Smartphones verdrängen Kompaktkameras: Der Umsatz von einfachen, billigen Fotoapparaten ging im ersten Halbjahr um 40 Prozent zurück.

Der Fotomarkt in Westeuropa zeigt ein uneinheitliches Bild: Während die Kameras, deren Funktionen Smartphones übernehmen können, deutlich an Umsatz verlieren, gewinnen hochwertige Digitalkameras. Insgesamt hat der Fotomarkt in Westeuropa im ersten Halbjahr allerdings 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebüßt, meldet das Marktforschungsinstitut GfK im Rahmen der Internationalen Funkausstellung (IFA) 2013 in Berlin.

Demnach stehen vor allem einfach ausgestattete Kompaktkameras mit niedrigen Zoomfaktoren in Konkurrenz zu den Fotofunktionen von Smartphones. Dementsprechend ging der Umsatz im ersten Halbjahr 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent zurück. Hochwertige Digitalkameras hingegen konnten je nach Einsatzzweck und Zielgruppe zum Teil stark zulegen.

So betrug das Plus beispielsweise bei den Vollformat-("Fullframe"-)Spiegelreflexkameras 26 Prozent. Da ihr Durchschnittspreises mit 2.245 Euro recht hoch ist, haben sie mit einem wertbezogenen Anteil von 14 Prozent an allen verkauften Kameras einen "signifikant positiven Einfluss" auf den Umsatz des Handels, so die GfK. Sie gleichen demnach die Umsatzrückgänge bei Spiegelreflexkameras mit kleinerem Sensor, bei denen das Minus 10 Prozent betrug, sowie bei kompakten spiegellosen System-Kameras mit minus 8 Prozent nahezu aus. Insgesamt beansprucht der Bereich der Kameras mit Wechselobjektiv inzwischen etwa die Hälfte des Kamera-Umsatzes für sich.

"Fixed-Lens-Kameras" im Plus

Im Trend liegen demzufolge aber auch anspruchsvolle "Fixed-Lens-Kameras". Dabei legten Kameras, die mit größeren Bildsensoren ausgestattet sind und durchschnittlich rund 450 Euro kosten, um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Mit einem Plus von 44 Prozent stieg der Umsatz von so genannten Highzoom-Kameras mit einem optischen 20-fachen oder noch höherer variabler Brennweite noch deutlicher. Mehr als jeder dritte Euro, der für eine Fixed-Lens-Kamera ausgegeben wurde, entfällt auf dieses Segment. Besonders schnell wachsen der GfK zufolge hierbei die Verkäufe schlanker "Reise-Modelle" mit einer Gehäusetiefe von 4 Zentimeter und weniger.

Erfreulich sei zudem, dass das Durchschnittspreisniveau innerhalb des ersten Halbjahres im Highzoom-Bereich mit etwa 250 Euro stabil blieb. In Summe entfielen bis Juni 2013 auf die genannten Bereiche bereits mehr als 25 Prozent des allgemeinen Kamera-Umsatzes und mehr als 50 Prozent des Fixed-Lens-Umsatzes.

Zubehörmarkt mit Potenzial

Der Umsatz von Wechselobjektiven stieg im ersten Halbjahr 2013 um 2 Prozent. Ihr Wertanteil am Fotomarkt (Kameras plus Objektive) beläuft sich demnach auf 22 Prozent. "Dies zeigt die Potenziale, die sich aus einem steigenden Ausstattungsgrad mit hochwertigen Kameras für den Zubehörmarkt ergeben", so die Marktforscher.

Ein übergreifendes Thema stellt demnach zudem die zunehmende so genannte Konnektivität von Kameras dar. Im Juni 2013 konnte bereits jede siebte verkaufte Kamera Bildern dank integriertem WLAN "teilen".

Grundsätzlich bewirken Smartphones der GfK zufolge zwar einen Rückgang des so genannten Low-End-Kamera-Marktes. Doch verteufeln sollte die Branche die Handykonkurrenz nicht: Sie sorgten auch dafür, dass eine nie zuvor gekannte Zahl von Menschen mit dem Thema Fotografie in Kontakt komme. "Dies stellt eine einmalige Chance dar, möglichst viele Konsumenten für dieses Thema zu begeistern und letztlich zum Kauf immer hochwertigerer Kameras zu motivieren."

wim

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