Marge, Marke, Multichannel, Mistdreck. Klingt nach einer schönen Alliteration. Wenn da nicht auch noch Marktplatz Amazon wäre. Gewohnt markig - hehe - geht Christian Otto Kelm in "Kelms Kanzel" zur Sache.

Es gibt kaum übermäßige Mehrumsätze im gesamten Handel. Es wächst Amazon auf Kosten der Faulheit der Kunden durch Umverteilung. Dabei steigen jedoch die Fixkosten der Markterschließung für Händler und Hersteller und die spezifischen Kosten. Schnittstellen, Mitarbeiter, Weiterbildung, Zeit und neue Werbekostenblöcke sowie mehr Marktplätze für Multichannel! Marke und Marge kannste vergessen - ein klassischer Mistdreck also.

Stationär stirbt und Kataloge sind außer Mode – was macht Amazon – stationäre Geschäfte und Kataloge! Alle wollen Lösungen? Aber wofür überhaupt? Keiner stellt Fragen was überhaupt schief läuft – alle zeigen nur mit dem Finger auf das große A! Die Schuld haben natürlich wie immer die Anderen.

Das korrelative Problem mag Amazon sein... Aber das kausale ist jahrelanges Versagen der Händler und Hersteller und die endgültig überverwöhnten Kunden... Dort gilt es anzusetzen und nicht bei dem Meckern über Amazon.

Marke muss an allen Touchpoints überzeugen

Neben dem eigentlichen Phänomen, dass Kunden alle Produkte schnell und preisgünstig haben möchten, steht weiterführend der Glaube an Qualität und Marken immer noch im Vordergrund (Ausnahmen sind im Bereich 1:1 ersetzbarer Produkte anzutreffen – hier müssen sich Marken über Service und andere Mehrleistungen differenzieren).
Markensterben und Margensterben – ist das also Amazon?

Was können Marken anstellen, um Kunden auch außerhalb von Amazon zu überzeugen? Mir als Marke muss der Ort des finalen Kaufes fast egal sein – aber ich möchte Touchpoints auf allen Ebenen erzeugen. Know your Customer and his Journey. Wohin gehen wir und woher kommen wir? Die großen Fragen der Menschheit – nicht erst seit Dan Brown! Wie suchen wir und was wollen wir? Die großen Fragen auf Amazon!

Analysen der Kundensprache sind also das eine; Tools und Denkarbeit helfen dabei weiter. Egal ob markenspezifische Suchintention oder Fehlschreibverhalten – nahezu alle Details liegen greifbar vor. Und wenn nun mal „Grippefiguren“ und falsch „Sokken“ gesucht werden, muss man das erstmal hinnehmen (Tipp – Derlei rutscht auch am Handy gerne mal rein).

Clever sind die Marken, welche den Kunden mit eigenen Suchworten prägen wie Cosyshoes. Besser natürlich man wird zum Synonym für Suchen wie Imbus und Tempo oder Kärcher und Maxi Cosy. Zeitgleich werden aber auch einfache Fehler gemacht - Zielgruppen wie Damen / Frauen und Herren / Männer fehlen leider ganz häufig selbst bei den größten Brands.

Wer nun anfängt sollte jedoch eins nicht vergessen – wenn man die eigene Marke analysieren kann – dann sollte man direkt bitte jede Wettbewerbermarke betrachten. Startet dazu mal die Suche auf Google – Ihr mögt Platz 1 sein – doch was zeigt der „böse“ Direktlink auf Amazon? Seid ihr dann noch auffindbar? Wer Beispiele mag, kann es mal mit Klebeetiketten versuchen.

Während man den Kunden mit eigenen Suchworten und Namen prägt und so zu anderen Suchansätzen ohne Wettbewerb bringt, ist es weiterhin notwendig die wesentlichen Synonyme abzubilden. Doch was passiert mit der Corporate Identity dabei? Warum verbiegen sich (man könnte auch bücken sagen) immer mehr Marken für Amazon?
Die Marke Essie hat eine der besten Stories für Nagellack – nur nicht auf Amazon. Aus der zuckersüßen samtig-weichen locker-flockigen Glasur der Nägel für echte Fashionista in schimmerndem Mitternachtsblau wird der Nagellack blau mit Mikropigmenten für die Nägel – deckender Farbauftrag dank Fächerpinsel…

AmazonSEO ist auch nicht alles

Wichtig ist die Tatsache, dass man Kunden nicht durch AmazonSEO gewinnt – das bringt nur Sichtbarkeit! Verkäufe entstehen dank Vertrauen in Marken und Produktqualität / -nutzen.

Lasst eure Kunden nicht los, nehmt sie an die Hand und begleitet sie entlang der ganzen Reise, dazu ist Amazon DSP (ehemals AAP) nur ein weiteres Mittel der Wahl – aber nicht der heilige Gral. Retargeting ist das einzige Gold in dem Bereich was wirklich glänzt.

Löst euch vom Gedanken eine Markenstrategie basiere auf eurem Amazon-Auftritt. Die Amazon-Strategie muss ein Teil der Markenführung werden – aktuell ohne Frage. Doch wie krumm macht ihr euch dann für Alibaba?
Schafft es dank Touchpoints auf allen Kontaktebenen den Kunden in eure Markenwelt zu entführen. Wo er am Ende kauft muss dabei egal sein – solange es eure Produkte sind. Natürlich eine saubere Preisstrategie vorausgesetzt. Oder im Sinne von Henry Ford – jeder darf sein Auto in einer beliebigen Farbe bestellen – solange es schwarz ist.

In den letzten 20 Jahren hat Amazon gezeigt, dass Sie eins nicht geschafft haben – Marken aufzubauen! Amazon steht für alles und nichts – Die Infrastruktur des Online-Handel und ein widerspenstiger Lautsprecher, mit dem keiner in Europa kaufen will. Doch wofür steht ein Falke? Tupperware? Tempo? Lego?

Eure Marke ist eure einzige Währung und nicht niedrige Preise im Keyword-Sturm der Synonyme verfeinert mit Sternenstaub - Verkauft eure Marke nie unter Wert!
Beachtet bitte immer den Grundsatz „Don`t let the label label you!“

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