In dieser Woche haben wir in unserem Morgennewsletter auch eine Meldung zur Preisgestaltung von "Fulfillment by Amazon" (FBA) gebracht. Aber wie funktioniert eigentlich das Outsourcing des Versands an Amazon? Welche Kosten entstehen? Und für welche Händler kann es sich lohnen. Wir erklären es in diesem Beitrag.

Wer einen Webshop betreibt, weiß, welche Arbeit in den vielen Prozessen rund um das Einkaufen steckt. Artikel müssen gelagert werden. Dafür braucht es Räumlichkeiten und Platz. Die gelagerten Waren müssen verwaltet werden. Und gehen Bestellungen ein, müssen die bestellten Produkten zusammengestellt, verpackt und versendet werden.

Und das natürlich möglichst zeitnah.

Denn der Kunde von heute möchte seine Bestellungen am liebsten sofort. Das alles kostet Zeit, erfordert Aufwand und damit Geld. Mit seinem Programm "Fulfillment by Amazon" bietet der Marktplatz eine Lösung zur Entlastung des Händlers an.

Was ist FBA?

Das erklärt Amazon am besten in einem kurzen Video selbst:

Zusammengefasst: Amazon stellt Lagerkapazitäten zur Verfügung, kümmert sich um Verpackung und Versand und stellt optional noch weitere Dienstleistungen rund um die Einlagerung zur Verfügung.

Wie sieht der Ablauf für FBA aus

Als bei Amazon registrierter Händler können Sie FBA beim Anlegen von Produkten direkt als Option auswählen. Die manuelle Erfassung ist indes natürlich nur bei kleinen Mengen sinnvoll. Größere Produktpaletten werden am besten per Feed an Amazon im Verkäuferkonto überstellt. Dies ist dort in der Dokumentation beschrieben. Damit Amazon die Waren auch versenden kann, müssen sie natürlich erst einmal dort hingelangen.

  1. Größere Händler können den Hersteller oder Distributor bitten, die Waren direkt an das zuständige Logistik-Center liefern zu lassen. Weitaus häufiger wird jedoch der Fall sein, dass der Händler seine Waren direkt an Amazon schickt. Versandzentren existieren unter anderem in Koblenz, Bad Hersfeld, Pforzheim, Rheinberg, Leipzig und Werne. Zum reibungslosen Ablauf müssen die Artikel etikettiert und eindeutig gekennzeichnet sein. Mit welchem Transportunternehmen die Produkte zu Amazon gelangen, entscheidet der Händler selbst. Er trägt auch das Risiko für eventuelle Schäden.
  2. Amazon erfasst die Waren und lagert diese ein. Dabei wird das Volumen der Produkte ermittelt. Denn das spielt für die Kosten eine wichtige Rolle. Der Service kann für alle Produkte genutzt werden, egal ob diese über Amazon verkauft werden oder nicht.
  3. Wird ein Artikel verkauft, übernimmt Amazon die Verpackung und den Versand. Der Endkunde kann zwischen verschiedenen Versandarten wählen und die Lieferung auch mittels Tracking verfolgen.

Sofern die Artikel über Amazon verkauft worden sind, werden auch Reklamationen und Retouren über Amazon abgewickelt. Andernfalls ist der Händler zunächst der erste Ansprechpartner.

Vor- und Nachteile von FBA

Welche Vorteile hat es für den Händler, FBA zu verwenden?

  • Kein eigenes Warenlager notwendig bzw. genügt ein kleineres Warenlager. Das spart Kosten.
  • Schneller Versand, selbst in Spitzenzeiten.
  • Amazon versendet innerhalb der EU.
  • Reduzierung des Aufwands bei Retouren und Rücksendungen.
  • Die Ware kann versandkostenfrei angeboten werden, wenn der Kunde Amazon Prime nutzt. Da Kunden gern nach "Prime" suchen, werden die Artikel besser gefunden.

Außerdem wird von Experten für die Optimierung von Produktplatzierungen bei Amazon regelmäßig ausgeführt, dass Produkte mit FBA besser im Ranking dastehen.

Wo es indes Vorteile gibt, müssen auch Nachteile bedacht werden.

  • FBA kostet etwas.
  • Vor der Einlieferung müssen die Artikel passend etikettiert werden.
  • Ein eigenes Branding ist nicht möglich. Die Ware wird mit Verpackungsmaterial von Amazon versendet. Aus Sicht des Kunden ist somit Amazon der Absender. Der Händler tritt in der Wahrnehmung zurück.
  • Auf den Bestellprozess kann nicht eingegriffen werden. Besonders schneller Versand für Stammkunden oder besondere Absprachen sind darüber nicht möglich.
  • Das eingesetzte Warenwirtschaftssystem muss in der Lage sein, die Daten der im Versandzentrum eingelagerten Produkte abzugleichen. Das kann Aufwand bedeuten. Es gilt aber unbedingt zu vermeiden, Produkte im Status "Nicht am Lager" zu haben.

Wer setzt es ein?

Webretailer hat eine interessante Umfrage unter Amazon-Händler publiziert. Demnach nutzen fast 80 Prozent der auf Amazon vertretenen Händler zumindest teilweise die Dienste von FBA. Die Ergebnisse werden dabei nach der Umsatzgröße unterschieden. Bei den Händlern mit einem Umsatz von mehr als 1 Million Dollar nutzen nur 10 Prozent die Dienste für alle Artikel, 12 Prozent gar nicht. Werden alle Händler genommen, sind es knapp die Hälfte der Händler, die FBA für zwischen 70 und 100 Prozent aller Bestellungen nutzt.

 

Das dürfte letztlich auch mit den Kosten zusammenhängen. Die Stimmungslage in den Händlerforen zu FBA darf wohl als überwiegend gut bezeichnet werden. Unzufriedene Wortmeldungen sind oftmals Fehlern bei der Einlagerung geschuldet oder etwa Beschädigung bei der Einlieferung. Solche Risiken ergeben sich aber stets, wenn Prozesse ausgelagert werden.

Das kostet FBA

Zunächst kommen auf den Händler die Transportkosten der Waren zum Versandzentrum zu. Für seine Dienstleistungen verlangt Amazon zweimal Geld.

  1. Einlagerungskosten
  2. Versandkosten

Die Versandkosten sind nach Produktart, Größe und Zielland gestaffelt. Dafür gibt es aber ausführliche Preistabellen.

Die Einlagerungskosten werden nach Kubikmetern berechnet und belaufen sich pro Kubikmeter und Monat auf 12,50 Euro für die Zeit von Januar bis September. Von Oktober bis Dezember kostet der Kubikmeter 18 Euro. Je größer und schwerer ein Artikel, umso größer wird der Gesamtkostenblock. Das sollte jeder Händler bedenken. Andererseits kann er wirkungsvoll entlastet werden, wenn es sich etwa um Produkte mit hoher Retourenquote handelt, da er seinen Aufwand und damit auch seine Kosten senken kann.