Der Online-Handel muss in den nächsten Wochen mit weiter steigenden Kosten rechnen. Vor diesen Risiken warnen zahlreiche Berater und Institute. Die Kosten für einen Containertransport von China nach Hamburg sind durch die Pandemie stark gestiegen, auch die Lieferzeiten sind deutlich gewachsen. Eine immer stärkere Rolle spielen auch die fehlenden Lkw-Fahrer und anderen Beschäftigten aus der Ukraine in Folge des Krieges und die höheren Energiekosten.

Proaktiver Umgang
Die Situation für den deutschen Online-Handel wird nicht einfacher, der Umgang mit den unterschiedlichen Kostenfaktoren fordert die Unternehmen. Oliver Lucas, geschäftsführender Gesellschafter der E-Commerce-Beratung Ecom Consulting, rät zu einem strukturierten und proaktiven Umgang. Die Produkt- und Prozesskosten sollten in verschiedenen Szenarien simuliert werden, um einen umfassenden Überblick zu erhalten. Die Lieferketten sollten genau überwacht werden. Dabei gehe es auch um eine weit mögliche Digitalisierung und Automatisierung, um die Prozesse effizienter aufbauen zu können. Im Kundenservice solle der Einsatz von Chatbots geplant werden, ein sinnvoller Einsatz der Künstlichen Intelligenz könne die Mitarbeiter entlasten.

Oliver Lucas rät zu einer Verbesserung der Prozesseffizienz.
© ecom consulting
Oliver Lucas rät zu einer Verbesserung der Prozesseffizienz.


Alternative Beschaffungswege
Ein wesentlicher Fehler sei der Aufbau des Handels auf einem Single Sourcing. Eine geringere Abhängigkeit von externen Partnern und verstärkte Partnerschuaften in politisch stabilere Regionen, nennt Lucas als wesentliche Elemente für eine größere Sicherheit. Dies könne sich auch aus Gründen der Nachhaltigkeit auszahlen, dabei spiele auch die Wahl der Beschaffungs- und Transportwege eine wesentliche Rolle. Diese sollten auch in Krisensituationen schnell verfügbar sein. Zu all diesen Aspekten gehöre aber auch eine Überprüfung des eigenen Warensortiments und eine mögliche Neustrukturierung mit der Konzentration auf eine geringere Zahl an Produkten.

Bedeutung von Preisaktionen und Versandkosten
Eine weitere Kostenschraube, deren Bewegung Lucas empfiehlt, sind die Preise. Der Verzicht auf Rabatte, sondern der Verkauf zum normalen Preis, führe zwar zu einbem langsameren verkauf, aber auch zu einer höheren Marge. Als zweiten Ansatzpunkt sollten sich die Händler mit dem Versand und der Frage des kostenfreien Versands auseinandersetzen. Gegenüber Bestandskunden sei eine Weitergabe der Kosten wie auch die Übergabe der Kosten von Rücksendungen bei gleichzeitigem Beibehalten des Preisniveaus trotz der stark ansteigenden Inflation leichter vermittelbar. Diese Maßnahme sollte auch nur temporär eingesetzt werden. Besonders in einer solchen Krise wie derzeit zahle sich eine gute Kundenbindung aus. Stammkunden könnten in solchen Situationen besser und leichter angesprochen werden. Wer jetzt nicht versuche, Kosten einzudämmen, müsse irgendwann die bitteren Konsequenzen tragen, gibt Lucas zu bedenken.