Sex sells, Food auch: Screwfix will weg, Real soll weg. MyZeil will Kunden mit Gastronomie locken, Händler haben einen prominenten Fürsprecher und ein Frankfurter Familienbetrieb wurde von der Zuneigung seiner Kunden überrascht.

Screwfix will weg

Während der Brexit nun doch nicht am heutigen Freitag kommt, sondern noch einmal bis Halloween verschoben wurde, ist der britische Einzelhandelskonzern Kingfisher fertig mit Europa. Oder zumindest mit manchen Märkten: Die Baumarkttochter Screwfix verlässt Deutschland, die iberische Halbinsel und Russland. Damit will Kingfisher sich nach nur 5 Jahren in der Bundesrepublik "auf die Märkte konzentrieren, in denen wir führend sein können".

Grundsätzlich wollen die Briten alle 19 Screwfix-Filialen in Deutschland schließen, aktuell verweist die Website noch auf die Filialen in – Frankfurter, seid jetzt ganz stark – Offenbach, Ludwigshafen, Kaiserslautern, Hückelhoven und Rheinberg. 

Mitteilung über die Screwfix-Schließung mit ganz eigenem Charme...
© Sybille Wilhelm
Mitteilung über die Screwfix-Schließung mit ganz eigenem Charme...
Vorsorglich hat die Screwfix- Marketingabteilung schon Umzug-Tipps ausgearbeitet: Auf Bannern an den (geschlossenen) Filialen bieten sie allen, die die „Koffer schon gepackt“ haben, Hilfe mit „Elektro, Sanitär, Werkzeug & Arbeitskleidung“ an. Online, versteht sich, denn der Webshop soll hier zu Lande erst einmal weiterlaufen.
Screwfix packt schon mal die Koffer und verschwindet aus Deutschland
© Sybille Wilhelm
Screwfix packt schon mal die Koffer und verschwindet aus Deutschland

Real soll weg

Apropos Trennung: Metro will ja die Supermarktkette Real schon länger loswerden. Das klappt aber irgendwie nicht, und so  berichtet das "Handelsblatt", dass der Mutterkonzern aus Sorge, dass der Komplettverkauf scheitern könnte, nun auch einen Verkauf des Betriebs ohne die Immobilien erwägt.

Interesse haben soll daran der Einkaufsverbund Markant. Und da  Real seit Jahren defizitär ist, würde Metro bei einem Deal sogar Geld drauflegen, nur um die unliebsame Tochter loszuwerden: Laut Handelsblatt liegt der Kaufpreis für den reinen Betrieb bei 99 Millionen Euro, aber die Düsseldorfer würden angeblich vor dem Verkauf noch Kapital in Höhe von 300 Millionen Euro in das Geschäft einbringen, also 200 Millionen Euro drauflegen. Das Geld dazu hätte der Konzern, wenn er die 65 Real-Immobilien, die ihm gehören, verschachert. Angeblich soll Investor x+bricks rund 900 Millionen Euro dafür geboten haben.


Und so kann man den rund 34.000 Mitarbeitern in den 300 Real-Märkte nur wünschen, dass sich ein Käufer findet, der ein Händlerherz und gute Ideen hat, wie man das Einkaufen der Zukunft attraktiv macht.

MyZeil ist auf dem Weg

Shoppingcenterbetreiber ECE glaubt, ein solches Konzept gefunden zu haben: "Shoptainment, das Zusammenspiel von Shoppen, Erleben und Genießen", nennt Centermanager Marcus  Schwartz die "neu entwickelte Gastronomie- und Entertainment-Etage FOODTOPIA" in dem Frankfurter Shoppingcenter MyZeil, die in dieser Woche eröffnet wurde. 
Markus Frank, Stadtrat Frankfurt am Main; Marcus Schwartz, Center-Manager MyZeil (v.l.)
© MyZeil
Markus Frank, Stadtrat Frankfurt am Main; Marcus Schwartz, Center-Manager MyZeil (v.l.)
Damit geht "das einzigartige von der Shopping-Center-Spezialistin ECE geplante und realisierte Konzept rund ein Jahr nach Baubeginn (08.03.2018) an den Start", heißt es vollmundig in der Presseerklärung.  

Allein: Der revolutionäre Ansatz erschließt sich auf den ersten Blick nicht so recht. Denn eigentlich ist die Etage eine übliche Fressmeile mit einer kleinen Bühne ("Event-Fläche"), im Herbst kommen noch 5 Kinosäle des Premiumanbieters Astor Filmlounge hinzu. Ob sich da wie erhofft dann abends genügend Publikum "zum Schlemmen, Shoppen, chillen und entspannen" in dem "neuen gastronomischen Hotspot auf der Zeil" einfinden wird, bleibt abzuwarten. 

© etailment
Denn die Frankfurter Flaniermeile ist abends ein Hotspot der unschönen Art: Am Wochenende munitionieren sich unter anderem Jugendliche mit harten Getränken, die sie im Rewe-Markt im Keller von MyZeil bis 23:30 Uhr kaufen können, saufen sich zu und tun das, was jugendliche und nicht-jugendliche Alkoholisierte so machen: Nichts, das man nüchtern besonders gut findet.
 

Wegbereiter HDE 

Bleiben wir beim Essen, dem Sex des Alters: Geschlemmt wurde auch auf dem Empfang des Handelsverbands Deutschland (HDE), der in dieser Woche seinen 100. Geburtstag feierte. Zu solchen Gelegenheiten sprechen auch namhafte Politiker freundliche Worte, und niemand Geringeres als der amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier brach in seiner Ansprache eine Lanze für Kaufleute: "Einzelhandel ist auch Heimat und Treffpunkt. Das ist die soziale Dimension, die auch 5G nicht ersetzen kann." 
Sybille Wilhelm
© Aki Röll
Sybille Wilhelm

Kunden mit Lieblingsweg

Dafür ist der "Frankfurter Laufshop" ein gutes Beispiel, der in dieser Woche zum "Lieblingsladenlokal 2019" gekürt wurde. Für die Inhaber Daniela und Jost Wiebelhaus  kam die Auszeichnung völlig überraschend, sie wussten nicht einmal von der Nominierung: Das hatten die zufriedenen Kunden erledigt, die das Fachgeschäft kurzerhand bei der hessischen Innenstadt-Offensive "Ab in die Mitte!" vorgeschlagen hatten.
Der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir, Daniela und Jost Wiebelhaus Inhaber Frankfurter Laufshop (v.l.)
© Frankfurter Laufshop
Der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir, Daniela und Jost Wiebelhaus Inhaber Frankfurter Laufshop (v.l.)
"Wir sind sehr stolz, diese Auszeichnung bekommen zu haben", sagt Jost Wiebelhaus. „Vor allem, da sie ja im Grunde von unseren Kunden stammt. Für uns ist das eine schöne Bestätigung, dass man auch im Zeitalter der Digitalisierung mit persönlichem Kundenservice punkten kann."

Die Händler werden mit dem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro ein "besonderes Firmenevent feiern, da unsere Mitarbeiter seit 18 Jahren den größten Anteil an dem Erfolg unseres Unternehmens haben", stellt Daniela Wiebelhaus klar.

In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende!