Pssst, haben Sie es gemerkt? Der Schweiz größter Onlinehändler ist jetzt auch in Deutschland. Alles befindet sich zwar noch im besseren Testmodus. Aber beim Sortiment brillieren die Schweizer schon mit Irrsinn. Doch davor muss ein Konkurrent wie Otto nicht zittern, irrsinnige Sortimente haben sie auch drauf. Auch ohne Katalog.

Denkt der Kenner an die Schweiz, dann fallen ihm sofort drei Dinge ein: Imposante Bauwerke (300.000 Atombunker), eine berühmte Badewanne (im Hotel Beau Rivage) sowie virtuose Musikschaffende (DJ Bobo, Krokus).

Ein faszinierendes Land. Eines, in dem Amazon nur auf Platz zwei aller Onlinehändler steht. Gut, es gibt ja auch noch keinen eigenen Schweizer Shop der Onlinekrake, als müssen die Menschen in Aarau, Bern und Zug bei amazon.de einkaufen. Dass es demnächst auch eine .ch-Variante gibt, ist allgemeines Gerüchteküchenwissen, aber Näheres weiß die Öffentlichkeit bisher nicht.
Also ordert der Schweizer beim Heimatlieferanten Galaxus, dem zweiten Teil von Digitec Galaxus. Digitec ist der Spezialist für IT, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation. Galaxus bietet als Onlinekaufhaus 13 Sortimente wie Haushalt, Wohnen, Baby und Kind sowie Beauty und Gesundheit.

Galaxus ist da, hallo, Galaxus ist da, halloooo

Und seit dem 1. November ist Galaxus auch mit einem deutschen Shop am Netz. Wenn es Konsumenten gibt, die das gemerkt haben, dürfen sie sich gerne melden.

Lustig ist die deutsche Seite der Schweizer. Anstatt mit Produkten zu werben, springt dem Besucher eine große Medienschau mit Jubeltexten über das Unternehmen ins Auge. 
Steffen Gerth ist Redakteur bei Etailment und Der Handel
© Aki Röll
Steffen Gerth ist Redakteur bei Etailment und Der Handel
 Es ist halt eine Beta-Version, wie der Deutschland-Chef Frank Hasselmann zu Internetworld  sagte. "Viele Elemente unserer Plattform befinden sich noch im Aufbau: Unser Sortiment wird weiter ausgebaut, Preissuchmaschinen werden angebunden und auch die technischen Funktionalitäten in unserem Shop, zum Beispiel die verfügbaren Zahlungsoptionen, werden schrittweise erweitert."

Eigentlich gehört es zu den Usancen, dass ein neuer Onlinehändler am Markt mit Werbung daher kommen muss wie eine Herde wildgewordener Moschusochsen, um aufzufallen. Doch Galaxus schleicht sich regelrecht heran. Weiterempfehlung durch Kunden, Auffinden der Produkte in sozialen Netzwerken - so soll es gehen.

Dann mal viel Glück.

Aber wir sind Ketzer, denn in dieser Woche setzt Galaxus mit Produkten Akzente. Zumindest im Schweizer Shop.

Schauen Sie sich doch mal das Hausschuhsortiment an, da ist für jeden gagaesken Geschmack etwas dabei, optisch jedes Stück wie von Designern entworfen, die sich einem Selbstversuch mit synthetischen Drogen unterzogen haben. Bezüglich der Funktionalität kann jeder Kunde seine eigenen Visionen entwickeln. 
Ente? Flamingo? Entingo? Für den Irrsinn an den Schweizer Füßen.
© etailment / Screenshot
Ente? Flamingo? Entingo? Für den Irrsinn an den Schweizer Füßen.
Freundin L., die aufgrund ihrer Vorliebe für die Farbe Rosa in Fachkreisen als "Pink Panther" gehandelt wird, hatte zumindest einen Moment der Ekstase, als sie dem Modell "Siesta" ansichtig wurde, einem gestalterischen Wahnsinn in Plüsch. 

So kommt man ins Gespräch, keine Frage. Dass jedoch das Modell mit den aufgenähten, ähm, Dings, irgendwann nicht mehr im Shop zu finden ist, kann nur bedeuten - dass es ausverkauft ist. Gerade in der Adventszeit sorgt ja der passende Hausschuh für Gemütlichkeit daheim.

Wie Bärchen an Rucksäcken

Nun sind lustige Hausschuhe ebenso fragwürdig wie Bärchen an Rucksäcken erwachsener Männer. Das ist ja die Sorte Männer, die gerne Kurzarm-Karo-Hemden trägt, die fast nur noch C&A anbietet, der biederste Modehändler der Welt, wenn man der verstörten Kollegin S. glauben darf, die letztens nach dem Besuch einer Filiale sofort daran dachte, ein Glas Sekt hinunter zu stürzen, um ihren Schwermut zu bekämpfen. 
Und da wir schon bei bieder und bei Karo-Kurzarm-Hemden sind, nehmen wir noch schnell unsere Freunde von Karstadt&Kaufhof mit. Die sind jetzt seit einer Woche offiziell liiert, und das neue Konstrukt wähnt sich bereits als "ein führender europäischer Omnichannel-Händler", wie mit verwegenem Selbstbewusstsein mitgeteilt wird.
Rechnerisch stimmt das doch, wird uns der neue K&K-Boss Stephan Fanderl ausschimpfen. Und er wird sagen, dass kaum ein zweites Unternehmen, das im Internet handelt, so viele und so große Filialen hat. 
Da kommt Spaß ins Wohnzimmer: Hausschuhe von Otto
© etailment / Screenshot
Da kommt Spaß ins Wohnzimmer: Hausschuhe von Otto
 Ja, ja, ist recht. Kaum ein Unternehmen, das so viele und so große Filialen hat, ist halt leider im Internet so unbedeutend wie K&K - sagen wir. Aber Fanderl wird uns schon zeigen, wo der Omnichannel-Hammer hängt - und hat erstmal fast allen bisherigen Kaufhof-Managern gesagt, dass sie jetzt nicht mehr gebraucht werden in seiner neuen Führungsmannschaft. Immerhin darf mit Guido Mager der ehemalige Finanzchef von Kaufhof auch unter Fanderl weitermachen. 

Und, hier hat sich der Weltgeist wieder etwas Feines ausgedacht: Der seit wenigen Tagen ehemalige Kaufhofchef Wolfgang Link wird jetzt Interimsmanager, also Manager auf Zeit. Gemessen an seiner Zeit bei Kaufhof (ein Jahr) hat sich daher für ihn nicht viel geändert.

Zu Ende dagegen ist ein Kapitel deutscher Einkaufsgeschichte. Noch einmal gibt es einen Otto-Katalog, es ist der letzte. Früher standen diese Wälzer in jedem soliden Haushalt, zusammen mit der Variante von Quelle bildeten sie den Brockhaus des Konsums. 

Otto kann bei dämlichen Hausschuhen mithalten

Für DDR-Bürger waren diese Schinken auch immer Nachweise ihrer Schaffenskraft. Denn bekanntermaßen haben sie in den "Volkseigenen Betrieben" nicht nur für Quelle viele Produkte zu Spottpreisen hergestellt. Doch sie konnten diese nie in einer Kaufhalle kaufen, weil etwa die besseren Damenstrumpfhosen ausschließlich für die Versandhäuser des Klassenfeindes bestimmt waren. Wer heute Otto weiterhin gut finden will, muss spätestens ab der Saison Herbst/Winter 2019 eine App aufs Smartphone laden.

Ob Galaxus bis dahin eine ernsthafte Konkurrenz wenigstens für Deutschlands zweitgrößten Onlinehändler ist, bleibt eine der großen Fragen des kommenden Jahres.

Schließlich beherrscht auch Otto das Geschäft mit dämlichen Hausschuhen.

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