Die Deutschen lieben Smartphones: 2016 gibt es in Deutschland erstmals mehr Smartphone-Nutzer (47 Millionen) als Autos auf der Straße (45 Millionen). Sie lieben Apps: Der Branchenverband Bitkom hat ermittelt, dass über die großen App-Stores 2018 erstmals mehr als zwei Milliarden Apps heruntergeladen wurden. Und die Deutschen lieben Autos. So wundert es nicht, dass digitale Kommunikation in den Fahrzeugen Einzug gehalten hat. Dabei gehen die Anwendungsmöglichkeiten weit über die eines Smartphones hinaus.

Die digitalen Anwendungen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, sie erleichtern einem die Organisation der Arbeit ebenso wie die der Entspannung. Es gibt Apps zur Kommunikation, für die Wettervorhersage, Musikstreaming, den Sport, die Mobilität. Und natürlich sollten all diese Apps auch im Auto verfügbar sein.

Eigentliche wäre für die Nutzung der Smartphone-Apps nur ein Bildschirm erforderlich, der via USB, Lightning-Anschluss oder Bluetooth mit dem Smartphone verbunden wird. Doch die Autohersteller haben ihre eigenen Systeme. Um die Smartphone-Inhalte entsprechend spiegeln zu können, gibt es daher Services unterschiedliche Anbieter, die bekanntesten sind Android Auto (AA), Apple CarPlay (AC) und MirrorLink (ML). Voraussetzung für die Nutzung aller drei Standards ist ein kompatibles Infotainmentsystem der Autohersteller.

Das Auto von Morgen: voll vernetzt
© metamorworks - shutterstock
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Doch, so warnte "Bild" gerade wieder, dazu bedürfe es oft eines Extras aus der Ausstattungsliste, und das werde teuer: "Die Krux: Statt die Infotainment-Systeme der Hersteller zu ersetzen, was sie locker könnten, werden Android Auto und Co. von den Herstellern in ihre eigenen Systeme integriert."

Android und Apple

Android Auto ist als extra App verfügbar und kann in über 400 Modellen von Audi über Mercedes bis VW eingesetzt werden, es kommuniziert mit Infotainment-Anbietern von Alpine über Panasonic bis Sony. Dann kann auf Google-Maps und alternatives Kartenmaterial zugegriffen werden, auf andere Anwendungen und Messenger-Systeme. Wichtig dabei die Sprachsteuerung, die die Funktionalität erhält, ohne die Augen von der Straße nehmen zu müssen.

Ähnlich sieht es bei Apple CarPlay aus, das das iPhone mit dem Auto verbindet und mit Ausnahme von Toyota von allen großen Herstellern angeboten wird.

Standard für die Vernetzung

MirrorLink wurde 2011 vom Car-Connectivity-Consortium als globalen Standard für die Vernetzung zwischen Auto und Android- sowie Windows-Smartphones gestartet. Für die Tester der Bild ist MirrorLink die schlechteste der drei Konnektivitätsangebote: "Die Verbindung ist instabil und es gibt nur wenige Apps. Einige funktionieren nur, wenn das Auto steht – Google Maps etwa."

Technisch ist die Verbindung von Smartphone und Auto also im Wesentlichen unproblematisch, sofern die Sicherheit dies zulässt, steht der Nutzung der gewohnten Apps beim Fahren nichts entgegen.

Neben den populären Apps der allgemeinen Smartphone-Nutzung gibt es eine Reihe interessanter Apps, die auf die Anforderungen der Mobilität zugeschnitten sind.


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Bei der Bosch Driving App kann das Handy während der Fahrt per Gestensteuerung und Sprache bedient werden. Neben den Vorteilen der Sprachsteuerung bei der Nutzung von Navigation und Messengerdienste bietet die App auch noch einen Wrong-Way Driver Warner. Mit der cloudbasierten Lösung kann das Risiko der Begegnung mit einem Geisterfahrer miminiert werden, sofern der Geisterfahrer auch Teil der Bosch-Community ist. Denn nur dann werden alle Nutzer im Umfeld, sowie der Falschfahrer selber binnen weniger Sekunden gewarnt. Das Beispiel zeigt, dass die Konnektivität aller Verkehrsteilnehmer die Unfallrisiken drastisch senken würde.

Suche nach Parkplätzen

Bei der Suche nach Parkplätzen ist es ähnlich. Würde auch der ruhende Verehr lückenlos überwacht, könnten freie Parkplätze in Echtzeit ausgewiesen werden. Park Now, eine App des Joint-Venture von BMW und Daimler, arbeitet an diesem Ziel, bietet aber auch heute schon die Möglichkeit, Parkplätze aus dem Wagen heraus zu buchen und zu bezahlen.

Wer jemals bei Großereignissen auf unüberschaubar weiten Parkplätzen mit unzähligen gleichförmigen Reihen nach seinem Fahrzeug gesucht hat, wird eine App wie Find my Car gerne nutzen: Wird beim Aussteigen der Stellplatz gespeichert, führt einen die App sicher zum Ziel zurück. 

Es gibt eine Reihe von Apps, die einen zur aktuell günstigsten Tankstelle der Umgebung führen. Diese Art der Navigation ist für E-Fahrzeuge keine Frage der Kostenersparnis, sondern eine des weiteren Fortkommens.  ADAC und die YellowMap AG haben gemeinsam das Projekt SmartTanken gestartet und bieten heute über ihre Smart-Tanken-App eine Übersicht von 20.000 Ladestationen.

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Aber das kann es doch in Sachen Apps noch nicht gewesen sein? 
Natürlich nicht, es gibt auch noch ein paar sehr viel spezifischere Angebote, wie beispielsweise die Fahrzeugdiagnose, auch On-Board-Diagnose (OBD) genannt. Die Schlüssel hierzu sind eine kostengünstigen Adapter (Dongle) und eine entsprechende App. Der Adapter wird auf die standardisierte Schnittstelle für die Fahrzeugdiagnose (OBD 2) gesteckt, der bei nahezu allen Fahrzeugen in Deutschland Standard ist. Verbunden mit dem Smartphone und bei Nutzung der richtigen App können dann Fahrzeugdaten ausgelesen werden.

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Zu den Funktionen der besten OBD2-Apps gehören unter anderem anpassbare Dashboards, Echtzeit-Diagramme von Fahrzeugsensoren, Emissionsbereitschaftsstatus, Datenprotokollierung und -export, Sauerstoffsensortests, Boost-Anzeige und ein vollständiger Diagnosebericht, was natürlich gerade bei der Diagnose von Fehlern hilfreich ist. "Damit ist es auch für Laien möglich, über Smartphone oder Tablet die komplette Elektronik eines Autos zu durchleuchten", zollt ´"Auto Bild" der neuen Transparenz Respekt.

Bei Mercedes ist diese Transparenz bei vielen Pkw-Modellen Teil der verfügbaren Ausstattung. Über die Mercedes me-App können sich Fahrzeugbesitzer unter anderem ein Bild von Reifendruck, Kilometerstand, Zustand der Bremsbelägen beziehungsweise dem Tankstand machen.

Ähnliche Angebote gibt es für Transporter der Marke Mercedes-Benz. Bei Vito, eVito und Sprinter kann mittels Mercedes PRO connect unter anderem Wartungs- und Reparaturmanagement eingerichtet, ein Fahrtenbuch durch automatische Aufzeichnung der gefahrenen Strecken digital geführt und das Fahrzeug mit WLAN-Hotspot ausgestattet werden. Nicht zu unterschätzen ist, dass durch die Verbindung bei einer Panne ein direkter Kontakt zum Kundensupport hergestellt werden kann; bei Übermittlung der Fahrzeugdaten kann Hilfe schneller vor Ort sein.

Mobile Fahrzeugbedienung mit Mercedes PRO connect

Alle Fahrzeuge, die nicht ab Werk mit der Konnektivitätslösung ausgestattet sind, kann die Konnektivität gegebenenfalls durch Einsatz des Mercedes PRO Adapters hergestellt werden. Beim Sprinter reicht die Kompatibilität laut Mercedes-Benz bis Baujahr 2006 zurück (Baureihe 906). Vitos können ab Bauzeitraum 11/2010 nachgerüstet werden (Baureihen 639 und 447).

Katalog von Services

So transparent die Leistungs- und Nutzungsdaten eines einzelnen Fahrzeugs mittels App nunmehr sind, so einfach soll die Verwaltung eines Fuhrparks durch Apps sein. Unterschiedliche Anbieter versprechen Lösungen für das Flottenmanagement zu denen neben Fahrzeugverwaltung und -ortung die individuelle Fahrtenbuchführung und die tunrnusmäßige Führerscheinüberprüfung zählen.

Hersteller wie Vimcar und TomTom öffnen ein umfangreichen Katalog von Services, dazu gehören Vertragsmanagement, bei dem die Fristen und Konditionen von Leasingverträgen automatisch im Blick behalten werden, die Berechnung fahrzeugbezogener Kosten durch die Erfassung aller relevanten Kosten, die Fahrzeugbuchungen der Flotte mit wenigen Klicks und die Tourenplanung mittels GPS-gestützten Funktionen.

Transparenz bei der Tourenplanung

So wünschenswert die Transparenz bei der Tourenplanung sowie der Ortung der Fahrzeuge für die Verantwortlichen einer Flotte ist, so schwierig ist die Nutzung dieser Möglichkeiten im Hinblick auf den Datenschutz. Lutz D. Fischer, Rechtsanwalt und Gründer der auf Dienstwagen- und Fuhrparkrechts spezialisierten Kanzlei fischer.legal, betont im Vimcar E-Book "Datenschutz im Fuhrpark", dass der Datenschutz zu einem erhöhten Organisations- und Arbeitsaufwand im Fuhrpark führe. Datenschutz sei jetzt eine originäre Fuhrparkaufgabe, die praktisch aus den Halterpflichten und –aufgaben folge. In diesem Kontext müsse unter anderem auch ein Konzept für "die Löschung von Daten in Zielspeichern von Navigationssystemen sowie in Bordcomputern von Fahrzeugen und damit vernetzten mobilen Telekommunikationssystemen anlässlich jeder einzelnen Fahrzeugrückgabe" erstellt werden.

Doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen: Sind die Prozesse einmal aufgesetzt und werden diese auch entsprechend durchgeführt, überwiegen die Vorteile durchaus den durch den Einsatz bedingten datenschutztechnischen Aufwand.

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