Mona Ricken: Auf der Spur der Preisschwankungen
Mona Ricken: Auf der Spur der Preisschwankungen
Mal rauf, mal runter. Preise in Onlinehandel bewegen sich zuweilen wie Aktienkurse. Gelegentlich wechseln die Preise im Webshop sogar binnen 24 Stunden. "Sie ändern sich so häufig, dass einem beim Zusehen glatt schwindlig werden kann", meint Mona Ricken, Marketing- und Communications Managerin bei spottster, in einem Gastbeitrag für etailment. "Transparente Preise gibt es im Internet eigentlich gar nicht", sagt sie und hat für etailment die Preisschwankungen im Web untersucht.

Die Online-Preissetzung ist für den Kunden meist ein unsichtbarer Prozess und weitaus komplexer als man denkt. Transparente Preise gibt es im Internet eigentlich gar nicht. Stattdessen ändern sie sich so häufig, dass einem beim Zusehen glatt schwindlig werden kann. “Web stress“ nennen Wissenschaftler dieses Phänomen, das Verbraucher oft ganz fertig macht. Die Prozesse hinter Online-Angeboten zu durchschauen ist zwar nicht leicht, aber die Mühe lohnt sich - denn wer die Geheimnisse des Online Shoppings lüftet, kann beim Einkaufen ordentlich sparen.

Preise sind nicht produktgebunden, sondern stark vom Wettbewerb abhängig

Viel stärker als beim „Offline Shopping“ wird im Internet der Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern deutlich. Die Preise sind kaum produktgebunden, sondern hängen primär vom Vergleich mit der Konkurrenz ab. Senkt ein großer Anbieter den Preis für ein Produkt, so bleibt kleineren Shops oft nichts anderes übrig, als nachzuziehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die daraus resultierenden häufigen und scheinbar willkürlichen Preisschwankungen wären im normalen Geschäft kaum möglich. Abgesehen vom Arbeitsaufwand der Mitarbeiter, die jeden Tag manuell die Preisschilder ändern müssten, merkt sich der Kunde außerhalb der Onlinewelt viel eher den Preis eines Produktes, das er im Geschäft sieht. Jeder Shop, der täglich die Preise ändert, würde dementsprechend schlichtweg an Glaubwürdigkeit verlieren. Nicht so im Internet: hier hilft die riesige Masse an Angeboten und der ständige Wechsel zwischen verschiedenen Anbietern, die vielen Preisänderungen zu kaschieren.

Nicht einmal Standard- oder Markenprodukte sind im Internet preisstabil. Ein Beispiel dafür ist das iPad Air: Während der Durchschnittspreis hierfür 2014 bei 454,86 Euro lag, schwankte der Preis im selben Jahr je nach Anbieter zwischen 389 und 497,29 Euro. Das bedeutet, dass man, je nachdem in welchem Shop man kaufte, entweder knapp 66 Euro sparen, oder aber 43 Euro zu viel zahlen konnte – eine Differenz von happigen 109 Euro für das gleiche Produkt!

Die Weihnachtszeit: die Hochphase des Preiskarussells

Ein wichtiger Faktor, den es bei Preisfällen zu beachten gilt, ist die Saisonalität. Betrachtet man die Preise eines Produktes über das Jahr hinweg, so wird deutlich, dass diese zu bestimmten Zeiten im Jahr stärker schwanken als zu anderen. Nehmen wir als Beispiel den Preisverlauf der DeLonghi Nespresso Maschine über das Jahr 2014 hinweg:

Wie man sieht, ist der durchschnittliche Preis hier im März/April besonders hoch, im Juni/Juli sowie um Weihnachten und Neujahr herum hingegen am geringsten. Womit wir auch schon bei einem besonders anschaulichen Beispiel für Saisonalität wären: der Weihnachtszeit. Spätestens ab November werfen die Geschäfte mit Sales und Gutscheinen nur so um sich und man verliert als Kunde schnell den Überblick darüber, wo und wann man was kaufen sollte.

Während manche Produkte zu Beginn der Winterzeit günstiger sind, werden andere kurz vor Weihnachten plötzlich stark reduziert, und wieder andere sollte man am besten erst nach den Feiertagen kaufen. Der Preis für das Parfum Lancôme Trésor lag im letzten Jahr beispielsweise ab Oktober bis Weihnachten fast durchgehend deutlich über dem Durchschnittspreis. Nach Silvester fiel der Preis dann auf einen Schlag, was bedeutet, dass man den Kauf eines neuen Parfums gegen Ende des Jahres vermeiden und damit stattdessen bis zum neuen Jahr warten sollte. Die DVD The Great Gatsby hingegen lag ab Ende Oktober bis zum Jahresende durchgehend 6 - 12 Prozent unter dem Durchschnittspreis.

Abgesehen von saisonalen Preisunterschieden lässt sich aber auch über das Jahr hinweg ein interessanter Trend feststellen: Je nach Produktkategorie gibt es bestimmte Wochentage, an denen besonders viele Preise fallen. So sollte der Kunde Schuhe bevorzugt donnerstags kaufen, während Elektronikartikel mittwochs am häufigsten im Preis fallen. Am Wochenende, wenn man vermutlich am ehesten Zeit zum Shoppen hätte, werden Produkte jedoch am seltensten günstiger.

Unterschiedliche Produktkategorien – unterschiedliche Volatilitäten

Völlig unabhängig vom Zeitpunkt gibt es bezüglich der Volatilität im Online-Business aber natürlich auch generelle Unterschiede zwischen Produktkategorien – manche Arten von Produkten unterliegen also merklich häufiger Preisschwankungen als andere. Während Einrichtungspreise beispielsweise recht stabil sind, ändern sich die Preise für Bücher trotz Buchpreisbindung deutlich häufiger. Damit man als Käufer einen besseren Überblick darüber hat, bei welchen Produkten sich ein wenig Geduld beim Kauf am ehesten auszahlt, haben wir die Preisschwankungen innerhalb der wichtigsten Shopkategorien miteinander verglichen.

Es mag überraschend sein, dass der Online-Modesektor verhältnismäßig preisstabil scheint, wird man doch gefühlt täglich mit Fashion-Angeboten überschüttet. Man darf allerdings nicht vergessen, dass kaum eine Kategorie im E-Commerce so häufig vertreten ist wie Mode und die Zahl der angebotenen Produkte in diesem Bereich dementsprechend weit über der anderer Produktkategorien liegt.

Der harte Konkurrenzkampf auf dem Onlinemarkt

Die Tatsache, dass das Ausmaß des Online-Shoppings manchen Anbietern erst recht spät klar geworden ist, kann zu einem weiteren großen Vorteil des Online-Shoppers werden. Shops, die mit dem Einstieg ins Online-Business zu lange gewartet haben, haben jetzt große Mühe auf dem Onlinemarkt konkurrenzfähig zu werden. Um dieses Problem zu lösen, greifen sie immer häufiger auf eine simple Methode zurück, um Kunden anzulocken: Gutscheine. Solche, meist ausschließlich online einlösbaren Gutscheinen werden inzwischen zu Hauf angeboten.

36 Prozent unserer insgesamt über 2.200 Partnershops setzen mittlerweile Gutscheine ein, um Kunden anzulocken oder die Verkaufszahlen bestimmter Produkte zu erhöhen. Zu beachten ist dabei, dass in dieser Prozentzahl lediglich die Gutscheine inbegriffen sind, die sich direkt auf den Preis eines Produktes auswirken. Zusätzlich gibt es noch eine riesige Anzahl an Gutscheinen wie Gratisversand, Sammelrabatte (z.B. 2 für 1), Geschenkartikel, Neukundenrabatte, etc., wodurch die tatsächliche Gesamtzahl der Shops, die Gutscheine einsetzen – und somit auch das Online-Sparpotenzial - noch deutlich höher ausfällt.