Everybody's Darling: Wie Stuffle jetzt auch Geld verdienen will

Von Klaus Janke | 18. Juni 2013 | 3 Kommentare Kommentieren

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Wenn sich ein Start-up über wohlwollende PR nicht beklagen kann, dann ist es Stuffle (www.stuffle.it). Im Mai 2012 gegründet, wurde der mobile Flohmarkt schnell "Everybody's Darling". Das Prinzip ist ja auch super-sympathisch: Über eine mobile App kann man per Smartphone Gebrauchtes kaufen und verkaufen - wie auf einem echten Flohmarkt. Ein freundlicher, anarchischer Gegenentwurf zur Welt der Hard- und Powerseller. Einziger Nachteil für die Betreiber bislang: Sie verdienen nichts an Stuffle, es fließen keine Provisionen. Ein Jahr nach Gründung leitet das Führungsteam nun aber behutsam die Monetarisierung ein. Wie das funktionieren soll, erklärt Morten Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von Stuffle, im Interview mit etailment.

Über Stuffle wird viel geredet, wird auch viel verkauft?

Auf jeden Fall. Ein Jahr nach dem Launch können wir eine sehr positive Bilanz ziehen: Bislang wurden Waren im Wert von über 2,5 Millionen Euro gehandelt. Wir zählen mehr als 175.000 aktive Nutzer. Zurzeit stehen Artikel im Gesamtwert von rund 12,5 Millionen Euro im Angebot.

Wie groß ist die Chance, dass die Verkäufer ihre Waren auch loswerden?

Rund 18 Prozent der Artikel werden auch verkauft. Am besten gehen Elektroartikel, vor allem Smartphones, es folgen Medien wie DVDs und CDs. Im Unterschied zum klassischen E-Commerce läuft Mode weniger gut, es ist nur die drittgrößte Kategorie. Ausnahme: Babykleidung, ein echter Renner. Der durchschnittliche Verkaufspreis liegt bei 98 Euro.

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Stuffle-Gesprächsverlauf
Über die Stuffle-App kann man auch feilschen. Machen die Nutzer davon Gebrauch?

Sehr gerne sogar. 95 Prozent der Angebote werden heruntergehandelt, im Schnitt springen knapp zehn Prozent Rabatt heraus.

Gibt es auch Nutzer, die über Stuffle gar nicht in erster Linie kaufen, sondern einfach auch Kontakte in der Nachbarschaft knüpfen wollen?

Ja. Wir stellen fest, dass sich hinter Stuffle eine große, lebendige und freundliche Community entwickelt hat. Die App wird auch zur Kommunikation unter den Mitgliedern genutzt. Darf man sich unter dem Stuffle-Mitglied den typischen Großstadt-Szenegänger vorstellen – jung, aufgeschlossen und kontaktfreudig? Anfangs war das sicherlich so. Aber mittlerweile ist die Community sehr bunt gemischt. Aber die meisten Nutzer sind zwischen 25 und 35 Jahren alt, und das Ranking unserer Präsenzstärke in den verschiedenen Städten entspricht der Größe der Städte. Berlin kommt also zuerst, dann Hamburg und so weiter.

Das ist ja alles gut und schön. Aber irgendwann wird das Unternehmen hinter Stuffle, das Beteiligungsunternehmen Digital Pioneers, auch Umsatz sehen wollen. Wie soll das gehen?

Wir werden demnächst eine Payment-Lösung anbieten. Schon jetzt stellen wir fest, dass 48 Prozent der Verkäufe über Payment-Services und nicht in bar abgewickelt werden. Also werden wir zusammen mit einem Kooperationspartner Kreditkarten- und Überweisungsfunktionen einführen. Dadurch können wir sogar einen Käuferschutz anbieten.

Wird es dazu dann auch Werbeaktionen geben? Damit fällt Stuffle ja bislang nicht auf.

Auf klassische Werbung werden wir weiterhin verzichten. Aber es wird für die großen Städte verschiedene On- und Offline-Aktivitäten geben, zum Beispiel Events und Flyer.

Gibt es noch weitere Ideen zur Monetarisierung?

Ja. Weiterhin in Planung sind Micropayment-Lösungen, zum Beispiel ein „Highlighting“ bestimmter Produkte oder das Verifizieren von Käufern und Verkäufern. Dies ist jedoch noch nicht terminiert.

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Das neue Design
In diesem Jahr soll Stuffle auch den Schritt aufs internationale Parkett wagen. Wohin geht’s zuerst?

Wir starten in der Schweiz. Das hat den Vorteil, dass wir auch schon eine französische und eine italienische Version testen können, aber uns dennoch vorerst in einem überschaubaren Auslandsmarkt zu bewegen.

Planen Sie weiterhin, erst 2015 schwarze Zahlen zu schreiben?

Das ist vorsichtig kalkuliert. Vielleicht klappt es auch schon eher. Unsere Fixkosten liegen monatlich bei rund 50.000 Euro, wovon die Gehälter für unsere 16 Mitarbeiter den mit Abstand größten Anteil ausmachen. Das ist überschaubar.

Stuffle hat zum Geburtstag das Layout überarbeitet. Warum?

Es gab noch ein paar Optimierungsmöglichkeiten in der Nutzerführung. Und das neue Layout sieht einfach noch viel besser aus.



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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Stuffle.it

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Martin M.
    Erstellt 18. Juni 2013 18:27 | Permanent-Link

    Ist der Konkurrent Shpock nicht bereits 10 Mal größer?

  2. Jan
    Erstellt 23. Juni 2013 12:47 | Permanent-Link

    50.000 €/16 Mitarbeiter = 3125 €. Finde ich heftig.

  3. Matthew
    Erstellt 25. Juni 2013 12:15 | Permanent-Link

    @Jan: Glaubst du wirklich Büroräume, Server, Rechner, Software etc. gibt's umsonst? Da kannst du vermutlich locker 10K abziehen...

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