Infografik: Weniger Käufer im Online-Versandbuchhandel?

Von Karsten Werner Karsten Werner | 27. November 2012 | 2 Kommentare Kommentieren

Frisches Zahlenwerk vom Oktober 2012 bietet die Infografik "Über das Internet bestellte Produkte und Dienstleistungen in Deutschland von 2011 bis 2012".

Wenig überraschend ist, dass "Fashion", "Reise" und "Ticket-Buchung" die Top 3 der Nutzerpräferenzen stellen. Allerdings wirft die Umfrage auch eine Frage auf: Wo kaufen Konsumenten eigentlich mittlerweile ihre Bücher? Hier geht's zur Gesamtübersicht der Umfrageergebnisse. 

Nutzung kostenpflichtiger Angebote im Internet
Nutzung kostenpflichtiger Angebote im Internet in Deutschland von 2011 bis 2012


Hintergrundinformationen

Befragt wurden im Rahmen der ACTA 2012 in 2011 und 2012 jeweils über 6000 aktive Internetnutzer im Alter von 14 bis 69 Jahren. Entlang einer linearen Fragestellung sollten die Merkmalsträger alle Services und Dienstleistungen angeben, die sie im Internet kaufen oder gegen Entgelt nutzen. Mehrfachnennungen waren möglich. Der Item-Katalog war dabei vorgegeben. Im Jahr 2011 war "Kauf von E-Books" darin noch nicht enthalten.

"Wo sind all die Leser hin?"

Da der Stichprobenumfang innerhalb der Zielgruppe "Internetnutzer" in beiden Jahren jedoch vergleichbar groß ist, ist das nicht relevant: Während in fast allen anderen Segmenten ein Wachstum zu beobachten ist, ist der "Kauf von Print-Büchern", laut dieser Umfrage, im Internet stark rückläufig und wird auch durch den "Kauf von E-Books" nicht kompensiert. Überraschend, zumal ein derartiger Einbruch auch nicht mit einer negativen Umsatzentwicklung einhergeht: Die Umsätze im deutschen Online-Versandbuchhandel sind bis 2011 stetig gewachsen. Ist hier bei der grafischen Umsetzung der Umfrageergebnisse ein Fehler passiert?

Entweder kauften also viele Leser Print-Titel wieder im stationären Handel, oder aber sie sind vom Print- zum E-Book-Format gewechselt (erwarben im Vergleichszeitraum aber weniger Titel), oder aber die Nutzungsgewohnheiten verändern sich gerade grundlegend: Weniger Vielleser, die zwar durch bequeme Online-Bestellmöglichkeiten mehr Bücher kaufen und darüber das genannte Umsatzwachstum generieren, bei gleichzeitig aber vielen Weniglesern, die durch den Wettbewerb mit anderen Medienformaten nun gänzlich vom Bücherlesen abgekommen sind und zufällig innerhalb der Stichprobe in 2012 eine Mehrheit bildeten.

Hat vielleicht jemand noch einen weiteren Erklärungsansatz parat? 

Grafik: Statista


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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Alex
    Erstellt 27. November 2012 14:51 | Permanent-Link

    Ich hab gerade mal versucht das mit ACTA und Statista Daten nachzuvollziehen - meines Erachtens stimmen zwar bei Statista sowohl die Prozentwerte für die Items, wie auch die angegebene Grundgesamtheit nicht (lt. Statista deutsche Bevölkerung 14-69 Jahre), die Tendenz bleibt aber.

    Für die Grundgesamtheit Deutschsprachige Gesamtbevölkerung 14-69
    Bücher 2011: 32,8
    Bücher 2012: 23,9
    eBooks 2012: 3,8

    Und hier für die Zielgruppe Internetnutzer:
    Bücher 2011: 41,5
    Bücher 2012: 28,9
    eBooks 2012: 4,5

    Immer noch ein relativ großer Unterschied zwischen 2011 und 2012, allerdings sollte man berücksichtigen, dass sich auch die Abfrage verändert hat. 2011 wurde pauschal nach "Bücher" gefragt, 2012 nach "Taschenbücher bzw. gebundene Bücher" und "Kostenpflichtiges Herunterladen von E-Books", das kann durchaus zu anderen Ergebnissen führen.

    Wenn man sich Studien ansieht, bei denen die Abfrage im Vorjahr unverändert war (AGOF internet, Verbraucher-Analyse, Typologie der Wünsche), ist der Bücherkauf bei den Onlinern ziemlich stabil geblieben.

  2. Karsten Werner
    Erstellt 27. November 2012 22:00 | Permanent-Link

    Vielen Dank für die Erläuterungen! Dass sich der Fragebogen von 2011 auf 2012 derart geändert hat, war für mich anhand dieses Ausschnitts nicht ersichtlich. Jetzt erklärt sich natürlich der Ausreißer bei "Büchern".

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