Mehr mobiler Traffic, mehr mobiler Umsatz. Wachstumszahlen im Mobile Commerce werden bei großen Händlern zur Routine. Doch welche Trends zeichnen sich dabei im Detail ab?

Wir haben es gewusst – der Mensch ist permanent in Bewegung. Deshalb steigt die Begeisterung für Technik, die dieser Lebensform entspricht. Telefonieren, informieren, kaufen – alles wird unterwegs erledigt. Doch lässt sich darüber auch relevanter Umsatz generieren? Händler wie Otto und Zalando zeigen, dass es geht. Zwei Trends zeichnen sich ab: 1.  Smartphone-Nutzer überholen beim Shoppen Tablet-User; 2. Apps schlagen mobil optimierte Seiten.

Zalando konnte in den ersten neun Monaten 2016 seine mobilen Zugriffe auf 67 Prozent erhöhen. Die App des Versenders wurde im genannten Zeitraum 25 Millionen Mal heruntergeladen.

Zalando App Fleek


Noch interessanter: Die mobilen Bestellungen knackten die 50 Prozent-Marke.  Das ist besonders. Denn trotz der rasanten Wachstumszahlen beim Umsatz über das Smartphone bleibt im E-Commerce in Deutschland der Desktop-PC der Umsatzkanal Nummer 1.
79 Prozent verbuchte der Handel darüber, nur 9 Prozent wurden über das Smartphone erwirtschaftet, allerdings ein Plus von 90 Prozent.

Otto mit 10 Prozent Plus

Auch der Otto Konzern treibt seit Jahren die digitale Transformation mit Macht voran. Rund 50 Prozent aller Besuche bei den großen Online-Shops der Otto Group erfolgen inzwischen über mobile Endgeräte. Mittlerweile werden auch rund 30 Prozent des Umsatzes über Smartphones oder Tablets getätigt. 

Im laufenden Geschäftsjahr steigerte der Konzern seinen weltweiten E-Commerce-Umsatz  2016/17 (28.02.) auf knapp sieben Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von knapp zehn Prozent oder 615 Millionen Euro. Im deutschen Online-Geschäft setzte der Konzern knapp fünf Milliarden Euro um, ebenfalls eine Steigerung von fast zehn Prozent. Mit diesen Ergebnissen gehört die Otto-Group zu den Top-Playern des E-Commerce und dafür tun die Hamburger einiges. Sie investieren beispielweise in ein Mobile Lab oder setzen konsequent Pilotprojekte mit neuen Technologie-Trends um wie Personalisierung.

Relevanz erkannt, Konsequenz vertagt

Auch anderen Unternehmern ist die Bedeutung des Mobile Commerce bewusst. 48,2 Prozent sind überzeugt, dass dieser Trend im Online-Handel in den nächsten drei Jahren zunehmen wird. Weitere 39,8 Prozent stimmen dieser Aussage „eher zu“ – in der Summe rund 88 Prozent. Auch sind 35 Prozent überzeugt, dass Mobile Commerce für ihr eigenes Unternehmen in den nächsten drei Jahren an Relevanz gewinnen wird, oder „eher“ gewinnen wird (40,4 Prozent), doch nur 25,8 Prozent planen in den nächsten drei Jahren mehr in diesen Bereich zu investieren.
Unstrittig ist die Einschätzung, dass Mobile Commerce immer wichtiger wird. Doch nur ein Viertel der Befragten ist entschlossen, in den nächsten drei Jahren hier vermehrt zu investieren.
© Statista 2017
Unstrittig ist die Einschätzung, dass Mobile Commerce immer wichtiger wird. Doch nur ein Viertel der Befragten ist entschlossen, in den nächsten drei Jahren hier vermehrt zu investieren.


Worauf warten sie? Die Zahlen zeigen in Deutschland schon jetzt die deutliche Veränderung der Gewohnheiten hin zum Mobileshopping. Klar, je nach Sortiment gibt es Unterschiede. Spitzenreiter sind Mode- und Luxusgüter. Satte 42 Prozent des online getätigten Umsatzes werden mittlerweile mobil getätigt. Im zweiten Quartal 2016 wuchs dieser Anteil um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie die Studie "State of Mobile Commerce" aufzeigt.
Die größte Dynamik zeigen im selben Zeitraum mit 35 Prozent die Sportartikel-Händler auf, gefolgt von Warenhäusern (+29 Prozent) und Anbieter von Kosmetik- und Gesundheitsprodukten (+21 Prozent).

Desktop legt vor, Smartphone startet durch

Aber was ist mit dem Shoppingerlebnis auf einem Smartphone? Das kleine Display schien lange Zeit ein Hemmnis zu sein, ein Tablet die Lösung für den komfortablen, mobilen Einkauf. Fakt ist, erstmals überflügeln die Umsätze via Smartphone die Einkäufe via Tablet. 54 Prozent der mobilen Online-Umsätze in Deutschland (1. Halbjahr 2016) werden mittlerweile über die als Telefon getarnten Minicomputer getätigt, eine Zunahme von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Basis dafür ist eine mobil optimierte Webseite, doch zunehmend favorisieren die Käufer den Einkaufsweg über eine App, aktuell der effizienteste Kanal für Händler: App-Nutzer schauen sich mehr Artikel an und finden dreimal häufiger den Weg zur Kasse als übers mobile Web.

Laut aktuellen Untersuchungen von Bitkom, verwenden heute schon knapp sieben von zehn Mobile-Shoppenden (68 Prozent) Apps zum Einkauf auf ihrem Smartphone, bei den Tablets ist es gut die Hälfte (51 Prozent). „Das Smartphone ist zum Alltagsbegleiter geworden, dadurch ist Einkaufen nicht nur jederzeit, sondern nun auch an beinahe jedem Ort der Welt möglich“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. "In den kommenden Jahren werden die Zugangsschwellen etwa durch ausgefeiltere Apps oder noch einfacheres Bezahlen weiter sinken, wodurch die Umsätze im E-Commerce weiter steigen werden", so seine Prognose.

Je kleiner der Bildschirm, umso kleiner der Umsatz

Adobe Analytics hat errechnet, dass der Internetumsatz innerhalb eines Jahres (2. Quartal 2015/2. Quartal 2016) in Europa insgesamt um 13 Prozent angewachsen ist. Während Desktop und Tablet um 8 beziehungsweise 10 Prozent zulegen konnten, explodierte der Umsatz über Smartphones um 89 Prozent.

Mit diesen Zahlen wird klar: An Mobile Commerce führt kein Weg vorbei, doch das Umsatzergebnis über Smartphones könnte noch besser sein. Denn so bringt es Adobe Analytics auf den Punkt: Je kleiner der Bildschirm, um so kleiner der Umsatz. Im Verhältnis zu Desktopumsätzen, werden über Smartphones 23 Prozent pro Besuch und über Tablets 59 Prozent erzielt. Die Konversionsrate des Desktop liegt europaweit 2,6 Mal höher als beim Smartphone.

Da gibt es noch einiges zu tun. Wer beispielsweise auf dem Smartphone lediglich eine Desktopoptimierte Homepage vorfindet, bei dem stellt sich nicht das rechte Shoppingerlebnis ein, er geht unterwegs verloren. Es ist zwar keine Neuigkeit, dass das Angebot für die jeweiligen Endgeräte angepasst werden muss, doch allein es mangelt an der Umsetzung.

Smartphone-Shopping mit handwerklichen Mängeln


Bei Nutzern nachgefragt, was beim Einkauf über das Smartphone stört, stellt sich heraus: Display-Werbung wie Popup-Fenster sind entsprechend Daten von Statista mit Abstand Ärgernis Nummer eins: (67,4 Prozent).  An der Handhabung monieren erstaunlich hohe 43,6 Prozent schlecht klickbare Buttons und 43,5 Prozent die unübersichtliche bis chaotische Navigation. Jeweils rund ein Drittel stören fehlendes responsive Design, Bilder die sich nicht vergrößern lassen, weniger Infos als im Desktop-Shop und lange Ladezeiten.

Alles Punkte, die die Geduld der potenziellen Kunden auf die Probe stellen und ganz direkt eine Einkaufsentscheidung beeinflussen. Dass Produkte nicht über Social Media Kanäle teilbar sind, stört dagegen nur wenige (2,5 Prozent).


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