Mit der Personalisierung von Shop- und Webseiten beschäftigen sich Marketingverantwortliche seit einiger Zeit intensiv. Eine aus Kundensicht vielleicht nervige Maßnahme, der Kundenstopper, hat dabei das womöglich größte Potenzial.

Personalisierung - ist wichtig, aber mit viel Luft nach oben

75 Prozent der befragten Marketing-Entscheider sind laut einer Studie von etracker der Meinung, dass in zehn Jahren Websites so personalisiert sein werden, dass jeder Nutzer eine auf ihn abgestimmte Variante der Site sehen wird. Und annähernd genauso groß ist der Anteil derjenigen, die in der Personalisierung die Zukunft sehen.

Personalisierung wird von Entscheidern als wichtiges Thema gesehen.
Personalisierung wird von Entscheidern als wichtiges Thema gesehen.
Ganz offensichtlich ein wichtiges Thema. Umso interessanter, dass erst 25 Prozent aller Befragten Personalisierung überhaupt einsetzen. Hier gibt es also noch deutliches Potential nach oben.

Das liegt im Wesentlichen an zwei Faktoren: Zum einen mangelt es in den Abteilungen an ausreichendem Know-how. Andererseits wird auch einfach der Aufwand für die Umsetzung einer Personalisierungsstrategie gescheut.

Aber nur 25% aller Befragten setzen bereits Personalisierung ein
Aber nur 25% aller Befragten setzen bereits Personalisierung ein
Eine der Maßnahmen, die bisher am wenigstens eingesetzt werden, aber von den meisten Befragten als interessant eingestuft wurde, ist ein digitaler Kundenstopper, der den Besucher dann Informationen einblendet, wenn dieser die Website verlassen will. In der Sprache der Technik heißen diese Kundenstopper “Exit Intent Layer”.
Exit-Intent-Layer haben nach der Umfrage das größte Potential
Exit-Intent-Layer haben nach der Umfrage das größte Potential

Kunden wirkungsvoll aufhalten!

Es ist mehr als ärgerlich, wenn ein potentieller Kunde erfolgreich in den Shop oder auf die Site gelotst wurde, aber bereits nach wenigen Augenblicken eine andere Adresse besuchen will. In der Fußgängerzone kann der Ladeninhaber mit einem wirkungsvoll platzierten Kundenstopper den Weg vorbei an seinem Geschäft etwas beschwerlicher machen.
Im Web übernimmt ein Fenster, das sich deutlich sichtbar vor den Shop legt, diese Aufgabe.

Die “Exit-Intent-Layer” begegnen den Surfern inzwischen immer häufiger. Technisch basieren sie üblicherweise auf Javascript und werten die Mausbewegungen des Nutzers aus. Wird der Zeiger plötzlich beschleunigt und in die Nähe der Adressleiste des Browsers bewegt, deutet dies darauf hin, dass der Wechsel der Adresse bevorsteht. In diesem Moment legt sich dann eine kleine Seite vor den Shop. Mögliche Inhalte, die den Kunden dann doch zum Bleiben animieren könnten, sind:

  • Gutscheine oder Rabatte
  • Newsletter-Anmeldung, etwa im Tausch gegen einen Rabatt-Code für den Shop
  • Abruf von zusätzlichen Informationen, etwa einem Ratgeber oder einem E-Book

Service-Anbieter für Exit-Intent-Layer

Um dem Händler technischen Aufwand zu ersparen, bietet eine ganze Reihe von Unternehmen die Layer als Dienst an. Es genügt, dort ein Konto zu eröffnen, aus den Vorlagen zu wählen bzw. eine eigene Vorlage anzulegen und ein Stück HTML-Code in den Shop zu integrieren. Alternativ werden auch Plug-ins für bekannte Shop- und Content-Management-Systeme angeboten.

Rooster

Rooster gehört zu den bekannteren Anbietern in diesem Segment. Der HTML-Code muss manuell in die eigene Site eingebunden werden. Es wird eine kostenlose Testperiode von 30 Tagen angeboten. Danach stehen verschiedene Tarife zur Auswahl. 5.000 Seitenaufrufe im Monat mit einem Overlay kosten 49 Dollar. 139 Dollar sind dagegen bereits für 20.000 Aufrufe zu bezahlen.

Rooster ist einer der Anbieter, die Exit-Intent-Layer als Service anbieten
Rooster ist einer der Anbieter, die Exit-Intent-Layer als Service anbieten

trbo

Bei Trbo legen Sie nicht nur Exit-Intent-Layer an. Mit einem A/B-Test können verschiedene Fenster auch gegeneinander getestet werden, um den höchsten Nutzen zu erreichen. Die Einbindung erfolgt mittels Code-Block und ist damit auch für technische Laien in allen aktuellen Systemen möglich. Schwerpunkt liegt in der Bereitstellung von Coupon-Codes. Der Preis richtet sich nach der Zahl der Besucher pro Monat. Für unter 10.000 Besucher geht es ab 79 Euro los.

Optin Monster

Der Name legt es nahe. Der ursprüngliche Ansatz dieses Dienstes besteht darin, die Besucher aus dem Popup zu einer Anmeldung für einen Newsletter zu bewegen. Entsprechend gut dokumentiert ist die Integration mit (amerikanischen) Diensten wie Mailchimp. Die Layer transportieren natürlich auf Wunsch auch einfache Botschaften. Integriert wird der Code entweder direkt oder zum Beispiel per Widget in Wordpress. Für Exit-Intent wird allerdings ein Pro-Account benötigt, der 29 Dollar im Monat kostet.

Getsite Control

Gratis können die Popups dieses Anbieters eingesetzt werden. Dann muss der Händler aber auch damit leben, dass die Optik nicht weiter angepasst werden kann. 19 Dollar pro Monat kostet die Option, nicht nur den Layer vollständig an die gewünschte Optik anpassen zu können. Damit wird auch der Hinweis auf den Anbieter selbst entfernt. Die Integration des Quellcodes ist sehr vorbildlich und verständlich gelöst.

Plug-ins für Magento und Wordpress

Wer nicht gern auf externe Services zugreift, sondern stattdessen vorzieht, alles selbst in der Hand zu behalten, wird nach etwas Recherche auch passende Plug-ins für sein System finden.

  • Exit Intent Overlay: Schlägt immerhin mit stolzen 49 Dollar zu Buche. Es kann aber auch stärker individualisiert werden.
  • Popupally: Gibt es als Gratisversion. Einfachste Installation als Plug-in für Wordpress. Empfehlenswert ist allerdings der Einsatz der Pro-Version, da dann auch mehr Optionen angeboten werden, um den Start des Layers zu optimieren.
  • Ninja Popups: Gut dokumentiert, viele Möglichkeiten, aber keine Gratisversion - das ist Ninja Popups. Die Lizenz für das Wordpress-Plug-in kostet 20 Dollar
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