Bilanz: Otto Group steigert Gewinn um 50 Prozent

Von Bert Rösch | 15. Mai 2013 |

Schrader Otto
Zieht Bilanz: Hans-Otto Schrader
Nach der Präsentation des vorläufiges Ergebnisses vor wenigen Wochen bot die Vorstellung der Jahresbilanz der Otto Group auf einer Pressekonferenz in Hamburg kaum Überraschungen.  Das Wachstum ist eher mau. Doch dafür sprudeln die Gewinne.

Der Versandhandelskonzern steigerte seinen Vorsteuergewinn (EBIT) im Geschäftsjahr 2012/13 um 50% auf 388 Mill. Euro. Maßgeblich war die Entwicklung im Segment Multichannel-Einzelhandel. Dort hat sich das Ergebnis mit einem Sprung von 59 auf 209 Mill. Euro mehr als verdreifacht. Dagegen stagnierte der Umsatz der Konzernsparte, er erhöhte sich nur um 0,2% auf rund 10,1 Mrd. Euro.

Hauptursache war der Umsatzrückgang bei der 3SI-Gruppe, vor allem beim seit Jahren schwächelnden Versender 3 Suisses. Wenn man die Multichannel-Umsätze der 3SI-Gruppe herausrechnet, ist das Multikanal-Geschäft der Otto Group um 4,1% gewachsen, heißt es in einer Pressemitteilung. Die gesamte 3SI Group hatte im Zuge einer auf mehrere Jahre angelegten Restrukturierung einen Umsatzrückgang von 15,4% auf fast 1,68 Mrd. Euro hinnehmen müssen. Die gesamte Otto Group, zu der auch die Segmente Finanzdienstleistungen (plus 11,7% auf 594 Mill. Euro) und Service (plus 10% auf 1,13 Mrd. Euro) gehören, wuchs um 1,6% auf 11,8 Mrd. Euro.

E-Commerce: 8 Milliarden Euro bis 2015

Der wachsstumsstärkste Vertriebsweg ist nach wie vor der E-Commerce, dessen Umsätze sich weltweit um rund 400 Mill. Euro auf 5,7 Mrd. Euro erhöhten. Das entspricht einem Plus von 7,5%. Somit machen die etwa 60 Online-Shops rund 57% der Handelsumsätze aus. In Deutschland liegt der Online-Anteil bereits bei gut 62% bzw. 3,7 Mrd. Euro. Bis 2015 sollen die E-Commerce-Umsätze auf 8 Mrd. ansteigen. Dazu investiert die Otto Group 300 Mill. Euro. Die Gelder fließen sowohl in die Einzelhandelsaktivitäten als auch in neue Geschäftskonzepte in den Segmenten Finanzdienstleistungen und Service.

Otto wächst um 2 Prozent

Die Otto Einzelgesellschaft (Otto.de) erzielte das beste Ergebnis seit über zehn Jahren. Sie wuchs über Plan um 2% auf 2,13 Mrd. Euro. Die in 25 Ländern aktive Bonprix-Gruppe steigerte ihrem Umsatz um 5,2% auf rund 1,22 Mrd. Euro. Die Witt-Gruppe, die in 18 Ländern vertreten ist, wuchs um 3,4% auf 666 Mill. Euro.
Auf die gleiche Summe kommt die Baur-Gruppe, die sich um 8,1% verbesserte. Die Schwab-Gruppe, zu der die Marken Schwab, Sheego und MyToys gehören, legte sogar um 9,2% auf 550 Mill. Euro zu. Rückläufig war das Geschäft dagegen bei der Heine-Gruppe und SportScheck: Heine erwirtschaftete mit 504 Mill. Euro 4,2% weniger Umsatz als im Vorjahr. Der Filialist SportScheck musste nach einem Plus von rund 6% im Vorjahr nun ein Minus von 2,9% auf 336 Mill. Euro hinnehmen.

Im Auslandsgeschäft entwickelte sich die Töchter in Russland und Amerika am besten. In Nord- und Südamerika erhöhte sich die Erlöse um 12,2% auf 1,32 Mrd. Euro. Dabei haben sich die Umsätze im Brasilien verdoppelt. Das vor einem Jahr gegründete Joint Venture mit dem Distanzhändler Posthaus habe im operativen Geschäft bereits die Gewinnzone erreicht. In Russland legten die Umsätze ebenfalls um 12,3% zu und liegen somit jetzt bei 547 Mill. Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Vorstandschef Hans-Otto Schrader einen „moderat steigenden“ Umsatz und ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. „Ich bin mir sicher, dass wir aus dieser starken Position heraus unseren eingeschlagenen Erfolgskurs fortsetzen können.“

Quelle.de, gerade umgebaut, sieht Schrader von "untergeordneter Relevanz". Die Marke habe man vor allem mit Blick auf das Russlandgeschäft erworben und um sich die Eigenmarke Privileg zu sichern. 

Geschäftsbericht und Zahlenwerk gibt es hier.


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Otto, Bilanz

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