Der Second-Hand-Boom: Alle reden über Re-Commerce

Von Klaus Janke | 18. Juni 2013 | 4 Kommentare Kommentieren

Bcher-Lager-bei-Momox-4897.jpeg
Bücher-Lager bei Momox
Gebraucht ist "in": Der sogenannte Re-Commerce, schon länger einer der ganz großen Trends im E-Commerce, hat weiter Aufwind. Vor allem die nicht abreißende Serie von Neugründungen im Modebereich sorgt für Gesprächsstoff in der Szene. Die so genannte "Pre-loved Fashion" sei gerade "quasi das neue Gold in der Online-Welt", so drückt es Deutsche-Startups angesichts der kommenden Launches von Glamloop und Rebelle.de aus. In den USA ist man ebenfalls begeistert: "It's exploding in popularity!" jubelt Gigaom.com. Und auch Frankreich schwärmt vom Re-Commerce. Vieles spricht dafür, dass der Second-Hand-Trend seinen Höhepunkt noch nicht erreicht hat.

Die Wachstumsraten der großen Player sind nämlich mehr als stattlich: Momox, schon seit 2004 auf dem Markt und mit Büchern groß geworden, konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um über 50 Prozent auf rund 60 Millionen Euro steigern. Rivale Rebuy, 2007 als Spezialist für PC-Spiele gestartet, verzeichnete ein Plus von 70 Prozent auf nun 40 Millionen Euro und arbeitet profitabel. Interesse haben auch die großen E-Commerce-Player: Ebay verkauft gebrauchte Elektronikartikel auf www.sofortverkauf.ebay.de, Media-Saturn hat sich an Flip4new beteiligt, Otto arbeitet mit Wirkaufens zusammen. Sogar Apple ist kürzlich dem Second-Hand-Charme erlegen und hat ein Trade-in-Programm für gebrauchte Smartphones angekündigt. Amazon mischt in puncto Trade-in sowieso schon lange mit.

Amerikanisches-Vorbild-Threadflip-4899.jpeg
Amerikanisches Vorbild: Threadflip
Im Markt gibt es zwei Geschäftsmodelle: Entweder kaufen Unternehmen gebrauchte Dinge auf und verkaufen sie - nach Aufbereitung (Refurbishing) - teurer weiter. Oder sie bieten Marktplätze, auf denen die Nutzer selbst zum Händler werden können. Der Re-Commerce ist zum eigenen Kosmos geworden, der sogar seine eigenen Preisvergleich-Seiten hat, etwa Verkaufsfuchs.de. Ein umfangreicher Vergleich der Anbieter Rebuy, Momox, Zonzoo, Wirkaufens, Flip4new und Ebay Sofortverkauf findet sich auf Flipchecker

Neue Launches gibt es in den vergangenen Monaten tatsächlich vor allem im Modebereich. Neben dem etablierten Kleiderkreisel.de sind als neue Player unter anderem Mädchenflohmarkt, VintageHub, Preloved.ch und Kirondo hinzugekommen. Einen regelrechten Boom erlebt auch der Markt für gebrauchte Kinderartikel, etwas mit dem Kleiderkreisel-Spinoff Mamikreisel. Als Vorbilder fungieren unter anderem Unternehmen aus Kalifornien wie Threadflip, Poshmark oder Thredup (Kindermode).

Warum der Second-Hand-Trend anhalten wird

1. Das Interesse der Deutschen ist groß. Im Rahmen einer Re-Commerce-Studie von Sempora Consulting gaben 53 Prozent der Verbraucher an, in den vergangenen zwölf Monaten Second-Hand-Ware gekauft zu haben. In der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen lag der Anteil sogar bei 65 Prozent. Gleichzeitig erklärten 45 Prozent der Befragten, im betreffenden Zeitraum mindestens ein Produkt selbst verkauft zu haben. Treiber dürften vor allem die günstigen Preise für teilweise fast neuwertige Produkte sein. 

2. Die Produktlebenszyklen vor allem von elektronischen Artikeln wie Smartphones werden kürzer. Das sorgt für Bewegung auf dem Second-Hand-Markt.

3. Hinzu kommt das ökologische Argument. Neben Second-Hand-Business erleben auch Sharing-Angebote einen Boom. Der individuelle und vor allem: einmalige Besitz von Produkten gilt für viele Zielgruppen nicht mehr als "cool". Re-Commerce ermöglicht Schnäppchenjagd bei gleichzeitig gutem Gewissen. Anbieter wie Flip4new thematisieren dies auch gleich auf der Startseite. 

4. Im Re-Commerce finden Onlinekäufer eine Heimat, die eine Alternative zu den großen, politisch teilweise nicht korrekten Anbietern wie Amazon und Zalando suchen. Die Re-Commerce-Welt kann die kuschelige Gegenwelt bieten. Das funktioniert allerdings nur, wenn ein Unternehmen keine negative Berichterstattung etwa zu den Arbeitsbedingungen fürchten muss, wie sie gerade Stern.de über Rebuy öffentlich machte. 

5. Vor allem kleine Marktplätze können zudem vom Kommunikationsbedürfnis der Käufer und Verkäufer profitieren und sich zu regelrechten Communitys entwickeln. Die Plattformen dienen dann längst nicht mehr nur dem Geschäft, sondern auch der Selbstdarstellung der Verkäufer und dem Austausch von Tipps. Der Mobile-App-Anbieter Stuffle ist längst zu einem Tool geworden, mit dem man nette Leute in der Nachbarschaft kennenlernen.

Kindle Kindle
Drucken Artikel versenden

Thema: E-Commerce

Schlagworte: Re-Commerce

daily dish amazon
Guten Morgen etailment-Leserinnen und Leser!Wir müssen über den Hunger reden. Den Hunger von Amazon, ...
Topartikel
matratzen hype
Jahrelang war der Matratzenmarkt wie zementiert. Doch dann kamen US-Startups und ihre deutschen Nach ...
Chatbots - das nächste große Ding im Handel?
Der Blick in das digitale Jugendzimmer oder eine Fahrt mit der U-Bahn zur Rush Hour zeigen es deutli ...
P&G und Dollar Shave Club: Warum der Milliarden-Deal so wegweisend ist
Es war die scheinbar wahnwitzigste Meldung der Woche. Der Konsumgüterriese Unilever zahlt eine Milli ...
So finden Händler das passende CRM-System
Personalisierung in der Kundenansprache tut Not. Daten helfen, Software hilft. Doch die Auswahl des ...
Gastbeiträge bei etailment: So geht`s
Das tut uns leid. Gegenwärtig nehmen wir keine neuen Beiträge an. ...

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Bosko
    Erstellt 18. Juni 2013 16:38 | Permanent-Link
    Weiter Anbieter für Pre-Loved Kindermode

    Alternativ für Pre-Loved Kindermode gibt es auch noch http://www.vintage-kids.com

  2. Ben
    Erstellt 20. Juni 2013 12:59 | Permanent-Link
    Weitere Marktplätze

    Dann gibt es ja auch noch http://shpock.com und http://www.stylemarks.de

  3. Jan
    Erstellt 21. Juni 2013 16:26 | Permanent-Link

    Als Alternative zum Vergleichen der Preise gibt es noch http://www.werzahltmehr.de.

  4. Thorsten
    Erstellt 17. Juli 2013 08:51 | Permanent-Link

    In Österreich startet gerade noch www.daslaufrad.at

stats