Die Kampagne mit dem berühmten "3-2-1-meins" war einfach zu gut. Sogar eBay-Manager Oliver Klinck sieht darin "manchmal noch ein wenig einen Fluch". Lieber aber sieht er eBay als Innovationstreiber. Welche Rolle Payment und Fulfillment dabei spielen, erklärt er etailment im Interview.


Herr Klinck, Sie sind "Vice President Commercial Operations" bei eBay Deutschland. Was tun Sie genau?
Ich bin im Wesentlichen für das gesamte B2C-Geschäft zuständig, also immer dann, wenn ein professioneller Verkäufer etwas bei eBay.de verkauft. Als Marktplatzbetreiber haben wir drei große Parteien auf dem Markplatz: gewerbliche Verkäufer, private Verkäufer sowie die Käufer.  

Sie haben kürzlich den 20. Geburtstag von eBay Deutschland gefeiert. Wie blicken Sie als einer der Pioniere des E-Commerce auf die vergangenen 20 Jahre zurück?
20 Jahre sind für ein E-Commerce-Unternehmen tatsächlich eine lange Zeit. Wir haben uns sehr stark weiterentwickelt, sind uns dabei aber immer treu geblieben. Wir sind weiterhin ein reiner globaler Marktplatz, der nicht in Konkurrenz zu den Verkäufern tritt. Wir konzentrieren uns rein auf das Marktplatz- und Vermittlungsgeschäft, bringen Verkäufer mit Käufern zusammen und dabei bleibt es auch. Das ist seit 20 Jahren ein sehr erfolgreiches Modell und macht einen wesentlichen Teil unserer Stärke aus.

"Manchmal ist es noch ein wenig ein Fluch, weil noch viele 3-2-1-meins in den Köpfen haben"

Oliver Klinck

Wie zukunftsträchtig ist Ihre "alte" Stärke?
Wir ruhen uns natürlich nicht darauf aus. Der Markt entwickelt sich weiter und wir auch. Wir schauen beispielsweise, wie wir bestimmte Käufersegmente noch zielgenauer ansprechen und unsere Services für Käufer und Verkäufer weiter verbessern können. Wir sind zunächst als Auktionsplattform groß geworden und das ist heute manchmal noch ein wenig ein Fluch, weil noch viele 3-2-1-meins in den Köpfen haben. Ein Fluch deshalb, weil dies nicht mehr den Großteil unseres Geschäfts widerspiegelt: Etwa 80 Prozent ist heute unser B2C-Geschäft, bei dem professionelle Verkäufer zu Festpreisen verkaufen.

Sind die 20 Prozent des Umsatzes, die noch über Auktionen laufen, noch willkommen?
Die sind uns sehr willkommen, weil das einen Kreislauf anregt, zu der Einzigartigkeit des Angebots bei eBay beiträgt und den Kern unseres Geschäftsmodells stärkt. Denn wir können dem Konsumenten auf einer Plattform alles anbieten: Neuware, aber auch ausgefallene Dinge oder gebrauchte Artikel.

Da hilft Ihnen sicher der Upcycling-Trend und das wachsende Interesse an Nachhaltigkeit.
Genau, wir sind auch der Marktplatz für gebrauchte und aufbereitete Artikel, deutlich mehr als jeder andere. Sie finden bei uns die ganze Palette, ein neues Produkt, ein gebrauchtes Produkt und ein wiederaufbereitetes Produkt. Insofern schließt sich der Kreis, indem ich als Konsument ein neues Produkt bei eBay kaufen und mein altes dort verkaufen kann. Oder nehmen sie Händler wie Media-Markt und Saturn, die eBay unter anderem als Kanal für die Verwertung von Retouren nutzen und aufbereitete Artikel zu Festpreisen verkaufen.


Wie erfolgreich ist dieses Konzept bei den jüngeren Konsumenten?
Sehr erfolgreich. 2018 beschleunigte sich das Wachstum neuer Käufer auf dem deutschen eBay-Marktplatz im Vergleich zu 2017 um 16 Prozentpunkte. Diese Beschleunigung wurde vor allem von dem Segment der jüngeren weiblichen und männlichen Shopper unter 35 Jahren getrieben und treibt auch das Wachstum der Gesamtzahl der aktiven Käufer bei eBay.de. Heute sind etwa 50% der Online-Shopper unter 35 Jahren bei uns aktive Kunden.

eBay will mit "Catch" die „Young Value Shopper“ einfangen
© Giphy
Neue Plattform

eBay will mit "Catch" die Millennials einfangen


Was hat es mit der neuen Shopping-Plattform für Jüngere "Catch" auf sich – und wie läuft sie?
Das exklusiv für Deutschland entwickelte Catch richtet sich an die sogenannten Young Value Shoppers, die Lust an neusten Produkten zu günstigen Preisen haben und gerne browsen, um neue Produkttrends zu entdecken. Die im September 2018 als Beta-Test gestartete Plattform ist gut gewachsen, so dass wir die Beta-Phase inzwischen beendet haben und weitere Features integrieren. Unsere Strategie, Catch für Nutzer zu entwickeln, die vor allem mobil surfen und in gewisser Weise Mobile Snacking betreiben, geht auf: Etwa 70 Prozent aller Käufe werden über ein Smartphone abgeschlossen und neun Prozent über ein Tablet. Insgesamt sind rund 44 Millionen Artikel bei Catch erhältlich.
Das exklusiv für Deutschland entwickelte Catch richtet sich an die "Young Value Shoppers"
© eBay / Screenshot Catch
Das exklusiv für Deutschland entwickelte Catch richtet sich an die "Young Value Shoppers"

Wo will eBay Deutschland in den kommenden Jahren hin?
Wir werden weiterhin Innovationstreiber bleiben. Der Festpreis wurde bei eBay beispielsweise bereits 2001 eingeführt, 2008 waren wir einer der ersten, die voll auf Mobile gesetzt haben, lange vor anderen. Das hat beispielsweise dazu geführt, dass unsere App inzwischen rund 460 Millionen Mal runtergeladen wurde. Auch Click & Collect haben wir früh angeboten, um den lokalen Handel zu fördern. Das werden wir weiter tun.

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Wo sind Ihre aktuellen Baustellen?
Wir bauen den sogenannten Managed Marketplace weiter aus, also die Services rund um die Transaktion. Wir übernehmen dadurch mehr Kontrolle und können den Marktplatz besser steuern.

Zum Beispiel mit Ihren neuen Paymentangeboten, die Sie kürzlich angekündigt haben?
Genau, das ist derzeit ein großes strategisches Thema für uns. Die Einführung der neuen Zahlungsabwicklung in Deutschland wird uns ein breites Testfeld für weitere Zahlungsmethoden im Zuge unserer globalen Expansion bieten. Weltweit steigt die Nachfrage nach einer Checkout-Erfahrung bei eBay, die besser mit den Standards im Handel übereinstimmt und die mehr Flexibilität und Auswahlmöglichkeiten bei den Zahlungsoptionen bietet. Unsere Verkäufer erhalten so den Zugang zu neuen Käufern, die so bezahlen können, wie sie es wünschen.

Auch weiterhin mit PayPal…
Genau, PayPal wird eine der möglichen Zahlungsoptionen bleiben.

Im Oktober 2018 haben Sie den Logistik-Service eBay Fulfillment gestartet. Wie läuft’s?
Verheißungsvoll. Seit Start der Beta-Phase von eBay Fulfillment steigt die Teilnehmerzahl ausgewählter Händler stetig an, sie beträgt derzeit mehr als 40, weitere 100 Händler befinden sich momentan in der Vorbereitungsphase. Dazu kommen mehr als 200 Händler, die großes Interesse bekundet haben, sobald weitere Multichannel-Tools angebunden sind.

eBay veranstaltet am 16. und 17. September in Berlin erstmalig die „eBay Open“. Die "größte Veranstaltung für gewerbliche eBay-Händler in Deutschland mit Vorträgen, Workshop und vielen Networking-Möglichkeiten", wirbt der Marktplatzbetreiber.
© eBay
eBay veranstaltet am 16. und 17. September in Berlin erstmalig die „eBay Open“. Die "größte Veranstaltung für gewerbliche eBay-Händler in Deutschland mit Vorträgen, Workshop und vielen Networking-Möglichkeiten", wirbt der Marktplatzbetreiber.

Der bisherige Verlauf der Beta-Phase von eBay Fulfillment hat gezeigt, dass 90 Prozent aller eBay Plus-Bestellungen, die bis 20:00 Uhr erfolgen, am nächsten Tag an den Kunden geliefert werden. Verkäufer, die eBay Fulfillment nutzen, genießen einen besonderen Verkäuferschutz, erfüllen die Standards des eBay Plus-Programms und profitieren dadurch von einer besseren Sichtbarkeit und damit auch einem höheren Umsatz ihrer Angebote.
Welche Partner haben Sie bei Ihrem Fulfillment-Angebot?
Der Logistik-Partner FIEGE übernimmt die Lagerung und Versandvorbereitung für die teilnehmenden Händler. Zugestellt werden den Konsumenten die Sendungen durch Hermes. Die Anbindung an eBay Fulfillment erfolgt über plentymarkets und ab Sommer auch über JTL und Dreamrobot. Unterstützung für weitere Multichannel-Tools planen wir noch für dieses Jahr.

Über eBay Deutschland

Das Portfolio der eBay-Unternehmen in Deutschland (unter anderem eBay.de, eBay Kleinanzeigen und mobile.de) hat 2018 Umsätze in Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar erzielt, ein Wachstum von mehr als 8% im Vergleich zu 2017. Damit ist Deutschland am Umsatz gemessen der größte Markt für eBay nach den USA. (Vorsicht, nicht verwechseln: Das ist nicht das erzielte Handelsvolumen, also der Wert der gehandelten Waren, der deutlich höher liegt, sondern die von eBay Inc. in Deutschland erzielten Umsätze etwa durch die Gebühren, die die Verkäufer an eBay zahlen).
eBay Deutschland-Zentrale
© eBay
eBay Deutschland-Zentrale
Seit 1998 haben gewerbliche Verkäufer bei eBay.de

... mit Verkäufen ins Ausland einen Umsatz von mehr als 13 Milliarden Euro generiert

... neben Deutschland am meisten in die Länder Österreich, Italien, Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Spanien, USA, Niederlande, Belgien, Dänemark verkauft

... mehr als 3,2 Milliarden Artikel verkauft, etwa:

  • 234 Millionen Autoteile
  • 164 Millionen Bücher
  • 85 Millionen Schuhe
  • 41 Millionen Smartphones
  • 35 Millionen Jeans
  • 22 Millionen Uhren
  • 23 Millionen LEGO-Produkte
  • 10 Millionen Stühle
  • 8 Millionen Laptops
  • 4 Millionen Lampen
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eBay verkauft übrigens auch Luxus-Handtaschen. Sogar mit "Zertifikat".
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