Die Online City Wuppertal, Vorzeigeprojekte des Plattform-Anbieters Atalanda, will in Kürze ein "Retail Lab" in der Wuppertaler Rathaus Galerie eröffnen. Ist das die Rettung für komatöse Innenstädte und 1b-Lagen? Ist das Modell der kommende Knotenpunkt für die Multichannel-Geschäfte in der City?

Konzept des Retail Lab (Grafik: Online City Wuppertal)
Konzept des Retail Lab (Grafik: Online City Wuppertal)

Die Online City Wuppertal kennt man vor allem als lokalen Marktplatz,  auf dem sich stationäre Einzelhändler aus der Region präsentieren und ihr Sortiment auch online verkaufen. Taggleiche Lieferung inklusive. Das „Retail-Lab“als Verkaufslabor – am Kunden mit talKONTOR kommuniziert  – soll nun in der Citylage leerstehende Flächen auf derzeit 200 Quadratmetern inkl. Lager nutzen und dort Onlinewelt und Kohlenstoffwelt verbinden. Start soll Anfang August sein. Bestehende Händler in der Rathaus-Galerie können sich ohnehin bereits am Gesamtprojekt beteiligen – etwa über den lokalen Online-Marktplatz. Das talKONTOR bietet nun zusätzlich die Nutzung eines Drive-in-Schalters an.



Versuchslabor für Multichannel-Konzepte

In dem Versuchslabor im Shoppingcenter Rathaus-Galerie sollen verschiedene Multichannel-Konzepte durchprobiert werden und (auch dem Handel) zeigen, dass Verkauf mehr ist als Regale auffüllen.  Was man eben so an Trendthemen so kennt: Pop-up-Shop, Shop-in Shop, Guide Shop, Service Point, QR-Shop, Showroom – übrigens auch gerade für Pure Player bzw. lokale Online-Händler, die hier die Möglichkeit bekommen, in die Fläche zu gehen. „Rendezvous Retail“ nennt Andreas Haderlein, Berater, Impulsgeber und Projektpartner der Online-City das Zwischennutzungskonzept. “Multichannel galore” könnte man auch sagen.

Click & Collect mit Drive-in

In der Rathaus Galerie sollen die beteiligten Unternehmen vor allem aber ihre Waren ausstellen und verkaufen können, Kunden können sie dort ausprobieren, aber auch abholen - nach ihrer Online-Bestellung  oder auch am Ende ihres Shopping-Bummels durch die Stadt. Click & Collect gibt’s dann in der Stadt auch ganz zentral. Der Abhol-Schalter (Drive-in) als integraler Bestandteil der Fläche wurde bereits genehmigt. Click & Collect-Kunden, aber auch dem lokalen Kurierpartner DHL stehen an der Außenseite der Fläche eine Haltebucht zur Verfügung. 

Natürlich aber ist solch ein Knotenpunkt mehr als nur ein Experiment. „Wir wollen den Local Commerce als Blaupause etablieren und dazu zählt auch eine logistische Lösung für diesen neuartigen lokalen Versandhandel. Bislang hat sich noch keine Stadt über die grundlegenden logistischen Bedingungen von innerstädtischen Lieferkonzepten des lokalen Handels Gedanken gemacht. Die Wuppertaler Erkenntnisse werden entscheidend dazu beitragen, die Wirtschaftlichkeit eines lokalen Marktplatzes mit taggleicher Lieferung zu beurteilen.“, sagt Marktplatz-Berater Andreas Haderlein.

Storeprofil vom Naschkatzenparadies
Storeprofil vom Naschkatzenparadies

Flirt mit Kaufhof

Inzwischen flirtet die Online City Wuppertal auch mit namhaften Playern. Mit der Thalia Buchhandlung  in den City Arkaden ist nun auch der erste überregional vertretene Händler auf dem lokalen Onlinemarktplatz.  Der Kaufhof als lokal extrem gut verankerte und engagierte Händlermarke vor Ort könnte, so zumindest die Hoffnung des Projektmanagements, folgen.  Benötigt werden sie aber als Frequenzbringer und um das Sortiment auszudehnen.  Gefragt ist dabei auch ein Stück weit Sensibilität gegenüber den lokalen Händlern.  So könnte Kaufhof nur jene Produkte anbieten, die kleinere Händler nicht offerieren.  

Andreas Haderlein: „Kaufhof könnte ein Vakuum füllen"
Andreas Haderlein: „Kaufhof könnte ein Vakuum füllen"
Haderlein: „Kaufhof könnte ein Vakuum füllen, denn es ist natürlich irrealistisch und unternehmensstrategisch nicht unbedingt sinnvoll, dass Galeria Kaufhof ausgerechnet atalanda alle Produktdaten zur Verfügung stellt.“ Die Online-City Wuppertal mit Atalanda als Plattformbetreiber unterscheidet sich damit deutlich von Anbietern wie Simply Local und Locafox. Simply Local, mit Metro-Beteiligung, und Locafox, mit einigen Verlagspartnern wie Holtzbrinck, bieten vor allem große filialisierte Händler auf. Inhabergeführte Geschäfte haben Seltenheitswert.    

Auf Tempo der Händler ausgerichtet

65 Händler sind inzwischen auf der Plattform. Die Neuzugänge haben den Ausstieg einiger weniger vergessen gemacht, die die monatlich 20 Euro Werbekosten nicht mittragen wollten. Immerhin:  die Zahl der teilnehmenden Händler hat sich seit dem Start (25 Händler) mehr als verdoppelt.Wer auf die Plattform schaut, wird vielleicht ein wenig enttäuscht feststellen, dass Online-Einkauf eher noch eine Nebenrolle spielt. Die Mehrheit begnügt sich mit einem Profil, Infos zum Laden und maximal 100 Produkten.
Ohnehin gehe es, so Haderlein, nicht darum, „Händler auf Biegen und Brechen ins Web zu bringen“, sondern vor allem darum, digitales Dachmarken-Marketing für den lokalen Einzelhandel zu betreiben.  Das hat natürlich auch damit zu tun, dass es eben lange dauert, bis ein Einzelhändler digitale Arbeitsabläufe ins Tagesgeschäft integriert hat. Von Schulungen ist deshalb viel die Rede.

Offline-Hinweise auf den Marktplatz im Schaufenster (Foto: Online City Wuppertal)
Offline-Hinweise auf den Marktplatz im Schaufenster (Foto: Online City Wuppertal)

Dort werden dann die Händler erst einmal für den digitalen Wandel und nötige Investitionen sensibilisiert, wird beispielsweise den Händlern erklärt, wie nützlich ein Warenwirtschaftssystem sein kann. Gerade auch im Zusammenspiel mit der Plattform. Aber die niederschwelligen Teilnahmeoptionen machen die Online City Wuppertal ja auch so sympathisch und in Teilen verlockend. Jeder kann dort nach seiner Geschwindigkeit mitmachen. Auch wenn die Inventur in einer Kladde stattfindet.

Weniger wird von Werbung geredet. Schon gar nicht von Gießkannenwerbung. Instore-Marketing Flyer im Laden, Promo-Einkaufstaschen, kleinere Werbeaktionen sollen die Plattform langsam bekannt machen.  Organisches Wachstum lautet  das Stichwort. Nur keine Erwartungen wecken, die sich dann nicht erfüllen, bloß keinen Ansturm erzeugen, dem die Händler dann nicht Herr werden. Den gibt es denn auch noch nicht. Die Online-Bestellungen liegen für den gesamten Online-Marktplatz noch im zweistelligen Bereich.

Umgekehrt aber berichten einige teilnehmende Händler auch von deutlichen Frequenzsteigerungen und Umsatzzuwächsen im Laden. Haderlein: „Die selbstgesteckten Ziele des Projektmanagements, unsere KPIs, haben wir bisher alle erreicht, ja sogar übertroffen.“ Die rein onlineseitig erzielte Conversion Rate lag in der relevanten Zielgruppe, das heißt bei Wuppertaler Marktplatzbesuchern, im Dezember bei etwas über 1 Prozent, im Mai 2015 bei 1,2 Prozent, Ende des Jahres will man 3 Prozent erreichen – ohne einen Cent für SEM, das ist Aufgabe von atalanda, oder Above-the-Line-Werbung wie Printanzeigen auszugeben. Noch im Sommer wird ein Abverkaufsinstrumentarium technisch und konzeptionell in der Plattform integriert. Hier orientiert man sich am Deal-of-the-Day-Prinzip.

Über die Zukunft des Local Commerce werden wir mit Pionieren wie Roman Heimbold , Gründer und Geschäftsführer von Atalanda (Online City Wuppertal), beim Branchenkongress etailment 2.105 am 11. und 12. November 2015 in Frankfurt diskutieren. Für Frühbucher, Startups und Händler gibt es besondere Konditionen.