Der Geldautomat und das Wellenrandetikett werden 50 Jahre alt, die Selbstbedienungskasse und PayPal feiern ihren 20. Geburtstag. etailment schaut zurück und wird ein bisschen nostalgisch.

1968: Cash to go

Die Kreissparkasse Tübingen war mal technischer Pionier. Im Mai 1968 nahm sie den ersten deutschen Geldautomaten in Betrieb, kurz nachdem die Tresorbaufirma Ostertag einen in Kooperation mit AEG-Telefunken hergestellten Prototyp eines „Bankomaten“ der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Das damalige Prozedere war recht umständlich: Wer Geld abheben wollte, musste zu den 1000 ausgewählten Kunden gehören, die einen Doppelbartschlüssel für den Tresor, eine Identifikationskarte aus Plastik und 10 Lochkarten bekommen hatten. Eine Lochkarte diente als Auszahlungsbeleg für die Anforderung einer 100-DM-Banknote. Der Höchstauszahlungsbetrag betrug 400 DM pro Tag.

Die Idee zu einem Geldautomaten hatte der in die USA ausgewanderte Armenier George Luther Simjian bereits 1939. Er meldete viele Patente an, entwickelte einige Prinzipien, die sich in heutigen Geldautomaten noch wiederfinden und ist auch der Namensgeber „ATM“ für solche Geräte in den USA, kurz für „automated teller machine“. Der Erfinder überredete damals die City Bank of New York zu einem Probebetrieb, der allerdings nach sechs Monaten wegen geringer Nachfrage eingestellt wurde. Simjian selbst soll dazu geschrieben haben: „Es scheint, dass die einzigen Leute, die diese Maschinen benutzten, eine kleine Anzahl von Prostituierten und Glücksspielern waren, die sich nicht dem Kassierer zu erkennen geben wollten.“

Erster Geldautomat der Kreissparkasse Tübingen
© Ostertag /Kreissparkasse Tübingen
Erster Geldautomat der Kreissparkasse Tübingen
Auch die Deutschen waren lange misstrauisch. Seinen Durchbruch hatte der Geldautomat erst in den 1980er-Jahren. Mit Einführung des Magnetstreifens stieg die Zahl der Geräte rasant an, mit ihm wurde das Geldabheben bequemer und sicherer. Bleibt die Frage, wie lange es Geldautomaten noch geben wird: Bargeld kann man längst an der Supermarktkasse abheben. Und immer mehr Konsumenten zahlen per Smartphone.


1998: Kundenkasse

Selbstbedienung ist ein alter Hut. Selbst kassieren inzwischen auch schon fast: Der amerikanische Hersteller NCR installierte seine erste Selbstbedienungskasse Ende Januar 1998 in einem Geschäft im US-amerikanischen Bundesstaat Kansas. „Die ersten Selfcheckouts waren sperrige Systeme, die an Geldautomaten erinnerten und umständlich zu bedienen waren“, schreibt NCR-Experte Dusty Lutz in einem Unternehmensblog zum 20. Geburtstag der von den Kunden bedienten Kasse. Wann immer er mit Leuten über seinen Job spreche, würde ihm der Satz „Unerwarteter Gegenstand in der Packstation, bitte versuchen Sie es erneut“ entgegenschallen. 
Die erste Selbstbedienungskasse von NCR
© NCR
Die erste Selbstbedienungskasse von NCR
Es sei also verständlich, dass die Händler bei der Einführung dieser neuen Technologie zurückhaltend waren. Doch mittlerweile ist die Technik vorangeschritten und eine SB-Kasse im Markt nicht mehr so ungewöhnlich, bei Ikea, Edeka und Rewe etwa können die Kunden heute selbst kassieren. Auch die Zahlen beweisen, dass die SB-Kasse ihren Platz im Handel gefunden hat: Deutschlandweit standen laut EHI Retail Institute im August 2017 in 488 Geschäften etwa 3020 Selfcheckoutsysteme zur Verfügung – 65 Prozent mehr als noch zwei Jahre zuvor. Das Marktforschungsunternehmen RBR wiederum prognostiziert, dass bis zum Jahr 2022 die Einzelhändler fast 400000 Selfcheckoutterminals in mehr als 60 Ländern installieren werden. Das entspräche einem Wachstum um 53 Prozent seit 2016.

Die Hersteller preisen die SB-Systeme an, weil die Warteschlangen an der Kasse reduziert werden können, vor allem bei kleineren Einkäufen. Der Kunde nutzt sie, weil er das Gefühl hat, dass der Kassiervorgang schneller vonstatten geht, wenn er etwas zu tun hat. Das stimmt objektiv betrachtet nicht unbedingt, aber wenn er damit glücklich ist, dürfte es dem Händler wurscht sein. 

Meto Jedermann Etikettiermaschine
© Meto
Meto Jedermann Etikettiermaschine

1968: Etiketten für alle

Drahtverschlussmaschine, Handauszeichner, Wellenrandetikett: Das Traditionsunternehmen Meto hat in diesem Jahr gleich zweimal Grund zu feiern. Zum einen den 100. Geburtstag als Marke, denn inzwischen ist die 1918 von Adolf Metzger und Oskar Kind gegründete „Schnürungs GmbH“ Tochter der kanadischen CCL Industries. Zugleich feiert Meto das 50-jährige Bestehen der Etikettenproduktion.

Etiketten und Handauszeichnungslösungen, für die das Unternehmen mit Sitz in der südhessischen Kleinstadt Hirschhorn am Neckar heute im Handel bekannt ist, spielten in den Anfangsjahren noch keine Rolle. Vielmehr produzierte die Meto Schnürungs GmbH Verpackungsapparate mit Drahtbindetechnik sowie Heftapparate für Kartons. Von 1937 bis 1959 wurde das Geschäft um eine Spielefabrikation erweitert und bot das heute noch bekannte Tischfußballspiel „Tip-Kick“ an.

In der Wirtschaftswunderzeit legt Meto dann im Handel los. Anfang der 50er-Jahre begann die Produktion von halbautomatischen Spendgeräten für Verpackungsklebestreifen, bevor 1959 der Handauszeichner „Jedermann“ die Preisauszeichnung revolutionierte. Da mit dem Selbstbedienungsprinzip die Anforderungen stiegen, jeden einzelnen Artikel mit Preisen auszuzeichnen, ermöglichte Meto fortan für „jedermann“ das Bedrucken und Kleben der Etiketten in einem Arbeitsschritt, direkt am Ort der Ware.

1968 startete Meto mit der Produktion von Etiketten, die bis dahin zugekauft worden waren. Auch das bekannte Wellenrandetikett, eines der auffälligsten Kennzeichen im Einzelhandel, stammt von Meto. Seine wellenartige Form verdankt das Etikett, dessen Rechte an der Bildmarke die Hirschhorner bis heute halten, einem Grund: So kann der Platz auf den Papierbahnen bestmöglich genutzt werden.


1998: Bezahlfreunde

Wir schreiben die 1990er-Jahre im Silicon Valley, als man pickelige Jüngelchen in Wahnsinnsautos sah und wusste, dass anders als in Europa nicht Papas Erfolg dahintersteckt, sondern ihr eigener. In dieser Zeit denken sich auch der in Frankfurt am Main geborene Peter Thiel und der Südafrikaner Elon Musk in Kalifornien Geschäftsideen für dieses neumodische Internet aus. 
PayPalGründer Peter Thiel (li.) und Elon Musk
© ITRenting.com
PayPalGründer Peter Thiel (li.) und Elon Musk
Der Jurist Thiel gründete 1998 mit Max Levchin und Luke Nosek die Firma Confinity, die unter anderem Bezahlmethoden für den ersten Personal Digital Assistant (PDA), den Palm Pilot, entwickelte. Der Physiker Elon Musk ersann Anfang 1999 den Internet-Finanzdienstleister X.com. Beide Unternehmen hatten ihre Büros an der University Avenue in Palo Alto und schlossen sich 2000 zu PayPal zusammen, was so viel wie Bezahlfreund heißt.

Der 1995 von dem Franzosen Pierre Omidyar in dem 20 Minuten Autofahrt entfernten San José gegründete Online-Auktionsanbieter Ebay beobachtete eine Reihe Start-ups, um den Service auf der Plattform zu verbessern. 1999 kaufte Ebay schließlich Billpoint, benannte es in „Ebay Payments“ um und machte es zu seinem offiziellen Bezahlsystem. 

Doch die Kunden fanden PayPal besser: Weit mehr als die Hälfte der Ebay-Nutzer sollen lieber das neue PayPal genutzt haben. Also beugte sich das Auktionshaus der Macht der Kunden und kaufte PayPal 2002 für damals umgerechnet 1,5 Milliarden Euro. Im Anschluss klemmte Ebay Billpoint ab, und auch Konkurrenzsysteme von Citibank, Yahoo oder Western Union gaben irgendwann auf.

PayPal ist seit 2015 wieder eigenständig, wächst kräftig und verbuchte 2017 einen Gewinn von knapp 1,5 Milliarden Euro. Die PayPal-Gründer Thiel und Musk freuen sich über riesige Privatvermögen und investieren nach Kräften und buchstäblich bestem Wissen weiter in zukunftsträchtige Ideen.

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