4 Tage Warten sind für den von Amazon verwöhnten Kunden eine gefühlte Ewigkeit. Doch drunter geht es derzeit bei Rewe Online in einigen Landstrichen kaum.  Wurde Rewe ein Opfer des eigenen Erfolgs oder ist der Stau auf der letzten Meile eine Folge des Pakete-Kollaps in der Vorweihnachtszeit? In Frankfurt wird sich Rewe das nicht mehr lange erlauben können. Amazon steht in den Startlöchern.

Wer im Rhein Main-Gebiet heute vormittag seine Bestellung für Nudeln, Nutella und Zimtsterne aufgibt, der bekommt frühestens für Freitag einen Liefertermin. Stammkunden kennen das Problem seit Wochen. Wer seinen Wochenendeinkauf daher am Samstag, bundesweit einer der beliebtesten Lieferslots, vor der Haustür haben will, entscheidet daher mittlerweile besser schon am Dienstag, was in die braunen Packtüten soll.

Doch nicht nur im Rhein-Main-Gebiet und in Frankfurt, das die Ware aus dem Rewe-Servicezentrum im Langen Kornweg in Kelsterbach erhält, sind die Termine klamm. Auch anderorts kann es zu Lücken bei der Auswahl der Lieferzeiten kommen.

Alles ausgebucht - frühzeitig
© Rewe
Alles ausgebucht - frühzeitig
Rewe schiebt das auf den Kundenansturm. „Die Nachfrage nach unseren Services steigt von Hamburg über Berlin, Köln und Frankfurt bis nach München konstant an“, sagt ein Rewe-Sprecher.

Doch glücklicher ist dran, wer da beispielsweise in München oder Berlin wohnt. Dort, wo die gewaltige Konkurrenz von Amazon durch die Stadt rast, gibt es reichlich Slots – sogar noch für den nächsten Tag.
Auch in Frankfurt und Umgebung, hier ist die Slot-Not derzeit besonders groß, hat Rewe in der Vergangenheit die Peaks lange gut abgefedert. Routinemäßig setzt die Handelskette nämlich in ausgewählten Gebieten in Spitzenzeiten zusätzlich auf die Unterstützung von Partnern wie DHL. Doch vielleicht fehlen die nun regional, weil die Kuriere im Stress der Weihnachtspakete stecken?
Die Rewe-Zentrale verneint jedenfalls strukturelle Probleme und sieht auch keinen Fahrermangel. Auch wenn genau das in Service-Mails kommuniziert wird: „Momentan ist es leider so, dass wir gebietsweise einen Mangel an Fahrern haben und die Märkte daher nicht so viele Auslieferungen machen können.“

Fest steht: Rewe arbeitet mit Hochdruck daran, seine Lieferzentren für den Onlinehandel weiter zu optimieren. Neben dem Aushängeschild in Köln, wo mit dem  „Food Fulfillment Center 2.0“ ein hochgradig automatisiertes Servicelager entsteht, werden in den kommenden  Monaten weitere Food Fulfillment Center (FFC) in Mannheim und Hannover eröffnet. Und auch Fahrer werden natürlich immer und überall gesucht.

Im Frankfurter Raum allerdings, da sollte es zumindest bald wieder besser laufen. Quasi um die Ecke von Rewe, auf dem Mönchhofgelände in Kelsterbach bezieht Amazon ein Verteilzentrum. Prime Now, das auch frische und tiefgekühlte Lebensmittel im Sortiment hat, soll von dort womöglich in die Banken-Metropole rollen. 

Rewe: Auslieferungsfahrer

 
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