Wer nicht in sein Unternehmen investiert, der wird bald nicht mehr viel davon haben. Peek&Cloppenburg Düsseldorf hat alles gegeben, Stars und andere Menschen geladen, um beste Bilder weltweit zu liefern. Karstadt Kaufhof investieren jetzt auch, aber hier geht es jetzt um andere Ziele. Und die jahrelangen Investitionen von Home24 zahlen sich allmählich aus.

Wer sich aus der zurückliegenden Woche drei besondere Nachrichten aussuchen darf, hat es leicht. Man kann sie sogar drei eigenen Kategorien zuordnen:

1. Hoppla
2. Rauschen
3. Party

Die Kategorie Hoppla besetzt diesmal Home24. Denn die Nachricht, im Schlussquartal 2019 erstmals in der Unternehmensgeschichte einen Gewinn erzielt zu haben, ist schon ein Kracher und wurde nicht nur an der Börse entsprechend gewertet. Dass man erfolgreich Möbel im Internet verkaufen kann, ist eigentlich nichts Neues (der Premiumhändler Connox aus Hannover zeigt, wie es geht). Aber nun hat auch Home24 Anschluss gefunden – und die stationären Großmeister von Ikea und Segmüller werden das nicht nur zur Kenntnis nehmen.

Aber weil etailment gern Wasser in Wein gießt: Es war erst einmal nur ein erfolgreiches Quartal von Home24. Von Sepp Herberger, dem Großmeister der Binsenweisheiten, wissen wir ja, dass ein Fußballspiel 90 Minuten dauert. Daran wird sich auch Fußballfan und Home24-Chef Marc Appelhoff erinnern und allen im Unternehmen sagen: Ein Geschäftsjahr hat vier Quartale. Schlag also nach bei Sepp: Nach dem Quartal ist vor dem Quartal. 
Steffen Gerth ist Redakteur bei Etailment und Der Handel
© Aki Röll
Steffen Gerth ist Redakteur bei Etailment und Der Handel

Karstadt Kaufhof sollen spitz werden

Ein Ideechen mehr Rauschen hat diese Woche allerdings ein Treffen in Essen verursacht. Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) lud seine Lieferanten in die Grugahalle. Nur jeder Zehnte war gekommen – kein gutes Zeichen. Und einige Journalisten durften nur unter Aufsicht Bericht erstatten, eine ganz neue Variante des "Embedded Journalism". Aber gut, über GKK wird viel gemeckert, das finden sie in der Zentrale doof, und deswegen meckerte nun GGK-Eigentümer René Benko seinerseits in Essen über Meckerer. Neiiiin, ihm gehe es doch gar nicht nur um die Immobilien. Alles nur böse Unterstellungen, schnaubte der Mann aus Österreich.

Gewiss, lieber Herr Benko, selbstverständlich geht es Ihnen nicht nur um die schönen Immobilien in den Innenstädtenaber halt auch, gell? 
Karstadt-Stammhaus in Wismar: Das Museum ist woanders.
© Gerth
Karstadt-Stammhaus in Wismar: Das Museum ist woanders.
Von den GKK-Lieferanten wiederum dürften manche mit guter, manche mit schlechter Laune heimgefahren sein. Denn einige werden sich neue Abnehmer suchen müssen, schließlich will GKK-Chef Stephan Fanderl das Sortiment der zu grün-blau fusionierten Warenhäuser verschlanken, "spitzer" gestalten. Das kann eigentlich nur gut sein, denn in den bisherigen Gemischtwarenbuden gab es von Allem ein Bisschen, aber nichts richtig. Das alte Warenhausversprechen ("Alles unter einem Dach") wurde allenfalls zur Hoch-Zeit des Kaufhausformats eingelöst, also in den 1980er Jahren. Damals war aber die Zahl der städtischen Einkaufszentren noch bescheiden und das Internet nicht etabliert.
© etailment


Alles schaffen kann GKK heute nicht mehr, eine Linie muss her. Die Frage wird sein: Welche Zielgruppe wird GKK adressieren? Für die Generationen X und vor allem Y, Z ist GKK so aufregend wie der ZDF-Fernsehgarten, immerhin decken die Baby Boomer hier noch gelegentlich ihren schnellen Bedarf. Wirkliche Treue zeigen nur Kunden, die Willy Brandt zum Bundeskanzler gewählt und über Hans-Joachim Kulenkampff gelacht haben. Spitz formuliert.

Okay, Stephan Fanderl wird jetzt wieder meckern und sagen: Wir haben 5,8 Millionen Mitglieder mit Kundenkarte, bis 2025 sollen es 9,5 Millionen sein. Und noch mehr Zahlen wird er zur Ehrenrettung anführen: Mehr als 1 Milliarde Euro will Benkos Signa-Konzern im nächsten Jahr ins Handelsgeschäft (also inklusive KaDeWe-Group) investieren, davon 700 Millionen Euro allein in GKK. Die Frage ist nur: Wars das dann? Und was wird in den Jahren 2022, 2023, 2024 für GKK ausgegeben?

Im Handel gilt ja die Faustregel, jährlich 5 % des Umsatzes ins Geschäft zu investieren, nur um den Bestand zu sichern. So gesehen müsste GKK pro Jahr etwa 250 Millionen Euro locker machen. Aber alle wissen, der Bedarf ist ja viel höher: Wenig spektakuläre Fassaden aufhübschen, Lastenaufzüge aufrüsten, Decken, Beleuchtung und Rolltreppen renovieren, das kostet. Und dabei ist noch nicht die Rede von Flächen und Räumen, die faszinieren und anziehen, und schon gar nicht von Digitaltechnik und einem Onlineshop, der für Kunden wirklich relevant ist.

Mit Neymar und Brody auf dem roten P&C-Teppich

Und deswegen haben wir uns jetzt etwas Frohsinn vedient mit der größten Party der Woche oder des Monats im deutschen Einzelhandel. Peek & Cloppenburg Düsseldorf hatte Donnerstag in sein Weltstadthaus geladen und gemeinsam mit Replay viel Geld ausgegeben für eine Starparade. Alles nur, um eine Kollektion des Modeherstellers names Capsule zu feiern, die P&C erst einmal exklusiv vermarkten darf. Als Markenbotschafter wurde Neymar Jr. erkoren. Ein brasilianischer Fußballstar oder Popstar, der auch Fußball spielt (manchmal sogar ganz gut). Je nachdem.

Aber um solche Qualitäten geht es Replay nicht, mit 133 Millionen Followern allein bei Instagram ist Neymar vor allem eines: eine Werbemaschine, heute Influencer genannt.
Ein Weltstar im Weltstadthaus: P&C-Geschäftsführer John Cloppenburg (li.), Neymar.
© Launchevent Capsule Collection NJR x REPLAY im Weltstadthaus Düsseldorf.
Ein Weltstar im Weltstadthaus: P&C-Geschäftsführer John Cloppenburg (li.), Neymar.
Und dieser war am Donnerstag auch geladen. Düsseldorf hyperventilierte ob dieses Besuchs. Neymars Fußballclub Paris St. Germain ebenfalls, allerdings weil er bei den letzten drei Pflichtspielen wegen einer Rippenprellung fehlte. (Am Donnerstagabend gewann St. Germain übrigens im französichen Pokal gegen PSG Dijon 6:1). Und nun posierte der Kranke zwei Tage vor dem Ligaspiel in Amiens auf dem Düsseldorfer Laufsteg. Umringt von grimmig-nervösen Sicherheitsleuten, vielen dünnen, jungen Frauen mit auffallend dünnen Nasen und einem Bekanntheitsfaktor, der sich eher auf das RTL2-Publikum beschränkt.

Fußballkennern ist Neymar ja vor allem bekannt, weil er selbst geringfügige Berührungen des Gegners gerne derart quittiert, als hätte ihn gerade eine Armee der Orks in den Schwitzkasten genommen. Aber gut, seinen PR-Auftritt bei P&C Düsseldorf absolvierte er mit gebotener Freundlichkeit. Fast unerkannt im Promi-Spektakel blieb noch ein wirklicher Weltstar, der Schauspieler und Oscarpreisträger Adrien Brody ("Der Pianist"). Im Abseits von Hysterien plauderte der mit jedem, der das wollte und ohne Sicherheitsmenschen, die sofort in den Abwehrmodus verfielen.
Ein Oscarpreisträger und P&C-Botschafter: Adrien Brody
© Launchevent Capsule Collection NJR x REPLAY im Weltstadthaus Düsseldorf.
Ein Oscarpreisträger und P&C-Botschafter: Adrien Brody


Für P&C ging es an diesem Rote-Teppich-Abend um Aufmerksamkeit, und so wollte Geschäftsführer John Cloppenburg das Ziel dieser Show gewertet wissen: Modehäuser müssen heute glitzern, Spektakel machen, unterhalten und vor allem auffallen. Zielgruppen halt spezifisch ansprechen. Und vor allem Fotos, Fotos, Fotos für jede Klientel knipsen und verbreiten lassen. Jetzt kann P&C in Bildern schwelgen – auf allen sozialen Kanälen mit Neymar, mit Brody, mit hübschen, schlanken Models. Alles richtig gemacht. 

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