Nach einer geradezu euphorischen Berichterstattung wurde es um Beacons stiller. Das dürfte aber mehr daran gelegen haben, dass die Erwartungen, die Hersteller und Handel an die kleinen Bausteine hatten, viel zu hoch waren. In den vergangenen Monaten kommt jedenfalls wieder Bewegung in das Thema. Mit einigen durchaus bemerkenswerten Erfolgen.

Ein aktueller Report des Marktforschungsunternehmens Researchmoz geht von einer jährlichen Wachstumsrate beim Einsatz von Beacons im Handel von 17 Prozent aus. Global gesehen werden derzeit 84 Prozent alle produzierten Beacons in den USA eingesetzt, aber Europa liegt stark im Kommen. Als Treiber des Wachstums sehen die Analysten einen gewachsenen Bedarf im Handel, da Beacons eine wichtige Rolle in einer Omnichannel-Strategie übernehmen können. So hegen nur 23 Prozent aller amerikanischen Händler keinerlei Pläne, Beacons einzusetzen.

Technische Standards

Was das Thema nicht nur für den Handel etwas unübersichtlich macht, sind die verschiedenen Beacon-Standards. In den USA basieren 77 Prozent der kleinen Bauteile auf dem von Apple entwickelten iBeacon-System, das bereits 2013 vorgestellt wurde. Und wo Apple aktiv ist, kann Google mit seinem Android nicht weit sein. Und tatsächlich holt Googles Eddystone-Standard in den Statistiken deutlich auf, was eben auch daran liegt, dass diese Beacons nicht nur unter iOS funktionieren, sondern auf jedem Gerät, dass Bluetooth-LE-Beacons unterstützt. Der bereits erwähnte Report geht bei Eddystone von überdurchschnittlichen Wachstumsraten aus, so dass am Ende beide Standards etwa einen gleichen Marktanteil besitzen werden.



Rein technisch betrachtet ist der Einsatz von Beacons auf der Seite des Kunden an einige Voraussetzungen geknüpft. Denn das Smartphone muss einen der genannten Standards unterstützen und der Empfang von Bluetooth aktiviert sein. Dieses Manko versuchen einige Hersteller dadurch auszugleichen, dass alternativ auch Töne versendet werden, die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind, aber dennoch das Smartphone erreichen.
Die kleinen unscheinbaren Sender können viel bewirken und wichtige Daten liefern
© Foto: Shopkick
Die kleinen unscheinbaren Sender können viel bewirken und wichtige Daten liefern

Da Beacons nichts anderes als kleine Sender sind, braucht es neben dem Smartphone als Empfänger auch noch eine Software, das auf die ausgestrahlten Signale reagiert. Und das ist in aller Regel die App des Händlers. Sie dient dann zur Darstellung der per Beacon aktivierten Nachrichten und Botschaften.

Doppelt nützlich

Beacons können aus Sicht des Händlers gleich einen doppelten Nutzen bringen. Zum einen sind sie ein Instrument zur Kommunikation mit dem Kunden. Befindet er sich in der Nähe eines Beacons, kann die Händler-App Coupons anzeigen, Informationen zu einem Produkt oder andere mit dem POS im Zusammenhang stehende Botschaften. Und gerade an dieser Stelle sind in der Vergangenheit auch viele Fehler gemacht worden, weil die Kundschaft beim Betreten des Ladens regelrecht mit Angeboten bombardiert wurde.

Zum anderen liefern Beacons aber auch Informationen zurück (was die zentrale Steuerung auswertet). Analysen können zeigen, wie die Kunden sich durch einen Laden bewegen, wo sie länger Zeit verweilen. Das erlaubt Rückschlüsse darüber, was als interessant angesehen wird, oder besser wieder verworfen wird.

Aktuelle Beispiele für den Beacon-Einsatz

Die österreichische Kette Merkur hat vor wenigen Tagen den, nach eigenen Angaben, größten Launch von Beacons im europäischen Einzelhandel gestartet. Nach einem Testlauf werden jetzt 42 Standorte des Unternehmens in Wien und Niederösterreich mit mehr als 1.300 Beacons ausgerüstet. Neben den obligatorischen Coupons beim Betreten des Ladens oder in der Nähe von Produkten werden die Beacons an der Kasse auch automatisch die Kundenkarte in der Merkur-App öffnen und auch zur Teilnahme an Umfragen animieren.

Bis Ende November sollen die Filialen von Thalia bundesweit mit Beacons ausgerüstet werden. Der Buchhändler kooperiert bei dieser Aktion mit Shopkick, um dessen 2,3 Millionen Kunden das Sammeln von Bonuspunkte bei Thalia zu ermöglichen. Kicks erhalten die Kunden etwa beim Betreten des Geschäfts oder auch durch den Besuch von bestimmten Punkten innerhalb des Ladens.

Die Mieter des polnischen Einkaufszentrums Port Łódź müssen nicht einmal in eigene Beacon-Technologie investieren. Diese wird vom Betreiber des Zentrums zur Verfügung gestellt.

Macy's arbeitet in den USA ebenfalls mit Shopkick zusammen und hat in seinen Häusern  einige Tausend Beacons installiert. Und Coca-Cola wies jüngst zu Halloween in 13.000 Filialen der Kette Dollar General mit Beacons auf eine Sonderedition von Fanta-Dosen hin. Die Kunden wurden dabei animiert, eigene Inhalte rund um das Produkt zu produzieren, um diese dann in sozialen Netzwerken zu verteilen.

Richtig bodenständig zeigt man sich dagegen in Hamburg. Besucher des Wahrzeichens "Michel", also der Kirche St. Michaelis, erhalten bei ihrem Besuch mittels Beacons und der Michel-App Hinweise während ihres Rundgangs.

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So verstehen Beacons und Co den Kunden am Point of Sale

Mit dem Feldversuch „Digitales Durlach“ in Karlsruhe hatte Gelbe Seiten den Händlern und Kunden vorgemacht, dass Location based Services wie Beacons und Geolocations auch in einem Stadtteil Kunden in die Läden locken können. In Köln läuft derzeit ein weiterer Großversuch.  Bis zum 5. November erhalten die Nutzer der Gelbe-Seiten-App Push-Benachrichtigungen mit Sonderangeboten von Läden aus den Kölner Vierteln Sülz und Klettenberg. Das derlei Aktionen aber nicht mit der Schotflinte funktionieren, sondern Nutzungsszenarieren und Kundentypen berücksichtigen müssen, zeigt nun der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) im Leitfaden „Proximity Solutions – Smarte Technologien für digitale Touchpoints“ auf. Der Report sagt auch, welche Kunden man wie per Beacon ansprechen sollte. Mehr lesen


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Wie Beacons mehr Leuchtkraft bekommen

Vor gut zwei Jahren rissen Meldungen zu geplanten Einsätzen von Beacons nicht ab. Das Marketing zeigte sich euphorisch über die Möglichkeit, Kunden am POS mit Nachrichten und Angeboten direkt auf dem Smartphone erreichen zu können. Und dabei auch ganz nebenbei Daten über deren Verhalten zu sammeln. Aber wie ist jetzt der Stand der Dinge? Mehr lesen