Hurra, die neuen Läden sind da. Von Douglas, von Sport-Scheck. Wieso man aber diese in einem albernen Effekt-Englisch bewerben muss, ist eines der Rätsel des Einzelhandels. Das andere: Warum die Kunden in Weihnachtsstimmung verfallen sollen, weil es der Handel so anordnet. Und: Karstadt-Eigner René Benko gibt sich als braver Retter des Warenhauses.

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Lieber Leser, Sie werden sich jetzt bestimmt fragen: Was soll der Quatsch, wieso schreibt der Mann nicht auf Deutsch? Und da haben Sie Recht. Doch was an dieser Stelle lächerlich erscheint, ist anderswo ernst gemeint. Und dadurch noch lächerlicher. 

Am Donnerstag wurde in der Kölner Schildergasse eine neue Filiale von Sport-Scheck eröffnet, und bis morgen, Samstag, laufen noch die entsprechenden Feierlichkeiten für die Kunden mit Rabatten, Gewinnspielen und so. Ausgesprochen gut gefallen haben uns dabei folgende Programmpunkte:

Autogrammstunde - das klingt nach Wolfgang Overath

Donnerstag kamen die Kölner Zweitliga-Fußballprofis Jannes Horn und Salih Özcan zur "Nike Athlete Activation" mit "Photo Opportunity" und "Signing Session". Bitte was? Gemeint war, dass der Sportartikelhersteller Nike Athleten aktivierte, sich dem Volk zu präsentieren, wozu gehörte, dass sich Anhänger der beiden Spieler mit ihnen fotografieren lassen konnten, zusätzlich gaben Horn und Özcan Autogramme. So etwas knapp auf Deutsch zu formulieren, damit es auf ein Flugblatt (Flyer!) passt, ist halt eine Kunst. 
Steffen Gerth, Redakteur bei Der Handel und Etailment
© Aki Röll
Steffen Gerth, Redakteur bei Der Handel und Etailment
Aber vielleicht haben sich die Marketingleute von Sport-Scheck gesagt: "Oh, nee, Autogrammstunde klingt voll uncool, so nach Wolfgang Overath und Heinz Flohe. Doch wir wollen modern und aufregend sein. Daher gibts am Samstag auch bei uns die 'Plank Challenges'".

Einfach nur Sport, das ist zu wenig

Plank Challenges? Jetzt wird es speziell, und nur noch der Kenner weiß, dass Planks für eine sportliche Übung aus dem Programm der Rumpfstabilisation stehen, und zwar den Unterarmstütz, bei dem der ganze Körper angespannt wird. Tja, es gibt also die "Unterarmstütz-Meisterschaften" bei Scheck - huuu, so ein Begriff kann keinen Marketer vom Hocker reißen. Klingt nur noch nach Sport, nicht nach Lebensgefühl. 

Noch irrer gehts aber Samstagabend zu, beim "Nike Bra Fitting @Bra Bar", also beim Anpassen eines Nike-Büstenhalters an einer Büstenhalterbar. Ansonsten verspricht Sport-Scheck "die neuesten Sneakers, Athleisure und Streetwear" im Erdgeschoss sowie die Aufteilung "in Men's- und Women's Performance", also "Welten mit dem passenden Equipment rund um Running und Fitness". Mal sehen, ob ein Verkäufer dort mit einem Kunden etwas anfangen kann, der Schuhe für Dauerlauf sucht. 
Da ist man ja froh, dass Douglas bei seinem nächsten Schritt in die neue Zeit peinlichkeitsfrei blieb. Am Mittwoch eröffnete die Parfümeriekette in Hamburg seinen ersten Schönheitssalon des gehobenen Anspruchs und blieb sprachlich im Rahmen des Erträglichen. Okay, warum man so ein Format "Pro Store" nennen muss, ist rätselhaft. Pro steht ja meist für professionell - heißt das, dass die anderen Filialen amateurhaft sind?

Immerhin haben die Ladenbauer von Schwitzke für den ersten Pro Store gefällige Gestaltungsarbeit abgeliefert, Douglas dürfte diesmal die Häme erspart bleiben, die der deutsche Parfümeriemarktführer nach der Präsentation seines neuen Logos hervorgerufen hatte. Fünfzig Jahre kam Douglas mit dem geschwungenen Schriftzug daher, jetzt regiert Tina Müller das Reich des Duftes und der Schminke, und sie macht alles anders, moderner und schöner. Doch beim neuen Logo erinnern halt die ersten beiden Buchstaben an zwei ineinander verhakte Trauringe.

Premium heißt, wenn der Vorhang aus Samt ist

Der Pro Store im vornehmen Hamburger Stadtteil Eppendorf soll nun den neuen Premiumanspruch von Douglas zur Geltung bringen, mit Samtvorhängen, Pflegekabine und einer Kasse, die hier Rezeptionstresen heißt. 

Gehobener Ladenbau als Antwort auf die immer stärker werdende Onlinekonkurrenz - etwa durch Zalando. Denn der Modeversender knabbert immer mehr am Schönheitsmarktkuchen. Duft- und Pflegeprodukte für Frauen gibt es schon seit März, ab sofort kann auch der Mann Cremes für Haut, Haar und Bart bestellen. 
 Und mit welchem Elan Zalando in dieses Segment vorstößt, beweist die Expansion mit dem gesamten Sortiment nach Österreich und Polen, klugerweise noch vor Weihnachten, damit die Kassen klingeln. Da werden die tschechischen Kollegen von Notino aber Spaß haben, wenn ihnen jetzt die Deutschen von Zalando auf den Pelz rücken. Schließlich beherrscht die Onlineparfümerie aus Brno bisher den osteuropäischen Markt. 

Fast unbemerkt ist der Kosmetikmarkt gehörig in Schwung gekommen, das liegt eben auch daran, dass Douglas als Marktführer wieder den Takt vorgibt, online zulegt und im Ladenbau Akzente setzt. 

Die Onliner haben immer mehr Lust an Läden

Was auch auffällt, ist die zunehmende Lust von Onlinehändlern an Läden. Wie etwa bei notebooksbilliger.de. Fünf eigene Filialen hatte man bisher - aber nun geht es richtig los: Mit dem Zusammenschluss mit der Fachmarktkette Medimax ist eine Holding mit nunmehr 120 Filialen und einem Umsatzziel von rund 2 Milliarden Euro entstanden.

René Benko sagt im aktuellen "Handelsblatt", dass "reine Onlineanbieter mittlerweile händeringend Präsentationsflächen und Logistikhubs in Toplagen suchen. Und wir haben sie." Damit meint der Karstadt-Eigentümer und neue starke Mann bei Kaufhof, dass durch die Fusion der beiden Warenhäuser die Innenstadt-Marktplätze der Zukunft entstehen werden. Online, offline, Logistik - alles wachse zusammen. "Nur das Warenhaus kann dem Kunden zukünftig ganzheitliche und einzigartige Multichannel-Angebote aus einer Hand machen und ganz individuell auf seine Bedürfnisse eingehen", beschwört Benko.
Schoko-Weihnachtsmann: Weihnachtsgefühle bei 25 Grad
© etailment
Schoko-Weihnachtsmann: Weihnachtsgefühle bei 25 Grad
Das klingt groß. Und angesichts der Bedeutungslosigkeit des Onlinegeschäfts bei Karstadt und Kaufhof gar verwegen. Aber gut, Benko versichert zumindest, dass er das Warenhaus retten will, dafür kämpfe er um jede Filiale - was soll er auch sonst sagen in einem netten Interview, in dem er sich als der gute Einzelhandelsretter verkauft?. Vielleicht meint er aber weniger ein klassisches Warenhaus, sondern eher eine Immobilie, bei der noch Karstadt oder Kaufhof an der Tür steht, aber drinnen alle möglichen Beschicker als Untermieter einen kunterbunten Marktplatz einrichten. Und nebenbei ist man noch Innenstadt-Auslieferungslager für Onlinehändler.

Weihnachtsgefühle bei 25 Grad?

Was war noch die Woche? Ach ja, die Nachricht von Freundin N. "Sie sind wieder da", schrieb sie und schickte ein Foto mit, wen sie mit "sie" meinte. Schokoweihnachtsmänner. Am 1. Oktober, aufgenommen in einer Rewe-Filiale in Frankfurt. So läuft das halt im Einzelhandel, es  ist noch nicht mal richtig Herbst, draußen kann man im T-Shirt herumlaufen, aber der Verbraucher bekommt schon die Weihnachtsdröhnung verpasst.

Schwer vorzustellen, dass darauf die Leute jetzt Lust haben, aber was der Verbraucher wirklich will, ist eben nicht immer deckungsgleich mit dem, was er von Einzelhandels wegen soll. Wenn Sie bitte hierzu vergleichen wollen, was wir jüngst an dieser Stelle geschrieben hatten über die warme Herbstmode, angeboten zur Bruthitze des Sommers.

Wie gut, dass Sport-Scheck verstanden hat, worum es geht, denn: "Der Aufbau der sechs Etagen ist konsequent auf Kundenwünsche zugeschnitten", wird für die neue Kölner Filiale versprochen. Donnerwetter. Ein Laden, der auf Kundenwünsche zugeschnitten ist - das ist so wie ein Lokal, das damit wirbt, dass das Essen den Gästen schmeckt. 

Enjoy your weekend while going for a run - and maybe you have some photo opportunities. The weather is nice.
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