Reden wir über Karstadt Kaufhof: bloß nicht, es ist doch alles gesagt. Längst nicht alles, denn nun wird auch noch das halbseidene Format Saks Off 5th dicht gemacht. Und weil es durch die Fusion mehr Sportabteilungen gibt, betrachtet man sich als kompetenter im Einkauf von Sportartikeln und gibt gleich dem Einkaufspartner Intersport den Laufpass. Wie schön ist da die heile Welt der Musterhaus-Küchen MHK - so unbeschwert und frei von den Sorgen des Onlinehandels.

Eigentlich sollte hier für eine Weile nichts mehr stehen, was irgendwie mit Karstadt Kaufhof zu tun hat. Schließlich ist so gut wie alles geschrieben, was man darüber wissen muss, und weit mehr, als der Marktanteil des neuen Fusionsbetriebes mit etwas über 1 Prozent am gesamten deutschen Einzelhandelsumsatz eigentlich hergibt.

Doch andererseits sind die Namen beider Häuser einfach zu groß, um sie zu ignorieren – allein schon wegen der  Mitarbeiterzahl von über 30.000.  Außerdem soll es draußen noch einige Menschen geben, die es bedauern, wenn die Warenhäuser still und leise verschwinden, zunächst aus den Medien, und dann aus den Städten.
Schließlich kennt sie fast jeder, auch wenn  dort kaum einer mehr einkauft. Aber immerhin gibt es bei Karstadt Kaufhof noch Kunden, wenigstens aus China.

Saks Off 5th wird dicht gemacht

Im halbseidenen Kaufhof-Ableger  Saks Off 5th sieht das noch viel schlimmer aus. Deshalb werden die acht Häuser in Deutschland schon bald dicht gemacht, wie die Textilwirtschaft schreibt.
© etailment
Abgesehen von den betroffenen Mitarbeitern wird wohl niemand Saks Off 5th vermissen – diese Eintagsfliege, die für kurze Zeit zum Hoffnungsträger der kanadischen Kaufhof-Gesellschafterin Hudson’s Bay aufpoppte. 

Na ja, selbst bei Saks Off 5th gab es  ein paar Kunden, die gerne billig einkaufen und trotzdem mit Designermarken protzen wollen – also eher eine Klientel, die sich durch Container und Dschungelpfade auf RTL II zappt.
Dafür gibt sich Karstadt Kaufhof künftig umso sportlicher: Weil ja mit der Fusion so viele Sportabteilungen in den Häusern zusammen kommen, fühlt sich der neue Warenhauskonzern, also zumindest das Management um Stefan Fanderl, nun dermaßen muskelbepackt, dass man gleich auf die gemeinsame Einkaufskooperation mit der Intersport-Gruppe verzichtet.

Der Partner Intersport erhält den Laufpass

Jens Dunkel, seines Zeichens CEO von Karstadt Sports sagt dazu: „Die Beendigung der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Intersport ist eine Folge unserer größeren Zahl von Filialen und Abteilungen und der daraus resultierenden, neuen Einkaufskompetenz."

Aha.

Mehr Fläche bringt also mehr Einkaufskompetenz?  

Etwa mehr Kompetenz im Sinne der Kunden,  mehr Wissen, was diese wirklich kaufen wollen? 

Falsch gedacht, von Kunden ist in diesem Zusammenhang nirgends die Rede. Wohl eher meint der Manager damit mehr Einkaufsmacht durch schiere Größe. Dieses Denken ist im Lebensmittelhandel weit verbreitet, etwa wenn sich die Edeka mit Lieferanten wie Unilever, Nestlé oder Heinz anlegt.

Wer träumt von Hochzeitsrabatten durch Adidas und Nike?

Gern wäre man als stilles Mäuschen dabei, wenn der Einkauf der neuen K&K-Truppe bei Adidas und Nike vorspricht, um von ihnen Hochzeitsrabatte einzufordern – das wird ganz sicher lustig, denn schon längst bestimmen dort die Lieferanten, wo der Hase langläuft – besser gesagt, wo der Hase am Einkauf der Händler vorbeiläuft. Welche Vertriebskanäle die Herzogenauracher wohl bei der Kooperatioon mit Pop-Ikone Beyoncé zuvorderst bestücken? 
Beyoncé soll unter anderem Schuhe und Kleidung für Adidas entwerfen.
Beyoncé soll unter anderem Schuhe und Kleidung für Adidas entwerfen.
Also Schluss jetzt mit dem Gerede über die Warenhäuser, selbst wenn diese ebenso wie Amazon fast jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf treiben. Der Unterschied besteht bei Amazon darin, dass es sich um neue Märkte, Ideen und Modelle dreht, und nicht nur um sich selbst. Dreimal dürfen wir raten, was mehr Erfolg verspricht.
Andreas Chwallek, Chefredakteur von Der Handel und etailment.de
© Aki Röll
Andreas Chwallek, Chefredakteur von Der Handel und etailment.de
Klar, auch bei Amazon wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Und schon landen wir in der Küche, einem magischen Ort, um den sich immer mehr im Leben der Deutschen dreht.

Davon kann der Vorzeigekoch Johann Lafer ein Liedchen singen (oder im Werbevideo pfeifen), wenn er als Werbeträger für die Musterhausküchen den Herd anschmeißt. 

Johann Lafer und musterhaus küchen Fachgeschäft

Wenigstens hier scheint die Welt des stationären Handels noch in Ordnung zu sein, folgt man den jüngsten Zahlen des Musterhaus-Küchen-Verbundes MHK. Ein Umsatzplus von 8 Prozent auf erstmals über 6 Milliarden Euro, und alles ohne E-Commerce.
Wer muss denn da noch über Onlinehandel reden?
MHK, der letzte Exot aus einer heilen Welt?

Ein Liedchen trällern mit Anastacia

Zumindest auf der jüngsten Jahreshauptversammlung in Berlin schien die Welt mehr als in Ordnung. Wie immer feierte Vorstandschef Hans Strothoff mit mehr als 3.000 Teilnehmern die Rekordergebnisse der Gruppe und sich selbst.
Schnell noch gemeinsam mit dem sicher nicht billigen US-Rockstar Anastacia (die wie ihre Kollegin Beyoncé auch schon Mode gemacht hat, allerdings für Aldi Süd) auf der Bühne ein Liedchen geträllert – und gleich schien die heile Welt von Hans Strothoffs MHK noch viel schöner.

Anastacia bei Aldi

Tatsächlich zeigt sich die Verbundgruppe resistent gegen Attacken aus dem Netz, verkauft selbst nichts online und ist trotzdem in vielen Shops der Konkurrenz mit von der Partie: Das verdankt MHK ihrer Küchenplanungssoftware Carat, die von mehr als 45.000 Küchenplanern verwendet wird.
Wer irgendwo in über 70 Ländern eine Küche konfiguriert, tut dies meist mit Carat. Und jetzt noch diese kleine Wanderausstellung namens Cube, ein mobiler Pop-up-Küchenstore, der vor allem Händlern in schlechter Lage mit Frequenzproblemen helfen soll. Wer sich das nicht leisten kann, geht zur hauseigenen Cronbank.

Auch wenn im MHK-Universum der eine oder andere Händler dicht machen sollte, absehbar erscheint das Geschäftsmodell dieser Gruppe selbst ohne Onlineshop tragfähig. Der über 13.000 Euro gestiegene Durchschnittspreis der verkauften Küchen lässt weiterhin hoffen – auf gute Renditen für die Händler und die Gesellschafter.  Letztere hatten auch 2018 bei einer Ausschüttung von 86 Millionen Euro allen Grund zur guten Laune.

Speisemöhren im Beutel aus Zuckerrohr

Für gute Laune sorgte jüngst auch eine Nachricht aus dem Edeka-Universum, nämlich von der Discount-Tochter Netto. Deren Pressemitteilung beginnt mit dem Satz: „Kein Aprilscherz: Als erster Lebensmittelhändler im Discountsegment verkauft Netto Marken-Discount ab 1. April zwei Wochen lang Bio-Speisemöhren in einem Beutel aus Zuckerrohr statt Plastik. Durch den Einsatz der nachhaltigeren Verpackungslösung spart Netto 85 Prozent Kunststoff ein.“
Neu: Natur ohne Verpackung
© Netto
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Einfach toll, weniger Kunststoff für Möhren!
Ähnliche Pressemitteilungen erreichten uns schon von anderen Händlern zu Gurken und sonstigem Gemüse.

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Es  ist sicher gut für den Planeten, was sich da  gerade im Handel tut. Aber muss denn zu jedem Stückchen Gemüse ohne Plastik gleich eine Pressemitteilung raus? Oder dient die Verpackung aus Zuckerrohr nicht eher dem eigenen Image?

Schon seit Jahren werden Zeitungsredaktionen von der Markenindustrie mit Pressemitteilungen überhäuft, wo welche Fabrik wieder wieviel Wasser spart oder wieviel CO2 nicht in die Luft gepustet wurde. Meist wird dabei nicht erwähnt, welche Dreckschleudern die Fabriken vorher waren und immer noch sind. So wird mancher Journalist heute bereits müde, wenn er das Wort Nachhaltigkeit nur hört.

Sicher, wer Gutes tut,  darf gerne darüber sprechen. Auch die ersten Schritte eines Babys sind wichtig. Aber nicht jedes Bäuerchen verdient gleich eine Pressemitteilung.

Und der Globus ist doch größer als die K&K-Häuser

Andererseits: Wenn’s dem Globus gut tut.
Nein, nicht nur dem Globus aus dem Saarland. Allerdings zeigt sich dieser Händler ebenfalls vorbildlich bei Themen wie Abfallvermeidung und Bio-Angeboten. Seit einem Jahr gibt es in den Läden Demeter-Produkte und noch viel mehr. Globus expandiert erfolgreich, in Ländern wie Russland, aber auch mit neuen Flächen im Inland wie jüngst in Chemnitz.
Und Globus wächst noch leicht beim Umsatz, auf zuletzt rund 7,6 Milliarden Euro. Damit liegt das saarländische Familienunternehmen mal locker mehr als 2 Milliarden Euro über Karstadt Kaufhof. Aber damit wollen wir nicht schon wieder anfangen…   

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