Der Kochboxversender Hellofresh ist einer der großen Gewinner der Coronakrise, auch an der Börse. Der kleine Verwandte HellofreshGo konnte als Lieferant für Firmenkunden ebenfalls profitieren - obwohl es am Anfang gar nicht danach aussah, wie sich Unternehmenschef Markus Schneider erinnert. Doch dann lief es immer besser, auch, weil er von seinen Kunden lernen konnte.



Als Onlinehändler müsste man zu den Krisengewinnern zählen. Sind Sie ein Gewinner?
Da unsere Dienstleistung die Versorgung von Mitarbeitern mit leckerem, frischem und gesundem Essen am Arbeitsplatz ist, sah es zunächst nicht so als, als gehörten wir zu den Gewinnern der Krise. Viele unserer Kunden verlagerten ihre Mitarbeiter ins Homeoffice, sodass sie keinen Zugriff auf unser Angebot hatten. Wir haben deshalb in kürzester Zeit auf die veränderten Anforderungen unserer Kunden reagiert und innerhalb weniger Wochen gleich mehrere neue Produkte wie zum Beispiel die HelloFreshGO Box für das Büro und Homeoffice entwickelt. Auf diese Weise bieten wir unsere Produkte und unser Serviceversprechen nun auch allen an, die aktuell von zu Hause oder mit reduzierter Belegschaft im Büro arbeiten. 

Was ist ab dem 16. März bei Ihnen passiert, als die meisten Läden geschlossen werden mussten?
90% unserer Kunden haben ihre Arbeit Mitte März ins Homeoffice verlagert. Zudem kam es zeitgleich zu immensen Einschränkungen in der Betriebsgastronomie. Wir haben unseren Fokus in dieser Zeit noch stärker auf unsere Kunden und deren Bedürfnisse gelegt. Innerhalb kürzester Zeit haben wir so mehrere neue Produkte geschaffen, um unsere Kunden auch in der aktuellen Zeit optimal zu unterstützen und zu entlasten. 

HellofreshGO-Chef Schneider: "Wissensaustausch mit unseren Kunden"
© HellofreshGO
HellofreshGO-Chef Schneider: "Wissensaustausch mit unseren Kunden"
Welche Waren wurden bei Ihnen besonders bestellt?
Es gab durch die Pandemie keine großen Veränderungen hinsichtlich der bestellten Produkte. 

Wie haben die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen die Arbeit in Ihrem Lager/Logistikzentrun beeinflusst?
Da wir als Lebensmittelunternehmen grundsätzlich die höchsten Anforderungen an die Hygiene und Kühlung unserer Produkte stellen, hatten die Maßnahmen kaum Einfluss auf unsere Arbeit. So haben wir uns bei unseren Verfahren und Supply-Chain-Prozessen schon immer an die höchsten Gesundheits- und Hygienestandards gehalten. Alle Mahlzeiten werden mit größter Sorgfalt zubereitet und verpackt. Wir halten uns dabei streng an die europäischen und deutschen Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit. Zusätzlich haben wir alle Empfehlungen des Roland-Koch-Instituts im Hinblick auf die aktuelle Situation übernommen. 

Gab es Schwierigkeiten mit der Warenbeschaffung?
Glücklicherweise waren wir nicht von Lieferkettenproblemen betroffen. Wir konnten unseren Service daher unabhängig von der aktuellen Situation zu 100% aufrechterhalten. 

Was hat die Krise in Ihrem Unternehmen verändert? Was haben Sie gelernt?
Wir haben aus der Krise gelernt, unseren Fokus noch mehr auf die Bedürfnisse unserer Kunden zu legen und diesen entsprechend schnell und agil zu handeln. So konnten wir uns auch in der Krise als verlässlicher Partner bewähren. Zudem wurde durch die Krise und das damit verbundene Social Distancing noch stärker deutlich, dass Essen ein Lebensgefühl ist, das am Besten in Gesellschaft zelebriert wird.

Haben Sie den Umgang mit den Kunden anders organisiert?
Wir wurden noch flexibler im Umgang mit Kundenanfragen. Wir haben die Probleme und Herausforderungen unserer Kunden zu unseren eigenen gemacht, um an verschiedenen Fronten für Entlastung zu sorgen. Ferner haben wir unseren Kunden geholfen von den Erfahrungen anderer Kunden zu profitieren und zu lernen. Ein Beispiel ist die Rückkehr aus dem Homeoffice und die mit dieser verbundenen Herausforderung: Da wir regelmäßig Kontakt zu hunderten Kunden haben, konnten wir einen Wissensaustausch und somit gegenseitiges Lernen ermöglichen.

Wie geht es Ihnen, seitdem die Geschäfte wieder geöffnet werden dürfen?
Die Wiedereröffnung der Geschäfte hatte keine Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell.

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