Was für eine Woche. Nena grüßt aus dem Auenland, Jeff Bezos hat ein neues Ich. Doch was der einen Geld bringt, kostet es den anderen. Und Geld verdienen wird für eine Branche immer schwerer.

Was für eine Promi-Nachrichten-Woche, man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Am besten einfach beim Allerhöchsten, und das ist Jeff Bezos, dem Herrscher der Welt (außer dort, wo die Welt von Jack Ma  beginnt). Der Amazon-Chef lässt sich von seiner Frau MacKenzie scheiden. Promi-Alltag? Wer 25 Jahre verheiratet war, kann sich auch mal trennen - Lilly und Boris Becker haben es nicht so lange miteinander ausgehalten. 

Dass die Eheauflösung der Bezos' teuer wird, ist das Eine. Das Andere sind die mörderischen Kalauer, die daraufhin durch das Internet schossen. Allen voran dieser: "Wer die Kindle behält, wird noch geklärt." Es gibt Menschen, die finden das witzig, aber es gibt ja auch erstaunlich viele Menschen, die über den Humor, also, "Humor" des "Postillon" lachen. So wie vielerorts immer noch über die Zotenschleuder Fips Asmussen gelacht wird. Dann soll halt dieses Land demnächst von Annegret Kramp-Karrenbauer regiert werden, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Nena grüßt aus dem Penny-Auenland

Selbstverständlich beherrscht auch die etailment-Redaktion den Kalauer der übelsten Sorte, und wenn wir herausgefordert werden, sind wir uns für keine Sauerei zu schade:
"Heißt Bezos' Neue Alexa?" Hahahaha.
"Die Scheidung der Bezos richtet sich nur nach der aktuellen Amazon-Kampagne: Neues Jahr, neues Ich." Hahahaha.
"Bezos: Nach 25 Jahren Ehe bin ich eingegangen wie eine Prime-l." Bruhaaaar. 
Steffen Gerth, Redakteur bei Der Handel und Etailment
© Aki Röll
Steffen Gerth, Redakteur bei Der Handel und Etailment
Jetzt aber was wirklich Lustiges. Nena wirbt neuerdings für Penny.
Aber nicht für Deoroller (Super-um-die-Ecke-gedachter-Kalauer), sondern für die Kampagne "Natürlich für alle". Bio, vegan, gesund und so.
Dafür wurde ein TV-Spot gedreht, der in einer Fantasiewelt spielt, die nichts mit der freudlosen Kulisse eines Penny-Discounters zu tun hat, sondern an die Atmosphäre im "Auenland" erinnert: Friede, Freude, Bio-Möhre. Und dazu hört man ein Klavierintro, bei dem sich Komponist von Adeles "Someone like you" möglicherweise wiederfindet.

Zu schnell, weil auf der Reise

Wer Nena nicht kennt, weil er zu jung ist, oder alt genug um zu verdrängen, hier die schnelle Vita: Das ist die Sängerin Gabriele Susanne Kerner aus Hagen (Tor zum Sauerland), die mit Trivialpop eine Top-Gewinnlerin der Neuen Deutschen Welle war, nicht nur durch exaltierte Kiekisigkeit auffiel, sondern eben auch durch Achselbehaarung wie Vogelnester (siehe Kalauer), und in ihren Liedern Texte wie diese sang:

Dein Auto fährt zu schnell, weil du auf der Reise bist,
Viel hab' ich auch noch nicht gesehn.
Niemand soll mir sagen, wer hier der Größte ist,
denn das hab ich auch noch nicht vermisst.
Ich weiß selber ganz genau, 
was für mich das Beste ist.

Heute ist Nena immer noch Sängerin, aber auch Esoterikerin, und sie nervte Hotels schon mal mit absurden Anforderungslisten, sollte man sie beherbergen dürfen/wollen. Das ist gut genug für Penny. "Mit Nena haben wir nun eine authentische Botschafterin gefunden, mit der uns eine breite Wertebasis verbindet", säuselt Stefan Magel, Chief Operation Officer, und man wundert sich immer wieder, dass so ein gedrechselter PR-Quatsch Eingang in Zeitungen findet.

Penny und Nena

Geld aus Monnem

Da muss man den Presse- und Marketingmenschen von Möbel XXXLutz dankbar sein, dass sie ihre Spendenaktion gemeinsam mit dem Mannheimer (Monnemer) Komödianten Bülent Ceylan vergleichsweise unspektakulär abarbeiten. 
© etailment
120.000 Euro für Kinder kamen dabei zusammen, Geld, mit dem oft marode Kindertagesstätten aufgemöbelt werden sollen. "In diese kleinen Kinderaugen zu blicken und darin die Freude zu sehen, war für mich ebenso ergreifend wie die Tatsache, dass den Verantwortlichen der unterschiedlichen Kindertageseinrichtungen enormer Ballast mit den Spenden genommen wurde", lässt XXXLutz Ceylan verlautbaren - und das klingt so, als würde er es meinen. 

Die Gegenwart wegwedeln

Ob René Benko auch alles so meint oder gar umsetzt, was er seit Wochen sagt und ankündigt, wird noch im Wettbewerb mit der Realität entschieden. Als Chef des Immobilienunternehmens Signa gehören dem Österreicher Karstadt und Kaufhof, zwei Warenhäuser, die im deutschen Einzelhandel, keine, nun ja, optimale Wettbewerbsposition mehr haben.

Doch die Gegenwart ist für Benko nur eine Art Staubwolke, die man wegwedelt - denn dahinter leuchtet die Zukunft. Zumindest in Berlin, weniger in Krefeld oder Gießen. Denn in der Hauptstadt will Benko mächtig investieren - auch in ein Kaufhaus, was bei Eröffnung im Jahr 1929 stattliche 72.000 Quadratmeter Fläche hatte und das modernste Europas war: Es geht um den Karstadt am Hermannplatz.

Art Deco, Beton, bald wieder Art Deco

Doch von der Art-Deco-Pracht von einst hat die SS im April 1945 nichts mehr übrig gelassen, als sie das Haus in die Luft jagte, damit die dort gelagerten Vorräte nicht Beute der einrückenden Roten Armee werden konnte. Was dann nach dem Krieg am Hermannplatz wieder aufgebaut wurde, ist West-Berliner Beton, das krasse Gegenteil zu Art Deco. Aber nun kommt Benko und will aus Hässlich Schön machen. "Das Warenhaus erhält seine urprüngliche Größe und sein Aussehen aus den Zwanzigern zurück", zitiert die "Berliner Zeitung" eine Signa-Stellungnahme. Büros, ein Hotel, eine Markthalle und aufs Dach ein Café - das soll alles zum Kaufhaus dazukommen.

Hauptsache, man ist positiv im Gespräch

Nur: Ab wann? Was soll das kosten? Unklar. Auch der zuständige Baustadtrat vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg weiß von nichts, dabei wäre nicht schlecht, wenn er etwas wüsste, denn er hat von Amts wegen schon das ein oder andere Wort mitzureden. 
Karstadt Hermannplatz (aus dem Jahr 2010): Mit Art Deco hat das nicht viel zu tun
© Gerth
Karstadt Hermannplatz (aus dem Jahr 2010): Mit Art Deco hat das nicht viel zu tun
Aber gut: Karstadt ist erst einmal wieder positiv im Gespräch, so wie seit Wochen, und nur das zählt, auch für Benko. Es muss ihm erst einmal darum gehen, dass in der Öffentlichkeit ein positives Gefühl fürs Warenhaus entsteht und der Glauben: Yo, die werden es schon wuppen. Alles wird wundervoll.

Wer kauft eigentlich noch Klamotten in den Läden?

Dass das neue Konglomerat aus Karstadt/Kaufhof kaum in der vollen Größe zukunftsfähig ist, dass Benko sich bei seiner Wiederbelebung des Warenhauses möglicherweise vor allem auf Renommierprojekte in den Metropolen konzentrieren wird - das fragt derzeit keiner. Wir sagen es trotzdem. Gefragt werden muss aber unter anderem was die Warenhäuser künftig verkaufen wollen? Mit Textilien ist immer schwerer etwas zu holen, denn auch 2018 verlor der stationäre Modehandel - zum dritten Mal in Folge. Die Umsätze sackten um 2 Prozent ab, wie die regelmäßige Marktuntersuchung der "Textilwirtschaft" ergeben hat.
Zwar hat die GfK ermittelt, dass die Deutschen voriges Jahr durchschnittlich 18,8 mal im in einem Geschäft Hosen und Blusen einkauften - doch das ist eben Minus von 3,5 Prozent im Vergleich zu 2017. Durchschnittlich 6,8 mal wurde online etwas bestellt - das ist ein unveränderter Wert. 

Dass sich dieser Trend umkehren wird, glaubt niemand. Mode ist aus der Mode gekommen. 

Was für ein Kalauer.


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