Rocket Internet in Afrika: „Vor dem Gewinn steht das Wachstum“

Von Bert Rösch | 29. August 2013 |

Sasha Poignonnec
Sasha Poignonnec
Rocket Internet betreibt in Afrika unter anderem den Vollsortimenter Jumia, das Auktionshaus Kaymu und den Mode-Shop Zando. Die Verantwortung für das Afrikageschäft trägt Sasha Poignonnec. Der in Frankreich aufgewachsene Kanadier hat das Online-Kaufhaus Jumia selbst aufgebautund koordinierte zusammen mit Co-CEO Jeremy Hodara die Gründung und Markteinführung mehrerer weiterer Start-ups von Rocket Internet in Afrika. Im Interview spricht der 33-Jährige Poignonnec über die Synergien innerhalb des Rocket Internet-Netzwerks und die weitere Expansion in Afrika.

Oliver Samwer will bis 2017 mit allen afrikanischen Rocket-Firmen einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro erreichen. Ist das realistisch?

Sasha Poignonnec: Das ist solide möglich. Und noch viel mehr. Der Anteil des E-Commerce am gesamten afrikanischen Einzelhandel liegt noch unter einem Prozent. Aber die Leute wollen immer mehr online einkaufen, so dass sich der Marktanteil zwangsläufig erhöhen wird.

Während Jumia mit rund 850 Mitarbeitern in Nigeria, Ägypten, Marokko, Kenia und der Elfenbeinküste aktiv ist, beschränkt sich Kaymu auf den nigerianischen und Zando auf den südafrikanischen Markt. Wie hoch sind die Umsätze von Jumia, Kaymu und Zando derzeit?

Poignonnec: Sie erwirtschaften jeweils mehrere Millionen Euro im Monat und Dutzende von Millionen im Jahr. Und die Umsätze wachsen jeden Monat um mehr als 40%.

Wann schreiben die afrikanischen Online-Shops schwarze Zahlen?

Poignonnec: Vor dem Gewinn steht das Wachstum.

Folgen weitere Online-Shops?

Poignonnec: Nein, aber wir werden in weitere Länder expandieren. Kaymu geht nach Tansania, Uganda, Algerien, Ghana und in den Senegal. Außerdem wird Jumia sein Sortiment um Bürobedarf erweitern.

In welchen Bereichen arbeiten Sie mit Zalando und dessen Ableger zusammen?

Poignonnec: Zalando ist ein befreundetes, aber unabhängiges Unternehmen. E-Commerce ist sehr komplex, vor allem in der IT. Darum tauschen wir uns in vielen Bereichen ständig aus. Die Kernstruktur und die Architektur sind bei allen Rocket-Online-Shops gleich. Ebenso die Bezahlverfahren und Channels.

Arbeiten Sie auch im Marketing zusammen? Schreien die afrikanischen Frauen vor Glück?

Poignonnec: Wir haben zum Beispiel eine Schrei-vor-Glück-Kampagne in Nigeria gefahren, die sehr gut funktioniert hat. Wir setzen aber auch eigene Ideen um. So schicken wir zum Beispiel Promoter durch die Straßen, die den Menschen auf Tablet-PCs das Angebot von Jumia zeigen.

Zalando Schrei Jumiang
Der Schrei von Zalando ist weltweit exportierbar: Hier in der Werbung von Jumia

Was sind die größten Herausforderungen?

Poignonnec: Am schwierigsten ist es, Talente zu finden. Wir wachsen sehr schnell, und wir brauchen unbedingt Leute, die sich mit E-Commerce auskennen. Doch davon gibt es noch nicht so viele. Unser Vorteil ist, dass wir meist einzigartig im Markt sind. Deshalb wollen viele Leute für uns arbeiten.

Was wird am stärksten nachgefragt?

Poignonnec: Neben den üblichen Verdächtigen wie Nike sind es vor allem unsere sechs Eigenmarken. Sie erwirtschaften zwischen 25 und 50% des Umsatzes. Am beliebtesten sind Kleider und Herrenschuhe.

Wie hoch ist die Retourenquote?

Poignonnec: Sie liegt meist unter 10%, weil bis zu 90% der Kunden bei Lieferung zahlen. So können die Kunden die Ware begutachten, bevor sie diese bezahlen.

Und wie lange dauert die Lieferung?

Poignonnec: Im Schnitt zwischen ein und zwei Tagen, weil die meisten Kunden in gut erreichbaren Großstädten leben. Außerdem haben wir sechs große und zehn kleinere Logistikzentren in Afrika. Das größte befindet sich in Nigeria und hat eine Lagerfläche von über 8000 Quadratmetern.

Mehr zur weltweiten Expansion haben wir hier beschrieben

Mehr zum Thema lesen Sie auch in der aktuellen Ausgabe der TextilWirtschaft


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Zalando, Rocket Internet

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