Ob nun "Mobile First" oder "Mobile Only" gilt – darüber mögen sich die Gelehrten streiten. Fest steht, das Smartphone dominiert. Und Händler, die das nicht beachten, haben schlechte Karten. Oft genug sind es nur Kleinigkeiten, die über den Erfolg im Mobile Commerce entscheiden können.

Ob eine Site oder Shop für mobile Geräte optimiert sind, entscheidet nicht mehr der Nutzer allein. Das tut Google bereits mit seinem Hinweis in den Suchergebnissen. "Mobil optimiert" steht da. Im Zweifel eine freundliche Empfehlung für den Nutzer, doch dieses Angebot zu besuchen. Denn es verspricht das bessere Erlebnis, wenn er unterwegs nach Produkten oder Inspirationen sucht.

Man muss vielleicht nicht ganz soweit gehen, wie es das Unternehmen Comscore in seinem "Global Mobile Report" getan hat, in dem die Nutzung mobiler Geräte der Pyramide menschlicher Bedürfnisse gegenüber gestellt wurde. Aber Fakt ist nun einmal, dass das Smartphone aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Und so sollten Händler den Kunden eine optimale Kundenerfahrung auf dem mobilen Gerät bieten. Pure Player oder Multichannel spielt dabei keine Rolle.

Und obwohl Händler ja auch nur Menschen sind, und mit Sicherheit ebenfalls ein Smartphone auf dem Schreibtisch liegen haben, gibt es immer noch viele Shops, die vieles falsch machen.

Eine gut gemeinte Hürde

Conrad macht ja sonst vieles richtig, aber ein Layer über die gesamte mobile Seite ist schon mutig.
© Screenshot vom Autor
Conrad macht ja sonst vieles richtig, aber ein Layer über die gesamte mobile Seite ist schon mutig.
Ist Ihnen bestimmt auch schon passiert. Sie rufen mit dem Smartphone eine Seite im Internet auf und ein Hinweisfenster taucht auf, das Sie freundlich darauf hinweist, dass Sie ein mobiles Gerät benutzen. Und ob Sie jetzt vielleicht lieber zur mobilen Ansicht wechseln wollen? Das ist zwar irgendwie nett gemeint, aber im Prinzip genauso nervend und überflüssig wie Pop-ups, die beim Lesen eines Artikels darüber informieren, der Inhalt einer Homepage habe sich gerade geändert. Wenn es eine mobile Ansicht gibt, wieso wird die dann denn nicht gleich dargestellt? Wer seine Seite so programmieren lässt, nötigt den Nutzer zu einem zusätzlichen und unnötigen Klick.

"Mobile First2 bedeutet nicht einfach nur responsiv

Wer das mit diesem "Mobile First" ernst nimmt, darf sich nicht einfach eine hübsche Seite gestalten lassen, die dann durch etwas HTML-Zauber auf kleinen Bildschirm optimiert und skaliert dargestellt wird. Responsives Design ist vor allen Dingen eines. Design. Wer das "First" ernst nimmt, muss vom mobilen Kunden aus denken. Dessen Bedürfnisse geben die Gestaltung vor und werden dann auf den Desktop übertragen. Der Weg andersherum führt selten zu überzeugenden Ergebnissen. Deswegen sollte der mobile Auftritt auch im Zentrum von strategischen Überlegungen stehen. Die Frage mus also sein, was noch getan werden könnte, um noch mehr Traffic dorthin zu lenken. Selbst wenn das zu Lasten des Desktop geht. Der wird eher früher als später ohnehin obsolet.

Bestellprozess und Checkout sind entscheidend

Bevor Sie sich vielleicht an die Optimierung von Bildern oder Inhalten machen, gibt es zwei mögliche Baustellen, die eine größere Bedeutung haben. Das sind die beiden Achillesfersen einer jeder Konversion. Der Bestellabschluss und das Bezahlen. Beide müssen mit möglichst wenigen Aktionen des Kunden abzuschließen sein. Und beide müssen auf der virtuellen Tastatur auf dem Smartphone auch einfach absolviert werden können. So wenig Eingaben wie möglich, einfache Anmeldung bestehender Kunden, damit Stammdaten per Fingertipp übernommen werden können, möglichst wenige Aktionen bis zum Bezahlen: Das Vorbild Amazon steht hier für Exzellenz.

Die Navigation simpel halten

Selbst mit perfekt gewählter Typographie und optimierten Schriften bleibt doch jeder Bildpunkt auf der kleineren Anzeigefläche wertvoll. Und bedienbar muss die Navigation im Shop auch per Fingertipp bleiben. Kurze und prägnante Menübeschreibungen tragen dazu ebenso bei, wie eventuell reduzierte Menü-Kategorien. Das Angebot eines Händlers muss schon vielversprechend oder seine Preise unschlagbar sein, falls der Kunde die Zoomfunktion des Browsers verwenden soll, um einen Menüeintrag oder Link klicken zu können. Am besten lässt man es gar nicht darauf ankommen.

An liebevolle Details denken

Wie oft im Leben sind es kleine Details, die Freude bereiten und für ein positives Erlebnis sorgen. Zum Beispiel, wenn eine Telefonnummer so gestaltet wurde, dass sie beim Anklicken auch gleich die Anruffunktion des Smartphones startet. Oder wenn beim Ausfüllen von Formularen die korrekte Eingabefunktion des mobilen Betriebssystems verwendet wird. Verzichtet werden sollte beispielsweise bei der Formulargestaltung auf alles, was mobil eher ungünstig ist, wie Drop-Downs. Da sind die Optionen nur schwer zu erwischen.

Und während auf dem Desktop längeres Scrollen zwar funktioniert, auch wenn es dort genauso nerven kann, ist mobil ein seitenorientiertes Design deutlich besser. Wenn das Formular dann ein bisschen menschelt, umso besser. Hier darf man sich gern an Bots orientieren. Man stellt eine Frage und der Kunde gibt die Antwort. Dann geht es zum nächsten Schritt. So arbeitet sich der Kunde langsam durch die notwendigen Eingaben.

Bei der Gestaltung darf man übrigens auch gern die technischen Möglichkeiten der Geräte ausnutzen. So kann der Kunde natürlich gern seine Adresse eingeben. Aber es ist natürlich eine nette Geste, wenn das System ihm anbietet, seinen Standort ermitteln zu lassen. Diese Angaben müssen sich natürlich jederzeit auch wieder überschreiben lassen. Denn schließlich ist es ja möglich, dass der Nutzer von unterwegs bestellt, aber an eine andere Adresse liefern lassen will.

Packshots für mobile Darstellung optimieren

Besonderes Augenmerk sollte man den Produktdetailseiten schenken. Und das gleich aus zwei Gründen. Werden LBS oder hyperlokale Werbemittel genutzt, beispielsweise die Inventory Ads von Google, gelangen die Kunden ja unmittelbar auf die Beschreibung eines Produkts. Und dort spielen Bilder natürlich eine wichtige Rolle. Was bereits für den Desktop im Zeitalter langsamer Modemverbindungen galt, hat auch im mobilen Internet seine Wichtigkeit. Das Bildmaterial sollte für die Online-Nutzung optimiert sein und möglichst wenig Datenvolumen bei der Übertragung verbrauchen.
Ein Packshot der auch mobile genügend Details zeigt, damit der Kunde sich informieren kann und Verwechslungen ausgeschlossen sind.
© Screenshot vom Autor
Ein Packshot der auch mobile genügend Details zeigt, damit der Kunde sich informieren kann und Verwechslungen ausgeschlossen sind.
Doch noch ein weiterer Aspekt kann unmittelbaren Einfluss auf die Kaufbereitschaft haben. Die Rede ist vom genutzten Bildausschnitt. So bleibt von einem klassischen Packshot, etwa einer Flasche Wein oder Parfüm, wenig Anmut über, wenn dieser auf die Displaygröße eines Smartphones reduziert wird. Interessant sieht dann anders aus. Deswegen lohnt es sich, mit Detailfotos in Form einer Galerie zu arbeiten und etwas mehr Arbeit in das Standardbild der Detailseite zu stecken. Das hat nicht nur etwas mit Design und Verführung zu tun. Es vermeidet auch Irrtümer bei der Bestellung durch den Kunden.
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