Amazon hat in seinem Weihnachtsquartal eine gewaltig gute Performance abgeliefert. Doch jenseits der nackten Umsatz-Milliarden gibt es eine Reihe von Zahlen und Fakten, die zeigen, warum Amazon so mächtig ist und immer mächtiger wird.

Mega-Hebel Prime

Allen voran Prime erweist sich quasi zunehmend als eine Gelddruckmaschine. Mit rund 150 Millionen Prime-Nutzern weltweit entwickelt sich Amazon über sein Prime-Video-Angebot nicht nur zum wohl größten Streamingdienst hinter Netflix, sondern bindet auch mehr und mehr zahlungsbereite Kunden mit tendenziell höherem Einkommen. 

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Die lassen mehr Geld auf der Plattform. Prime-Kunden lassen knapp 2.300 Euro im Jahr bei Amazon (plus Prime-Gebühren),  zitiert Exciting Commerce aus einer Untersuchung der Frankfurt University of Applied Sciences. Dort heißt es außerdem: „Prime-Nutzer/-innen bestellen darüber hinaus deutlich mehr online: Prime-Kunden bestellen vier Warensendungen pro Monat mit einem Gesamtwert von ca. 190 Euro. Amazon-Kunden ohne Prime-Nutzung bestellen monatlich zwei Warensendungen mit einem Gesamtwert von fast 100 Euro.“

Logistik – Schneller wird günstiger

Die Tempo-Offensive in der Logistik muss doch ins Geld gehen, dachte man. Vor allem Same Day Delivery, kostenlos für Prime-Kunden, galt als teurer Versuch Wettbewerber zu verdrängen. Zumal sich die Zahl der Sendungen, die an US-Kunden mit der kostenlosen Ein-Tages- und Same-Day-Zustellung von Prime geliefert wurden, im vergangenen Quartal im Vergleich zum Vorjahr mehr als vervierfacht hat. Aber Amazon blieb deutlich unter den erwarteten Kosten. Ein Grund: jede Lieferung, die flott raus geht, macht Lagerplatz frei. Skaleneffekte sorgen dann dafür, dass die letzte Meile vergleichsweise günstiger ist als die Lagerhaltung.


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Gleichzeitig gewinnt der Online-Riese mit dem Amazon Day an Planbarkeit.  Die neue Versandoption bietet die Option, Sendungen mehrerer Tage gebündelt und an einem vom Kunden gewählten Termin zuzustellen.


„Fulfillment by Amazon“ als „Must have“

Auch wenn Amazon die schnelle Lieferung im ersten Quartal vermutlich rund eine weitere  Milliarde Dollar für die eintägige Zustellung kosten wird, macht sich die Leistung auch noch an anderer Stelle bezahlt:  Händler auf dem Marktplatz werden zunehmend „Fulfillment by Amazon“ nutzen wollen und müssen, da es für sie in Eigenregie zu kostspielig wird die Versandbedingungen von Amazon zu erfüllen. Und wenn sie das nicht tun, verlieren sie auf der Plattform ihre Sichtbarkeit.  

Werbung – Win-Win für Amazon

Die Werbeeinnahmen wachsen. Zwar sind sie noch vergleichsweise eine Randbemerkung. Aber je weiter die Zahl der Drittanbieter auf der Plattform wächst, und sie wächst konstant, desto größer wird der Zwang für die Händler, die Werbe-Optionen von Amazon zu nutzen.


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Der damit steigende Wettbewerb um die Werbeplätze wird dann wiederum zu höheren Preisen für die Anzeigen führen und zu Mehreinnahmen für Amazon. Amazon gewinnt also gleich zweimal.  Der Preis steigt zudem zusätzlich durch Werbungtreibende, die den reichen Fundus an Daten und die wachsende Reichweite immer attraktiver für gezielte  Werbung finden, obwohl sie Produkte wie Versicherungen verkaufen, die nicht Teil des Onlinekatalogs sind.

Amazon Fresh frischt auf

Womöglich hat man in Seattle nun auch ein Rezept für Amazon Fresh gefunden, das bislang eher enttäuschende Zahlen produzierte. Auch hier setzt man auf Convenience für den Kunden, bietet mehr Bequemlichkeit, erhöht so die Akzeptanz und hofft dann auf die Netzwerk- und Skaleneffekte.

Denn durch die Abschaffung einer monatlichen Gebühr und das Angebot enger Lieferfenster habe Amazon das Bestellvolumen im letzten Quartal 2019 deutlich erhöht und profitiere nun vom Momentum, liest man in einer US-Analyse. Auch dieses Segment könnte wiederum vom Wachstum der Prime-Zahlen profitieren. Laut „Morningstar“ könnte  das Gross Merchandise Volume  im Online-Lebensmitteleinkauf bei Amazon in den USA bis 2024 auf 31,3 Milliarden Dollar steigen, gegenüber 10,1 Milliarden Dollar in 2019.

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