Sex sells, Food auch: Screwfix will weg, Real soll weg. MyZeil will Kunden mit Gastronomie locken, Händler haben einen prominenten Fürsprecher und ein Frankfurter Familienbetrieb wurde von der Zuneigung seiner Kunden überrascht.
Screwfix will weg
Während der Brexit nun doch nicht am heutigen Freitag kommt, sondern noch einmal bis Halloween verschoben wurde, ist der britische Einzelhandelskonzern Kingfisher fertig mit Europa. Oder zumindest mit manchen Märkten: Die Baumarkttochter Screwfix verlässt Deutschland, die iberische Halbinsel und Russland. Damit will Kingfisher sich nach nur 5 Jahren in der Bundesrepublik "auf die Märkte konzentrieren, in denen wir führend sein können".Grundsätzlich wollen die Briten alle 19 Screwfix-Filialen in Deutschland schließen, aktuell verweist die Website noch auf die Filialen in – Frankfurter, seid jetzt ganz stark – Offenbach, Ludwigshafen, Kaiserslautern, Hückelhoven und Rheinberg.


Real soll weg
Apropos Trennung: Metro will ja die Supermarktkette Real schon länger loswerden. Das klappt aber irgendwie nicht, und so berichtet das "Handelsblatt", dass der Mutterkonzern aus Sorge, dass der Komplettverkauf scheitern könnte, nun auch einen Verkauf des Betriebs ohne die Immobilien erwägt.Interesse haben soll daran der Einkaufsverbund Markant. Und da Real seit Jahren defizitär ist, würde Metro bei einem Deal sogar Geld drauflegen, nur um die unliebsame Tochter loszuwerden: Laut Handelsblatt liegt der Kaufpreis für den reinen Betrieb bei 99 Millionen Euro, aber die Düsseldorfer würden angeblich vor dem Verkauf noch Kapital in Höhe von 300 Millionen Euro in das Geschäft einbringen, also 200 Millionen Euro drauflegen. Das Geld dazu hätte der Konzern, wenn er die 65 Real-Immobilien, die ihm gehören, verschachert. Angeblich soll Investor x+bricks rund 900 Millionen Euro dafür geboten haben.
Und so kann man den rund 34.000 Mitarbeitern in den 300 Real-Märkte nur wünschen, dass sich ein Käufer findet, der ein Händlerherz und gute Ideen hat, wie man das Einkaufen der Zukunft attraktiv macht.
MyZeil ist auf dem Weg
Shoppingcenterbetreiber ECE glaubt, ein solches Konzept gefunden zu haben: "Shoptainment, das Zusammenspiel von Shoppen, Erleben und Genießen", nennt Centermanager Marcus Schwartz die "neu entwickelte Gastronomie- und Entertainment-Etage FOODTOPIA" in dem Frankfurter Shoppingcenter MyZeil, die in dieser Woche eröffnet wurde.
Allein: Der revolutionäre Ansatz erschließt sich auf den ersten Blick nicht so recht. Denn eigentlich ist die Etage eine übliche Fressmeile mit einer kleinen Bühne ("Event-Fläche"), im Herbst kommen noch 5 Kinosäle des Premiumanbieters Astor Filmlounge hinzu. Ob sich da wie erhofft dann abends genügend Publikum "zum Schlemmen, Shoppen, chillen und entspannen" in dem "neuen gastronomischen Hotspot auf der Zeil" einfinden wird, bleibt abzuwarten.

Wegbereiter HDE
Bleiben wir beim Essen, dem Sex des Alters: Geschlemmt wurde auch auf dem Empfang des Handelsverbands Deutschland (HDE), der in dieser Woche seinen 100. Geburtstag feierte. Zu solchen Gelegenheiten sprechen auch namhafte Politiker freundliche Worte, und niemand Geringeres als der amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier brach in seiner Ansprache eine Lanze für Kaufleute: "Einzelhandel ist auch Heimat und Treffpunkt. Das ist die soziale Dimension, die auch 5G nicht ersetzen kann."
Kunden mit Lieblingsweg
Dafür ist der "Frankfurter Laufshop" ein gutes Beispiel, der in dieser Woche zum "Lieblingsladenlokal 2019" gekürt wurde. Für die Inhaber Daniela und Jost Wiebelhaus kam die Auszeichnung völlig überraschend, sie wussten nicht einmal von der Nominierung: Das hatten die zufriedenen Kunden erledigt, die das Fachgeschäft kurzerhand bei der hessischen Innenstadt-Offensive "Ab in die Mitte!" vorgeschlagen hatten.
Die Händler werden mit dem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro ein "besonderes Firmenevent feiern, da unsere Mitarbeiter seit 18 Jahren den größten Anteil an dem Erfolg unseres Unternehmens haben", stellt Daniela Wiebelhaus klar.
In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende!