Plattformen entwickeln sich zum neuen Standard für den Onlinehandel - und auch traditionelle Einzelhändler folgen zunehmend dem Beispiel reiner Online-Marktplätze. Die Folge: Plattformen stehen in immer stärkerem Wettbewerb untereinander und dabei vor der Herausforderung, den sehr unterschiedlichen Erwartungen von Käufern und Verkäufern gerecht zu werden. Die Rolle, die dabei die Automatisierung von Prozessen spielt, beleuchtet Guido Kuhring vom Zahlungsanbieter Mangopay in einem Gastbeitrag.

Mit einem Wachstum, das doppelt so hoch ist wie im herkömmlichen E-Commerce, entwickeln sich Marktplätze zum neuen Standard für den Onlinehandel. Kein Wunder, denn Plattformen ermöglichen Skalierbarkeit: Marktplätze können sich einer höheren Nachfrage anpassen, ohne ihr Leistungsniveau zu verringern. Hier können sich sowohl professionelle Anbieter mit Konsumenten als auch Privatpersonen untereinander verbinden.

Das Plattformmodell bietet Endverbrauchern ebenso wie Verkäufern immer mehr Services, weshalb traditionelle Einzelhandelsunternehmen zunehmend dem Beispiel reiner Online-Marktplätze folgen. Auf der Verbraucherseite bietet der Marktplatz eine breite Palette von Produkten, um den Kauf zu erleichtern. Auf der Verkäuferseite bietet er eine Reihe von Dienstleistungen und Lösungen, um den Verkauf von Produkten zu erleichtern.
Um genügend Angebote zu generieren und so Kunden anzuziehen, muss ein Marktplatz Verkäufern die besten Bedingungen bieten.
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Um genügend Angebote zu generieren und so Kunden anzuziehen, muss ein Marktplatz Verkäufern die besten Bedingungen bieten.
So wurden beispielsweise 60% der Verkäufe am letzten Black Friday laut Accenture von Verkäufern getätigt, die die Logistikdienste des Marktplatzes in Anspruch genommen haben, auf dem sie präsent waren. Dies zeigt, dass Marktplätze nicht nur mit ihrer Technologie punkten, sondern auch mit ihrem Dienstleistungsangebot.

Marktplätze punkten mit Dienstleistungen

Aufgrund des Wettbewerbs befinden sich Marktplätze in einem ständigen Wettlauf untereinander. Sie müssen ihr Serviceniveau immer weiter erhöhen und ihr Dienstleistungsangebot ausbauen, wenn sie die besten Käufer und Verkäufer anziehen wollen. Das birgt auch die Herausforderung, den sehr unterschiedlichen Erwartungen beider Zielgruppen gerecht zu werden.
Für Verbraucher sind schnelle und unkomplizierte Abläufe von größter Bedeutung. Sie wünschen sich z.B. Flexibilität bei den Zahlungsmodalitäten und bevorzugen Marktplätze mit einer Auswahl verschiedener Payment-Optionen. Hauptsache, der Kaufvorgang selbst bleibt einfach.


Verkäufer wollen schnell auf die Einnahmen aus ihren Verkäufen zugreifen. Doch je höher die Anzahl der Verkäufe ist, desto komplizierter wird die manuelle Abwicklung der Zahlungen. Anbieter von Marktplatztechnologien setzen deshalb auf automatisierte Prozesse im Bereich Payment, um beispielsweise die sofortige Eröffnung von Verkäuferkonten zu ermöglichen.


Irgendwo auf der Welt ist immer Saison für Sommerschuhe. Stationäre Einzelhändler sollten die großen Plattformen nicht nur als Bedrohung sehen - sondern auch als neue Vertriebschance.
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Marktplätze

Die Amazonisierung des Handels kann auch eine Chance sein


Die Integration neuer Verkäufer vereinfachen

Der Wert eines Marktplatzes korreliert mit der Anzahl seiner Verkäufer. Diese sind idealerweise zunehmend international. Einer Erhebung von Accenture zufolge stammen in den meisten Fällen etwa 30% der Verkäufer auf einem Marktplatz aus China, weitere 30% aus Europa und die restlichen aus anderen Ländern.

Es ist also enorm wichtig, dass Marktplätze es Verkäufern aus aller Welt leicht machen, Waren auf der Plattform anzubieten. Ein einfaches und vollständiges Onboarding ermutigt Anbieter, ihre Waren auf dem Marktplatz zu verkaufen und diesem treu zu bleiben. Werden die zur Identifizierung der Verkäufer notwendigen Unterlagen sofort bei der Registrierung automatisch verschickt, kann sich der Prozess im besten Fall auf eine Woche verkürzen.

Regionale Vorschriften im Fokus

Jedes Land ist anders, Konsumgewohnheiten und Zahlungsmittel unterscheiden sich. Das müssen auch Marktplätze berücksichtigen. Um einen Marktplatz international zu entwickeln, müssen die Betreiber das Einkaufserlebnis auf die jeweiligen Endnutzer zuschneiden, indem sie etwa die richtigen Zahlungsmethoden anbieten und lokale Währungen akzeptieren.

Damit Anbieter problemlos im Ausland verkaufen können, sollten Marktplätze ihnen ermöglichen, in vielen verschiedenen Ländern Handel zu treiben und gleichzeitig die Komplexität der Zahlungsströme reduzieren.

Marktplätze werden weiter wachsen

Marktplätze erwirtschafteten bereits 2020 die Hälfte des weltweiten E-Commerce-Umsatzes und Forrester schätzt, dass ihr Anteil bis Ende dieses Jahres auf 67% ansteigen wird. Dieser Erfolg wird nicht nachlassen, auch wenn der Rückgang des Konsums die Plattformen ebenso betrifft. Bestimmte Marktsegmente entwickeln sich weiterhin sehr positiv, wie etwa der Secondhand-Handel – ein Geschäftsmodell, das vom wachsenden Wunsch nach ökologischem Wandel profitiert.

Zusammengefasst heißt das: Für den Erfolg eines Marktplatzes muss dieser den Anbietern die besten Verkaufsbedingungen bieten, um genügend Angebote zu generieren und damit Käufer anzuziehen. Ein automatisierter Prozess z.B. zur Verwaltung der Zahlungsströme ist hierfür unabdingbar. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Skalierung.

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