Bargeld ist am Point of Sale auf dem Rückzug. Mobile Payment gehört die Gunst der Stunde. Das sagt eine Umfrage von GS1 Germany bei Markenherstellern, Händlern und Zahlungsanbietern. Die Gewinner scheinen fest zu stehen. Ein Blick auf die Details zeigt, dass es dennoch nicht ganz so simpel ist.

Der Trend zumindest scheint klar. Die befragten Händler erwarten, dass Bargeld-Zahlungen an der Ladenkasse jährlich jeweils um rund 2% zurückgehen. 2022 würden demnach nur noch 44 % der Einkäufe im Geschäft mit Münzen und Scheinen bezahlt und 2024 nur noch 40%. Zahlungsverkehrsdienstleister und Kreditkartenanbieter rechnen sogar noch mit einer etwas größeren Steigerung.
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Doch was nutzen die Kunden dann?

Ist es Hype, Fanboyism oder schlicht der Glaube an die pure Marktmacht?

Jedenfalls werden Apple Pay und Google Pay als Gewinner im Rennen um Mobile Payment gesehen. Mit Abstand dahinter PayPal. Erst dann folgen Payback und Co. 

Auch Bezahlverfahren sollten künftig besser multichannel-fähig sein.
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Bezahlverfahren

Welcher Payment-Typ sind Sie?

Die Übermacht von Apple und Google könnte auch ein Risiko sein. Händler sehen vor allem die Gefahr, dass die Tech-Riesen Einkaufsströme umlenken, Kunden also zu einem zum Wettbewerber führen.

Davor schützen könnten eigene Lösungen. Doch HiPPOS, jenes Konstrukt, das als "Händler Initiiertes Payment am POS", Hoffnung auf eigne eigene Lösung für eine von Händlern getriebene, neutrale händlerübergreifende Mobile Wallet macht, scheint eher so ein Ding zu sein, auf das von Berufswegen die Bankenwelt und ihre Satelliten setzen. Unterstützung bekommt das Projekt dort zu 100%. Händler, die näher am Kunden (und den eigenen Kosten) sitzen, unterstützen die von GS1 Germany und dem HDE initiierte Lösung HiPPOS nur zu 60%.

Mit Instant Payments am POS können Händler die risikobehaftete Lastschrift ersetzen. Dazu bedarf es aber Standards
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Mobile Payment

Der Handel braucht HIPPOS

Apropos Kosten: Investitionen in die Technologie sollten sich lohnen. Glauben die Optimisten. 36% der Händler erwarten durch Mobile Payment höhere Warenkörbe. Nur 9% rechnen mit kleineren Durchschnittsbons.  
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Der digitale Bon, übrigens, der steht bei allen Händlern hoch im Kurs. Bei den Banken und Zahlungsdienstleistern können sich den digitalen Kassenzettel nur 88% als Mehrwert innerhalb einer Mobile Wallet vorstellen. Für Kundenverständnis spricht das nicht gerade. Dabei würde digitaler Zusatznutzen, beispielsweise auch durch Coupons in der App,  im Wettbewerb mit den Tech-Riesen Vorteile verschaffen. „Wer die attraktivsten Mehrwertservices im digitalen Portemonnaie anbietet, wird beim Kunden punkten“, sagt Ercan Kilic, Lead Competence Center E-Commerce + Payment bei GS1 Germany.

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