Die Kreditkartenorganisation Mastercard setzt ihre grenzüberschreitenden Interbankenentgelte aus - bis auf Weiteres.

Wenige Tage vor Ablauf der von der EU-Kommission gesetzten Frist kündigt das Kreditkartenunternehmen Mastercard an, die so genannten Interchange-Gebühren bei grenzüberschreitenden Zahlungen ab dem 21. Juni 2008 auszusetzen.

Im Dezember 2007 hatte die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes das Entgeltsystem von Mastercard für wettbewerbswidrig erklärt und dem Unternehmen eine Frist bis zum Juni gesetzt, um ein alternatives Gebührenmodell zu etablieren. Für den Fall, dass Mastercard nach Fristablauf weiterhin an den grenzüberschreitenden Interbanken- Entgelten festhalten sollte drohte die EU-Kommission eine täglichen Strafe in Höhe von rund 350 Millionen an.

Einspruch erhoben

Um die Strafzahlungen abzuwenden entschied Mastercard vorläufig, vollständig auf die multilateralen Interbankenentgelte zu verzichten. "Wir sind aber nach wie vor der Meinung, dass es für eine Leistung einen fairen Ausgleich geben muss und stehen mit der Kommsission in Verhandlungen", erklärt Peter Ehmke, Mastercard Deutschlandchef im Gespräch mit Der Handel.

Gegen die Entscheidung der EU-Kommission hat Mastercard zudem Einspruch beim Europäischen Gerichtshof erhoben, mit einem Urteil ist jedoch erst in zwei Jahren zu rechnen.

Kritik an Kartengebühren

Die so genanten Interchange Fee wird von den Kartenakzeptanzstellen etwa im Einzelhandel oder der Gastronomie für jede Transaktion entrichtet, die Höhe der Gebühren sind vom Kartenumsatz abhängig. Die Gebühren werden von der Bank des Händlers an die kartenausgebende Bank weitergereicht und dient unter anderem zur Finanzierung des Kreditkartensystems.

Der Einzelhandel kritisiert die Kartengebühren der Banken seit langem, da sie nicht verhandelbar seien und einseitig von den Kreditinstituten festgelegt werden. Kartellverfahren gegen Vis und Mastercard laufen in verschiedenen europäischen Staaten auch auf nationaler Ebene. Eine Beschwerde des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) gegen die Interchange-Gebühren im deutschen Zahlungsverkehr liegt seit 2006 beim Bundeskartellamt. Mit einer Entscheidung der Wettbewerbshüter wird jedoch nicht gerechnet, bevor der Europäische Gerichtshof über die Zulässigkeit der Interchange-Gebühren geurteilt hat.