Mobile Payment, personalisierte Angebote, Instore-Navigation: Der mittelständische Baumarktbetreiber Knauber gönnt seiner Kundenkarte zum 20. Geburtstag eine digitale Frischzellenkur.

Big Data ist nicht nur was für Big Player. Das zeigt das Beispiel des Mittelständlers Knauber. Seit 20 Jahren bietet der Baumarktbetreiber seinen Kunden eine Bonuskarte an. Rund 360.000 Kundenkarten hat das Unternehmen inzwischen davon ausgegeben, etwa 20 Prozent davon sind Partnerkarten, so dass sich der Filialist mit Sitz in Bonn aktuell über 300.000 aktive Kundenkonten freut – Tendenz steigend, denn jährlich kommen bis zu 15.000 neue Konten hinzu.

Die Karte ist so erfolgreich, dass sie nun noch intelligenter wird. Gemeinsam mit der Technologieagentur Tarent Solutions führt der Baumarktbetreiber in seinen sechs Filialen mit der Knauber-App eine digitale Kundenkarte ein.

Die klassische Knauber-Kundenkarte bietet klassische Vorteile wie Rabatte, Gewinnspiele und Sonderaktionen sowie eine verlängerte Garantie auf Elektrogeräte. Hinzu kommen Sonder- und Vorteilsaktionen sowie exklusive Events für die  Karteninhaber.
Durch die gesammelten Daten identifizierte der Händler bislang sechs unterschiedliche Kauftypen, denen er persönliche Angebote aus den entsprechenden Themenwelten macht: Heimwerker, Kreative, Gärtner, Grillbegeisterte, Heimtierfreunde und Menschen, die ihr zu Hause schön dekorieren wollen.

"Mit der App betreten wir völliges Neuland"

Philipp Lösche, Marketingleiter Knauber
„Mit der App betreten wir aber völliges Neuland“, sagt Philipp Lösche, Marketingleiter der Knauber Freizeit GmbH & Co. KG. „Die Kundenkommunikation wird mit der digitalen Kundenkarte beschleunigt, sie funktioniert sozusagen nun in „Echtzeit“. Das erfordert eine ganz andere Planung im Hintergrund.“ Die Vorteile der digitalen Kommunikation liegen auf der Hand: sie spart nicht nur Porto und aufwändige Mailings, sondern der Händler erreicht auch den Kunden genau da, wo er sowieso gerade in Baumarkt-Kauflaune ist und sofort etwas mit dem jeweiligen Vorteil anfangen kann.
Zudem bietet der Fachhändler über die App weitere Servicefunktionen an, beispielsweise kann der Kunde Produktinformationen und Erklär-Videos abrufen. Und bald soll der Baumarktbesucher mit der  „Scan&Go-Funktion“ sogar mobil per Lastschrift, Kreditkarte und Paypal zahlen können.

Noch im kommenden Jahr will Knauber in der App darüber hinaus auch eine Navi-Funktion für die Hauptfiliale in Bonn-Endenich testen. Dort können sich die Kunden künftig nach vorher eingegebener Einkaufsliste durch den Markt direkt zum Produkt führen lassen, ihre Produkte dann selbst per Handy einscannen und beim Verlassen des Marktes per Knopfdruck bezahlen. Den Mehraufwand – alle Kampagnen und mögliche Funktionserweiterungen der App werden weiterhin bei Knauber selbst geplant – scheut der Marketing-Chef nicht.

Im Gegenteil: „Als mittelständisches Familienunternehmen müssen wir uns mit mehr Service von den großen Ketten abheben“, sagt Lösche. „Aber da haben wir alle Spaß dran. Das Unternehmen will schließlich nicht langweilig werden.“ Die wichtigste Erkenntnis aus den Tests der Digitalisierungsoffensive bei Knauber wird allerdings sein, „ob der Kunde das alles überhaupt will“, wie es Lösche formuliert.  

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