Rausschmiss, oder gar Abschuss von PayPal? Ebay sorgte jüngst mit einer eigentlich nüchternen Pressemitteilung für Aufsehen. Wirtschafts- und Fachmedien konstruierten daraus einen „Rausschmiss von PayPal“. Wir ordnen und beantworten die wichtigsten Fragestellungen und wagen einen Ausblick.

Was hat Ebay genau angekündigt?

Zusammen mit dem niederländischen Payment-Dienstleister Adyen (der unter anderem die Transaktionen für Spotify abwickelt) will Ebay schrittweise die Zahlungsabwicklung als Intermediär auf seinem Marktplatz selbst übernehmen. Der bisherige Partner PayPal, bisher fest als Zahlungsvermittler im Checkout-Prozess verankert, soll dort auch noch bis zum Jahr 2023 für Marktplatzkunden verfügbar sein.

Ergo: Es gibt keinen „kalten“ Rauswurf. Entsprechende Schlagzeilen in der Presse sind irreführend. PayPal wird auch in der Zukunft eine Zahlungsmethode auf Ebay bleiben. Nur keine favorisierte und entsprechend gut platzierte mehr, beziehungsweise keine fest im System verankerte. Diesen Part will Ebay schrittweise mit dem technischen Partner Adyen selbst übernehmen.  

Was bedeutet das für Händler?

In einer Rundmail an die Händler informierte der Marktplatz die Händler. Für diese besteht aktuell kein Handlungsbedarf und über etwaigen Anpassungsbedarf in der Zukunft sollen gesonderte Informationen folgen.

Warum handelt Ebay erst jetzt und nicht schon 2015?

Zur Erinnerung: Die Abspaltung von PayPal als eigenständiges Unternehmen erfolgte damals seitens Ebay nicht freiwillig, sondern auf Druck eines Großinvestors.

Man wollte damals einen Übergang schaffen. In 2015 wurde für eine Übergangszeit von fünf Jahren zwischen beiden Unternehmen ein Operating Agreement geschlossen. Der Kern: PayPal darf in dieser Zeit keinen eigenen Marktplatz gründen und Ebay in diesem Zeitraum keinen eigenen Zahlungsdienstleister. Diese Vereinbarung läuft im Sommer 2020 aus. Offensichtlich gibt es im Rahmen dieses Zeitfensters einen zusätzlichen Freiraum für die Implementierung eines eigenen Dienstes, denn der Start des neuen Ebay-Zahlungssystems soll bereits ab 2018 schrittweise vom Heimatmarkt aus erfolgen.

Der Marktplatzbetreiber bereitet sich also auf die Zukunft nach 2020 vor.

Welche Rolle spielt Adyen konkret?

Dienstleister im Hintergrund. Ein rein technisch orientierter Zahlungsabwickler, der bereits über eine Zusammenarbeit mit dem Alibaba-Marktplatz AliExpress über Marktplatzerfahrung verfügt. Ein Modell mit einer Consumer-Marke „Adyen, vergleichbar PayPal, ist nicht geplant. Ebay stellt klar heraus, dass es unter der eigenen Marke als Intermediär zwischen Handel und Kunde auftreten wird. 

Wie steht PayPal jetzt da?

Eigentlich genauso wie vor der Meldung. Jegliche „Rausschmiss“-Panik ist unbegründet, denn man wird schließlich die eigene Vereinbarung mit Ebay und deren Konsequenzen kennen und sich hoffentlich in den letzten Jahren strategisch entsprechend aufgestellt haben, um diesen Verlust in der Zukunft kompensieren zu können.

Was bedeutet die Trennung für Ebay?

Schlussendlich bleibt die wichtigste Frage: Was will Ebay eigentlich mit diesem Schritt erreichen? Warum ein eingespieltes und über Jahre optimiertes System aufgeben? Das ist schließlich kein triviales Unterfangen, das man mal nebenher projektiert, irgendwann einfach den Schalter umlegt und dann läuft alles.

Die strategische Implikation hinter dieser Ankündigung kann deshalb nur sein: Ebay will nochmal ganz groß mit einem eigenen Dienst angreifen.

Um nach Billpoint und PayPal doch nochmal, ein drittes Mal, ein eigenes Payment-System etablieren und langfristig auch außerhalb der eigenen Plattform in den Markt bringen.

Der entscheidende Unterschied zu damals: Statt mit der Bequemlichkeit eines Payment-Anbieters das Marktplatzgeschäft zu hebeln, soll es dieses Mal umgekehrt laufen. Die Reichweite und das Kundenvertrauen des Marktplatzes sollen die Basis für einen Payment-Service in der Zukunft sein.

Was auf den ersten Blick vielleicht zu groß gedacht erscheint, und, aus einem oberflächlichen Blickwinkel auf den Markt, verwegen, das könnte langfristig aufgehen. Der Markt ist noch längst nicht verteilt und einige vermeintliche Schwergewichte profitieren in der Öffentlichkeit von einer positiven Reputationszuweisung, die nicht immer angemessen ist.

Google? Hat seinen Payment-Dienst mittlerweile zum zweiten Mal umbenannt, leidet aber unter der chronischen Unfähigkeit, Dinge abseits vom Kerngeschäft „Werbung“ zielgerichtet und konsequent zu vermarkten. Amazon? Hat seinen Dienst auch jüngst umbenannt und ebenfalls noch nie aktiv vermarktet. Da herrscht seit Jahren Unlust, sich um Payment zu kümmern. Ebay hingegen hat alles, was es braucht: Reichweite, Kundenbasis, Händler, Markenvertrauen.

Und vor allem: 20 Jahre Erfahrung in einem Geschäft, das andere nur vor sich herschieben.

Ebay trennt sich also von PayPal, um mittelfristig auf dem Marktplatz dessen Platz einzunehmen und langfristig ein Wettbewerber des ehemaligen Partners zu werden. Ebay Payment 2025?

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