Statt als eine weitere Herausforderung sollten Einzelhändler das Thema Nachhaltigkeit als große Chance begreifen, denn: Konsumenten wollen künftig mehr bei Händlern einkaufen, die sie als nachhaltig wahrnehmen. Viele sind darüber hinaus bereit, im Namen des Umweltschutzes Lieferoptionen zu wählen, die für Versender günstiger sind - und sogar mehr für Produkte oder Lieferservice zu zahlen. Das belegt eine aktuelle Studie des Logistiktechnologie-Anbieters  Descartes.

Rund 8.000 Verbraucher in neun europäischen Ländern, Kanada und den USA hat der kanadische Anbieter von SaaS-, Supply-Chain- und Logistiklösungen Descartes zum Thema Nachhaltigkeit befragt. Insgesamt sagten 45% der Studienteilnehmer, dass es in ihrem täglichen Leben "ziemlich" bzw. "sehr" wichtig sei, zu einem besseren Umweltschutz beizutragen, während nur 3% sagten, dass dies "überhaupt nicht" wichtig sei.

Umweltschutz ist also ein relevantes Thema für viele Verbraucher – doch unterstützen ihre Kaufentscheidungen dieses Gefühl? Auch dazu liefert die Studie wertvolle Erkenntnisse: Immerhin 39% der Befragten treffen Kaufentscheidungen regelmäßig oder immer anhand der Umweltauswirkungen eines Unternehmens oder Produkts. Nur 11% haben dies noch nie getan.
Nachhaltige Lieferung als doppelter Wettbewerbsvorteil: Besonders jüngere Verbraucher treffen Kaufentscheidungen zunehmend anhand ihrer Umweltauswirkungen - und viele sind sogar bereit, für nachhaltige Dienstleistungen einen Aufpreis zu zahlen.
© IMAGO / agefotostock
Nachhaltige Lieferung als doppelter Wettbewerbsvorteil: Besonders jüngere Verbraucher treffen Kaufentscheidungen zunehmend anhand ihrer Umweltauswirkungen - und viele sind sogar bereit, für nachhaltige Dienstleistungen einen Aufpreis zu zahlen.
Das Alter der Befragten spielt dabei eine wichtige Rolle: So treffen 42% in der Altersgruppe 25 bis 34 Jahre Kaufentscheidungen unter Umweltgesichtspunkten, während dies nur 34% der über 65-Jährigen tun.

Kunden sehen noch Verbesserungspotenzial

Für Konsumenten in den westlichen Industrienationen wird der Umweltschutz also zu einem immer wichtigeren Kriterium bei der Kaufentscheidung.

Gerade Handelsunternehmen sollten diese Chance nutzen, zum Beispiel, indem sie sich um nachhaltige Lieferketten bemühen: In der Studie gaben viele Verbraucher an, bspw. mehr Kleidung und Schuhe (39%) von Unternehmen zu kaufen, deren Lieferketten nachweislich nachhaltiger als die der Konkurrenz sind.
Drei der vier Antworten mit der höchsten Punktzahl betreffen das Kombinieren von Bestellungen oder die Empfehlung des Händlers für die nachhaltigste Lieferoption. Umweltfreundliche Lieferungen, die die Lieferdichte erhöhen, sind kostengünstiger als herkömmliche Lieferungen und bieten Händlern damit auch Chancen, ihr Geschäftsergebnis zu verbessern.
© Descartes / Deutscher Fachverlag
Drei der vier Antworten mit der höchsten Punktzahl betreffen das Kombinieren von Bestellungen oder die Empfehlung des Händlers für die nachhaltigste Lieferoption. Umweltfreundliche Lieferungen, die die Lieferdichte erhöhen, sind kostengünstiger als herkömmliche Lieferungen und bieten Händlern damit auch Chancen, ihr Geschäftsergebnis zu verbessern.
Beim Thema Lieferung gibt es aus Kundensicht noch viel Verbesserungspotenzial: Die Umfrage ergab, dass nur 38% der Verbraucher glauben, dass Händler bei der Anwendung nachhaltiger Lieferpraktiken gute Arbeit leisten.

Gleichzeitig gaben über 50% an, dass sie "ziemlich" bzw. "sehr" an umweltfreundlichen Liefermethoden interessiert seien, und 54% wären bereit, für eine umweltfreundliche Lieferung längere Lieferzeiten in Kauf zu nehmen.


Mehr als die Hälfte würde längere Lieferzeiten akzeptieren

Je höher der Anteil der Onlinebestellungen, desto wichtiger wird das Thema Lieferung für die Nachhaltigkeitskonzepte des Einzelhandels. Mit wenigen Ausnahmen planten die Studienteilnehmer künftig mehr online einzukaufen und liefern zu lassen. 46% taten dies in den vergangenen zwölf Monaten, 47% planen dies für die Zukunft. Unternehmen, denen es gelingt, sich als umweltfreundlich zu positionieren, führen mit größerer Wahrscheinlichkeit profitablere Hauslieferungen durch. Eine beträchtliche Anzahl von Befragten (54%) gab an, längere Lieferzeiten von einem umweltfreundlichen Unternehmen in Kauf zu nehmen. Auch hier liegen große Chancen für den Handel: Längere Vorlaufzeiten bieten Händlern mehr Möglichkeiten zur Verbesserung der Liefereffizienz.

Zudem gaben 20% der Studienteilnehmer an, dass sie für eine Lieferung durch ein umweltfreundliches Unternehmen mehr bezahlen würden. Auch hier spielt das Alter eine wichtige Rolle: Gen Z und Millennials sind mit 27% eher bereit, einen Aufpreis zu akzeptieren als über 55-Jährige (14%).

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