SevenVentures: Claas van Delden über das "House of Travel" und die digitale Strategie von ProSiebenSat.1

Von Klaus Janke | 16. Dezember 2013 |

Pro Sieben Sat1
Kaum ein Medienhaus hat sein digitales Portfolio in diesem Jahr so zügig ausgebaut wie ProSiebenSat.1. Die Beteiligungstochter SevenVentures stieg 2013 unter anderem bei der Fashion-Plattform Stylight und dem Outdoor-Mode-Anbieter Outstore ein, es folgten Mehrheitsbeteiligungen an mydays, dem Spezialisten für Erlebnisgeschenke, und billiger-mietwagen.de. In der vergangenen Woche wurde die Übernahme von Comvel und damit der Reisemarken weg.de und ferien.de bekannt gegeben. Damit bündelt SevenVentures nun 14 strategische Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen. Hinzu kommen über 40 Unternehmen, mit denen der Konzern Media-for-Equity- oder Media-for-Revenue-Deals abgeschlossen hat. Darüber hinaus betreibt er weitere Digitalunternehmen, die wegen der Nähe zum medialen Kerngeschäft nicht bei SevenVentures, sondern direkt bei ProSiebenSat.1 angeschlossen sind, etwa Maxdome, wer-weiss-was.de, MyVideo oder der neue Musikdienst Ampya. Über die strategischen Hintergründe der digitalen Expansion sprach etailment mit Claas van Delden, Geschäftsführer Digital Commerce bei SevenVentures. 

Herr van Delden, was ist für SevenVentures interessant an weg.de und ferien.de?

Wir wollen im Reisebereich ein Angebot machen können, das das komplette Spektrum, die gesamte Customer Journey abdeckt – von der Reisebuchung über die Mietwagen-Reservierung bis zum Wetterbericht. Mit weg.de und ferien.de haben wir nun zwei Top-Anbieter aus dem Bereich der klassischen Online-Reisebüros. Zudem führen wir Reise.com in unserem Portfolio.  Indem wir die Customer Journey lückenlos abdecken, müssen wir jeden Kunden nur einmal gewinnen.

weg.de
weg.de soll organisatorisch eng mit ferien.de und reise.com verzahnt werden
Noch erlebe ich als Kunde den Zusammenhang der einzelnen Angebote aber nicht deutlich.

Wir schaffen bislang Querverbindungen, indem wir beispielsweise auf Wetter.com Display-Werbung von Billiger-Mietwagen für die aufgerufene Region einblenden. Aber die Vernetzung beschränkt sich bislang auf Internetwerbung. Wir arbeiten aber daran, Cross-Selling auch im Bereich Dialog, etwa über Mailings, anzuschieben. Dies ist, vor allem wegen der datenschutzrechtlichen Bestimmungen, eine komplexe Aufgabe.   

Werden die drei Reisebüro-Marken separat bestehen bleiben?

Ja. Aber die Prozesse dahinter wollen wir – soweit es technisch möglich ist – zusammenführen und möglichst viele Synergien nutzen.

Mit dem „House of Travel“ sind Sie im Reisebereich schon sehr weit. Welche weiteren Themenfelder sind für strategische Beteiligungen interessant?

Vertikale Geschäftsmodelle etwa im Bereich Home, wo wir über die Beteiligung an Moebel.de präsent sind, weiterhin Mode und auch Marktplätze. In diesen Segmenten sind wir unter anderem über Stylight und Preis24 aktiv.

Ist eine Kongruenz der Zielgruppen zum TV-Programm der ProSiebenSat.1-Gruppe dabei unerlässlich?

Ja. Wir wollen jeweils unseren Wettbewerbsvorteil – über mediale Reichweite Marken bekannt machen zu können – ausspielen. Wir sind nicht an Partnerschaften ohne diesen Bezug interessiert. Es gibt bei der ProSiebenSat.1 Group keinen E-Commerce ohne Querverbindung zum Mediengeschäft.

Bleiben Sie auch bei der Regel, sich nur bei Firmen einzukaufen, die „Light Assets“ anbieten – also Produkte oder Services, die keine Lagerhaltung oder aufwendige Logistik erfordern?

Es kann Ausnahmen geben, aber wirklich nur Ausnahmen. Das Interessante an den „Light Assets“ – digitale Produkte, Dienstleistungen, Vermittlungen – ist, dass hier in der Regel eine höhere Marge möglich ist als im klassischen Handel mit materiellen Gütern.

ProSiebenSat.1 betreibt mit Epic Companies in Berlin auch einen Inkubator für Startups. Warum ist dieser kein Bestandteil von Seven Ventures?

Weil die beiden Unternehmen völlig unterschiedliche Aufgaben haben. SevenVentures ist ein Beteiligungsunternehmen, das neben den dafür notwendigen Aktivitäten versucht, Synergien zu heben. Epic Companies ist ein klassischer Inkubator, der die Startups sehr weitgehend im operativen Geschäft unterstützt, etwa in Online-Marketing-Maßnahmen. Hinzu kommt: Weil die beiden Unternehmen völlig getrennt sind und zwischen ihnen eine „chinese wall“ besteht, kann sich Epic Companies auch Startups ansehen, die eine Konkurrenz zu Unternehmen aus dem SevenVentures-Pool darstellen.

Hoffnungsträger Digital

Für das digitale Geschäft hat sich ProSiebenSat.1 ehrgeizige Ziele gesetzt: Der Umsatz der digitalen und der angrenzenden Aktivitäten (Digital & Adjacent) soll bis 2018 auf rund 900 Millionen Euro steigen, der Anteil am Konzernumsatz soll dann bei 30 Prozent liegen. Im 3. Quartal betrug der Anteil bereits 21,5 Prozent (Vorjahr: 16,0 Prozent).
Die Gruppe sucht auch vielversprechende Startups über das ProSiebenSat.1-Accelerator-Programm, das von ProSiebenSat.1 und SevenVentures gemeinsam betreut wird. Welche Strategie verfolgen Sie hier?

Bei diesem Programm geht es darum, interessante Unternehmen mit kreativen Konzepten frühzeitig an uns zu binden und sie zu fördern. Die Zusammenarbeit kann dann über Beteiligungen – hier gehen wir aber nur in Richtung 5 Prozent – oder Exklusiv-Partnerschaften laufen. Entscheidend ist der frühe Kontakt.




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