Im Journalismus gibt es ja viele Regeln. Manche werden sogar beachtet. Gerne missachtet wird der Grundsatz, wonach Wortspiele möglichst zu vermeiden sind. Und für Wortwitze mit Namen gilt: Nie. Und wenn es lustig ist? Auch nie. "No jokes with names" gehört zu den zehn Geboten des guten Schreibens. Eigentlich ist diese Regel ja nicht nur für das Schreiben, sondern auch für das Miteinander ganz schön. Außer man heißt Lidl. Außer es ist Werbung.

Gerade im Wirtschaftsjournalismus gibt es ja Wortspiel-Klassiker. "Pirelli geht die Luft aus" (meint Umsatzeinbruch. Witzig, gell?). Darf es etwas höhö mehr sein? Das gibt es, wenn über Bier- oder Schnapsfirmen geschrieben wird: "Radeberger schluckt Bionade". Geschluckt wird hier immer.

Huihui, was für ein Tabubruch

Wer solche Regeln beherzigt, und daher bei Wortspielen immer zusammenzuckt, der kam vorige Woche beim Blick auf die Handelswerbung aus dem Zusammenzucken gar nicht mehr heraus. Und dann wird Lidl noch mit Lob überschüttet für seine aktuelle Werbung, die direkt aus der Wortspiel-Hölle gekommen schien. "Lidl lohnt sich. ALDI anderen sind teuer." "So günstig, da dreht sich der PENNY zweimal um." Und selbstverständlich: "Teurer wäre EDEKAdent."  Huihui, was wurde da allerorten aufgemerkt für diese "freche" Werbung, weil mit den Vergleichen deutsche Tabus gebrochen worden seien.
Ach Gottchen.

Am Wortspiel-Festival des Monats Juli hatte sich auch der Autovermieter Sixt beteiligt, aber mit quietschenden Reifen die Kurve bekommen. In beliebter Manier wurde wieder mal einen Politiker als Testimonial veralbert: In diesem Fall die neue EU-Chefin Ursula von der Leyen (siehe Bild). 
Sixt-Werbung: Quietschend die Kurve bekommen.
© Sixt
Sixt-Werbung: Quietschend die Kurve bekommen.
Die Antwort von Edeka auf Lidl folgte dann erwartungsgemäß, genauer, es waren zwei Antworten. Die erste tat weh: "Du willst a Lidl bit more Auswahl? Dann geh doch zu Netto!" Schüttel.

Liechtenstein ist Edekas ewiger Vorteil

Die zweite war dann in Ordnung, weil ein Social-Media-Video mit Friedrich Liechtenstein, und so einen hat nur Edeka. Schön dekadent braun gebrannt und mit goldlackierten Fingernägeln sitzt er da Kaffee trinkend, erinnert nicht nur wegen seines Timbres immer wieder an einen dickeren wiederauferstandenen Elmar Gunsch (na, wer kennt ihn noch?) und brabbelt etwas, was eine Ohrfeige für Lidl ist. Denn sinngemäß sagt er: "Na, ihr Witzbolde, wolltet wohl auch mal bisschen so geil sein wie wir?"

Wir hoffen jetzt, dass beide Seiten Ruhe geben mit ihrem Wortwitzgewürge, und dass Rewe und Aldi nicht auf Idee kommen, sich auch noch einmischen zu wollen.

Weil gute Werbung immer auch gute Unterhaltung ist, und weil die Etailment-Redaktion in diesen hitzigen Tagen ihre Leser nicht mit schwerer Kost belasten will, haben wir nachstehend die schönsten, lustigsten, herzigsten, kontroversesten Edeka-Werbespots zusammengestellt.
Es sind einige der besten Spots der deutschen Werbegeschichte dabei.
Sie zeigen, wie geil Edeka seit mehr als einer Dekade sein kann. Also zumindest in der Werbung.

Hier sind die 10 Favoriten der Etailment-Redaktion

Vielleicht der Kult-Spot von Edeka schlechthin. Edeka und Friedrich Liechtenstein wurden sogar in US-Medien gefeiert. Damit bekommt der Clip vermutlich auch den Preis für den Spot mit den höchsten Reichweitenverlusten.

EDEKA Supergeil (feat. Friedrich Liechtenstein)


"How Much Is The Fish“: Der Satz stammt aus dem rund 20 Jahre alte Hit der Technoband Scooter. Er ist ein bisschen ein Rätsel, ein wenig Mythos. Der Song ist in jedem Fall ein Ohrwurm und lebt an der Kühltheke weiter. Es gibt schlimmere Schicksale für Pop-Hits.

Hyper günstig einkaufen / Scooter bei EDEKA


Großes Kino ist das Heldenepos an das Feuer, den Mann und die Fleischeslust. Wenn es ums Grillen geht, wird Edeka nämlich immer betont männlich. Der „Horizont“-Autor lobte 2017 aber völlig zu Recht die „bildgewaltige Geschichte voller Pathos“.

HerrenDesFeuers – EDEKA Werbung


Von einem quasselnden Blechroboter wollen sich Kunden bei Edeka nicht bedienen lassen. Es gibt doch den "netten Herrn von der Fleischtheke". Der Weihnachtsspot von Edeka kommt zwar mit eher beige-farbenem Humor daher, hat aber eine gute Botschaft: Liebe zählt im Handel. Damit hat der Clip (Danke, Jung von Matt) Seele und erklärt nebenbei, warum Digitalisierung allein den Handel nicht rettet.

EDEKA TV-Spot "Was ist Liebe"


Die Werbung mit dem Mitarbeiter an der Käsetheke, der seine Kunden kennt, brachte der Supermarktkette damals reichlich Sympathien ein. Und würde vermutlich auch nach über 10 Jahren noch funktionieren.

EDEKA Käse Werbung


Edeka beherrscht die letzte Meile. Zumindest im Spot. Mit so einem Auftritt dürfte Amazon fresh eigentlich keine Chance haben.

EDEKA - Kurze Lieferwege


Damit Kunden vor Weihnachten in Fest- und Konsumlaune kommen, lässt der Handel im TV-Werbeblock die Glocken läuten. Emotionen sind da gefragt. Taschentuch-Alarm. „Heimkommen“ war 2015 Gefühlskino für jung und alt und ein viraler Überraschungshit. Der emotionale Weihnachtsfilm mit dem einsamen Opa gewann sogar Werbepreise. „Weihnachtssensation“, titelte das Magazin „Werben & Verkaufen“. 

EDEKA Weihnachtsclip Heimkommen


2007 zeigte Edeka Kompetenz an der Wursttheke. Die Mitarbeiter transportierten ein positives Markenimage. Der Spot war die Blaupause für viele weitere Spots dieser Art.

Edeka - Wursttheke


Mit ihrem Spot zum Muttertag sorgt die Einzelhandelskette in diesem Jahr für einen mächtig großen Aufreger aka Shitstorm. "Ein vergiftetes Muttertagsgeschenk" titelte „Spiegel Online“. Der Spruch "Danke Mama, dass du nicht Papa bist" wurde in die Sexismus-Schublade gesteckt. Das war wohl zu kontrovers und provokant für eine Familienmarke. Später hat Edeka auch zum Vatertag einen Online-Spot veröffentlicht. Mit umgekehrter Botschaft. Edeka erklärte sich dann auch: "In beiden Online-Filmen stellen wir filmisch, in überspitzter Form und mit einem ironischen Augenzwinkern, das alltägliche Familienleben dar. Um zu zeigen, dass die Aussagen im Film nicht unserem realen, modernen Bild von Vätern und Müttern entsprechen, haben wir bewusst einen Schwarz-Weiß-Filter gewählt." Aber Spots, die man erst noch erklären muss, funktionieren einfach nicht. Lidl piesackte Edeka übrigens auch damals: "Danke Rewe, dass du nicht Edeka bist".

EDEKA „Wir sagen Danke.“


Vielleicht sollten die Marketingabteilungen von Edeka, Lidl und Co mal ein Freundschaftspiel auf einem Bolzplatz austragen.

Die (gar nicht mal so traurige) Geschichte von Neurundland

 

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