Ein stürmischer, regnerischer und trister Wochenbeginn hier in Norddeutschland. Mein Wunsch nach etwas Unterhaltung führt mich zu YouTube. Und da zeigen die deutschen Onlinehändler ein Angebot wie das Wetter: Viel tristes Grau, aber dazwischen einige sonnige Kanäle. 


Meine kleine Auswahl orientiert sich an den auf Statista immer mal wieder veröffentlichten Rankings deutscher Onlineshops.

Das Ranking deutscher Onlineshops nach Statista
Das Ranking deutscher Onlineshops nach Statista

Amazon

Die deutsche Niederlassung des Primus hat eine überschaubare Zahl von Videos hochgeladen. Eine bunte Mischung aus Werbespots, Videos von Preisverleihungen und ein paar Erklärfilme. Etwa einmal im Monat wird ein neuer Film hochgeladen. Das gesamte Angebot macht nicht den Eindruck, als stünde YouTube an vorderer Stelle der Marketing-Agenda.

Otto

Das sieht bei Otto ganz anders aus. Über 200 Videos werden angeboten. Styling-Tipps, Trendsportarten oder Filme zum Upcycling. Darunter Clips mit überraschenden Schnitten und Themen, die offensichtlich den Nerv der Zielgruppe treffen. Diese Vielfalt belohnen auch die Nutzer. Knapp 10.000 Abonnenten hat der Kanal. Der derzeitige Hit ist ein kleiner Weihnachtsfilm, der bereits mehr als 600.000 Abrufe verzeichnen konnte. Dazu gab es bei uns auch einen eigenen Beitrag.

Zalando

ZalandoTV bietet seinen knapp 8.000 Abonnenten über 400 Videos. Darunter Imagekampagnen, Firmenvorstellung, Blicke hinter die Kulissen und natürlich auch Mode. Allerdings sind hier auch eine Menge Filme in anderen Sprachen vorhanden, was die Vielfalt des Angebots wieder einschränkt. Es mag an mir liegen, aber so recht will der Funke bei diesem Kanal nicht überspringen.

Notebooksbilliger

Über 700 Videos hat der Händler inzwischen auf der Plattform. Und damit etwas mehr als 5.000 Abonnenten gewonnen. Übersichtlich nach Kategorien werden Produkte vorgestellt, aber auch viele Tipps zum Umgang mit Technik und Produkten gegeben. Unterhaltsam sind die Produkttests direkt aus dem Leben. Verglichen mit frühen Produktionen hat die Qualität deutlich zugenommen. Und wenn Sie schon immer mal wissen wollten, wie man die verflixten Kabel von Kopfhörern richtig wickelt, sind Sie dort an der richtigen Stelle.

Cyberport

Auch bei Cyperport steht die Vorstellung von Produkten im Fokus. 12.000 Abonnenten haben die Wahl aus knapp 600 Videos. Die Clips sind gut produziert, erreichen aber teilweise nicht einmal 1.000 Abrufe. Da stellt sich die Frage, ob sich der Aufwand für das Unternehmen überhaupt lohnt.

Tchibo

Sehr brav und imagelastig geht es bei Tchibo zu. Unternehmensdarstellung, Zusammenstellung der aktuellen Werbespots und Berichte zur Nachhaltigkeit. Handwerklich alles gut gemacht. Aber die über 200 Videos haben auch nur gut 2.000 Abonnenten erreichen können. Mir fehlt da deutlich die Unterhaltung oder "Tchibo zum Anfassen".

Bonprix

Ein klarer Fokus ist auf der Seite von Bonprix nicht zu entdecken. Auch hier wird ein bunter Mix (knapp 100 Filme) aus Werbespots und kurzen Making-Ofs angeboten. Das wollen knapp 4.000 Nutzer regelmäßig sehen. Ich schalte dann mal um.

Conrad

Statistisch erscheint bei Conrad wöchentlich ein neuer Film. Über 300 Clips sind inzwischen zusammengekommen, aber auch hier fehlt ein klarer Fokus. Werbespots, die Inhalte zu Webinaren, aber auch viele Produktvorstellungen. Um die 4.500 Abonnenten spricht das regelmäßig an. Die Clips mit den höchsten Zugriffszahlen sind teilweise bereits 5 (!) Jahre alt.

Alternate

Nicht so viel los bei Alternate auf Youtube
Nicht so viel los bei Alternate auf Youtube
Recht schnell haben sich die Nutzer beim Angebot von Alternate durchgeklickt. Immerhin einer der Top-Ten-Shops in Deutschland. Wenig Inhalte, wenig Abonnenten und geringe Zugriffszahlen beschreiben die Youtube-Seite am besten. Fesselnd ist das nicht. Das zeigt sich auch an der Abonnentenzahl: Nicht einmal 500 Nutzer.

Edeka

Wenn jemand einen viralen Hit landet, wie Edeka gerade mit dem Weihnachtsclip #heimkommen, eine Art Antwort auf den Tränendrüsen-Clip des britischen Händlers John Lewis, dann darf er an dieser Stelle nicht fehlen, auch wenn Edeka nicht unter den ersten 10 Onlinehändlern auftaucht.



Über 4,5 Millionen Aufrufe kann der Weihnachtsclip von Edeka inzwischen verbuchen.

Und mit über 40.000 Beziehern des Kanals steht das Unternehmen auch so auf Youtube gut da. Die in erster Linie gesammelten Werbespots der jüngeren Vergangenheit sind durchaus unterhaltsam. Und ein neuer Kanal "Yumtamtam" widmet sich dem Thema Kochen. Eine Kochshow, an der auch junge Leute ihre Freude haben werden.

Tja, schade. Der Eindruck mag täuschen, aber die kurze Bestandsaufnahme erweckt in mir den Eindruck, als würde Youtube immer mehr zur anstrengenden Pflicht in der Kommunikation. Otto, Notebooksbilliger und Edeka sind (noch?) offensichtlich mit mehr Elan bei der Sache. Die anderen Kanäle werden, wenn sich nichts ändert, das Schicksal des linearen TV erleiden. Man schlummert beim Betrachten einfach ein.