Regionale Lebensmittel liegen im Trend. Landwirt Andreas Kratzer aus Gaiblingen macht bei dem Amazon-Projekt "Unternehmer der Zukunft" mit und verkauft nun Selbstgemachtes online.

7 Hektar, 7 Kühe: „So übernahm mein Vater von seinem Vater unseren Bauernhof“, erzählt Andreas Kratzer. Heute veredelt der Chef des Hofladen Kratzer in Gablingen bei Augsburg, was auf seinen inzwischen 15 Hektar großen Feldern wächst wie auch die Eier, die seine rund 3.000 Hühner legen. Und verkauft seit kurzem ausgewählte Produkte auch über das Internet.

Franziska von Amazon besuchte im März Andreas Kratzer
© Hofladen Kratzer/Amazon
Franziska von Amazon besuchte im März Andreas Kratzer
Der Landwirt macht seit Januar bei dem Projekt „Unternehmer der Zukunft“ mit, bei dem der Internetriese Amazon kleine und mittlere Unternehmen mit Onlineprofis zusammengebracht hat. Gemeinsam mit seinem Coach Patrick Hallinger von Hallingers Genuss Manufaktur (hallingers.de)  hat Kratzer ausgetüftelt, wie er seine Lebensmittel online vertreiben kann.

Das erste Etappenziel ist erreicht: „Ab sofort gibt es unseren selbstproduzierten Eierlikör und unsere Dinkel-Spaghetti über Amazon Prime Now für Kunden im Großraum München“, erläutert der Landwirt, dessen Familie den Betrieb seit 1784 bewirtschaftet. Die Onlinekunden bekommen die Naturprodukte innerhalb einer Stunde ab Bestellung geliefert.
Hofladen Kratzer bei Augsburg
© Hofladen Kratzer
Hofladen Kratzer bei Augsburg
Damit Amazon sein Express-Lieferversprechen halten kann, beliefert Kratzer einmal in der Woche in das rund 2.200 Quadratmeter große Prime Now-Lager in der Hopfenpost an der Arnulfstraße in München. „Die Lieferzeiten sind genau getaktet und somit exakt festgelegt, das ist etwas anders als  bei Lieferungen an unseren örtlichen Edeka-Händler“, nennt Kratzer einen Unterschied zu dem klassischen Vertrieb seiner Hofprodukte.
Und damit nicht genug: „Auch außerhalb Münchens kann man unsere Produkte nun kaufen“, berichtet Kratzer. „Wir haben Probiersets  zusammengestellt, damit jeder unsere Produkte probieren kann.“  

Der Hofladen Kratzer bei Amazon laufe schon sehr gut: „Besonders unseren Dinkelnudeln sind der Renner. Sie werden mit Dinkelgrieß aus einer benachbarten Mühle hergestellt und haben einen ausgezeichneten Biss“, wirbt Kratzer.
Ganz so neu ist der Onlinehandel für den Landwirt indes nicht: Er hat schon einmal im Jahr 2000 versucht,  Eier über einen Webshop zu verkaufen. Lange hielt er das nicht durch: „Wir hätten das vielleicht konsequenter verfolgen müssen“, sagt Kratzer heute. Stattdessen konzentrierte er sich damals auf den Offlineverkauf und den Aufbau einer regionalen Marke. 

So funktioniert das Eiertrennen


„Wenn ein Kunde von unserem Hof fährt, hat er das Gefühl, etwas ganz Besonderes in seiner Einkaufstasche zu haben. Genau dieses Gefühl soll er auch beim Öffnen eines Pakets haben“, nennt er als Beispiel, welche Hürden es beim Onlineverkauf von regionalen landwirtschaftlichen Produkten gibt. Zudem haben seine Premium-Lebensmittel eine relativ kleine Gewinnspanne und sind vergleichsweise preiswert, so dass ein Einkaufswert von 30 Euro, ab dem sich ein Versand erst anfängt zu rentieren,  nicht so schnell zusammenkomme.

Ideen für den Hofladen hat Kratzer noch viele. Als nächsten Schritt nennt er den Start eines Crowdfunding-Projekts „zur Erweiterung unseres Hühnerstalls“: Mit einem Landwirt aus dem Nachbarort zusammen ist ein passendes Grundstück gefunden, an dem weitere Legehennen eine artgerechte Behausung bekommen können. „Wir wollen dann Kunden suchen, die 400 Euro investieren und denen wir über 4 Jahre eine Verzinsung von 5 Prozent anbieten können“, erläutert Kratzer. Kapital und Verzinsung will der Mittelständler in Naturalien zurückzahlen – in vier Warengutscheinen zu je 120 Euro.
Hühnerdünger-Werbung bei Hofladen Kratzer auf Amazon
© Hofladen Kratzer
Hühnerdünger-Werbung bei Hofladen Kratzer auf Amazon
Bei seiner Schwester Maria hat dieses Modell übrigens gut funktioniert: Als die Landwirtin mit ihrem Mann Josef Berghammer ihren Betrieb am Tegernsee von Milch auf Fleisch umgestellt haben, fand die „Gmunder Rindfleisch-Aktie“, bei der Fleischfreunde sich finanziell an der Aufzucht der Tiere beteiligen konnten und die Rendite in Form von eigenem Rindfleisch ausbezahlt bekamen, großen Anklang.

„Es sind noch einige Dinge mit dem Grundstück zu klären, aber im Juni sind auch wir hoffentlich so weit, das Projekt Hühnerstall anzugehen“, sagt Kratzer zur weiteren Planung. 


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