart2World nutzen. Der Dienst überweist Beträge in maximal zehn Minuten, das sei viel schneller, als über internationale Dienstleister, die  bis zu drei Tagen  benötigten, so Walmart. Die Kosten sind dieselben: Für die Überweisung von bis zu 50 Dollar bezahlt der Kunde vier Dollar, bei 51 bis 1000 Dollar verdoppelt sich die Gebühr. 16 Dollar werden bei einem Betrag zwischen 1001 und 2500 Dollar fällig – und dies unabhängig davon wo sich Absender oder Empfänger auf dem Globus befinden.
Ergänzend können Verbraucher bei ihrem örtlichen Walmart-Markt den Service MoneyGram nutzen. Über den können beispielsweise Geldanweisungen ausgezahlt werden oder innerhalb der USA Geld an Familie oder Freunden geschickt werden. Wer Rechnungen zu begleichen hat, nutzt den MoneyGram's BillPayService.

MEHR ZUM THEMA:

Die Zukunft hat begonnen: Walmart liefert bis in den Kühlschrank. Ein einmalig nutzbarer Code verschafft dem Zustelldienst Zugang zur Wohnung.
© Walmart
Player

Zukunft? Walmart ist schon da


Amazon fresh Kunden lassen nicht vorrangig Lebensmittel ins Körbchen packen – sondern Süßwaren.
© Amazon
E-Food

Amazon Fresh: Kunden sind Naschkatzen


"Wir sind gerade ziemlich aktiv", so Walmart E-Commerce Chef Marc Lore
© walmart.com
Strategie

An allen Fronten: Walmart rüstet gegen Amazon