Handwerker Volker Geyer baut auf den “virtuellen Marktplatz der Wohnideen"

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 1. Juli 2013 |

Handwerker Volker Geyer baut auf den “virtuellen Marktplatz der Wohnideen"
Auf Volker Geyer stieß ich das erste Mal bei meinen Recherchen für mein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing", das dieser Tage erscheinen wird. Ein Unternehmer im Segment der Wohngestaltung und ein Handwerksbetrieb (Malerische Wohnideen), der mit Social Media und Marketing im Web den Löwenanteil seines Umsatzes hereinholt und mit nachahmenswerter Verve im Netz unterwegs ist.
Im Interview mit etailment verrät er, was Facebook wirklich bringt, wozu ein “virtueller Marktplatz der Wohnideen" dienen kann und wie andere Mittelständler von Social Media profitieren können.

Warum haben Sie sich für den Einsatz von Facebook und Co entschieden?

Anfang 2010 fiel bei mir die Entscheidung, unser Marketing schwerpunktmäßig ins Internet zu verlagern. Für mich ist das Internet mittlerweile das Medium der Gegenwart und noch viel mehr das Medium der Zukunft. Hier lassen sich Botschaften in Text und Bild hervorragend und unkompliziert transportieren, maßgeschneidert und direkt an unsere Zielgruppe.
Im August 2010 ging unsere neue Webseite mit neuem Domainamen erstmals online, im Oktober 2010 habe ich unseren „SchöneWände-Blog“ mit 3 bis 5 Beiträgen pro Woche gestartet, zeitgleich legte ich einen Twitter-Account an und im Januar 2011 unsere Fan-Seite auf Facebook.
Auf XING bin ich bereits seit 2007 vertreten. Durch Blog und Twitter merkte ich sehr schnell, welche Besucherzahlen durch Social Media auf unserer neuen Homepage möglich sind. Die ersten Kunden über Social Media, in diesem Fall XING, gewannen wir ziemlich schnell. Das motivierte mich, mehr Konzept und Strategie für unser Internetmarketing auszuarbeiten und anzuwenden.
Mittlerweile unterliegt unser Web-Marketing einem konkreten Plan mit festen Abläufen. Unsere Seite generiert über 100.000 Besucher monatlich und wir erzielen gemessene 67% unseres Firmenumsatzes über das Internet. Unser kleines Unternehmen wächst seit dem von Jahr zu Jahr um etwa 25-30% und unsere Spezialisierung wäre ohne das Internet bei weitem nicht beim heutigen Stand angekommen.

"Wir erzielen gemessene 67% unseres Firmenumsatzes über das Internet".

 Was kann ein Empfehlungs-Netzwerk leisten?

Unsere mittlerweile drei Twitter-Accounts verzeichnen derzeit über 40.000 Follower, unsere Facebookseite hat mit über 3.000 Fans die meisten Fans einer Handwerkerseite im gesamten deutschsprachigen Raum und auf XING habe ich über 4.000 persönliche Kontakte, darunter viele Zielgruppenpersonen.
Sehr viele Menschen hinter diesen Accounts lesen die Beiträge meines Blog, besuchen unseren Internet-Showroom für Wandgestaltungen und viele davon teilen diese Beiträge wiederum in ihren sozialen Netzwerken, so dass ein viraler Effekt entsteht, den ich vorher in dieser Dimension nicht eingeschätzt habe.
Ich bin erst seit wenigen Jahren in Wiesbaden, mich kannte bis vor zwei Jahren dort kaum jemand. Durch gezieltes Social Media Marketing kennt mich mittlerweile gefühlt die halbe Stadt. Auf Festen und in der Fußgängerzone grüßen mich Menschen teilweise von der anderen Straßenseite mit „Hallo Herr Geyer“ oder „Kennen Sie mich, ich gehöre zu Ihren Facebookfans“ oder „wir sind doch auf XING miteinander in Kontakt“. Mit Social Media kann man seinen Bekanntheitsgrad ganz erheblich steigern. Für unseren kleinen Handwerksbetrieb ist das ein mitentscheidender Vorteil.

Handwerker Volker Geyer baut auf den “virtuellen Marktplatz der Wohnideen"

Wozu dient der “virtuellen Marktplatz der Wohnideen“.

Als unsere Webseite vor einigen Monaten immer näher an die 100.000 Besuchermarke/Monat herankam, begann ich zu überlegen, wie kann ich den wirtschaftlichen Nutzen dieses Traffics sinnvoll weiterentwickeln.
Bisher lag der Nutzen unsere Seite darin, Menschen für unsere Wohn- und Wandgestaltungen zu interessieren. Ergo Kunden zu gewinnen, die Gestaltungsaufträge, Renovierungen und dergleichen von unseren Mitarbeitern umgesetzt haben wollen. Das soll einerseits natürlich auch so bleiben.
Durch die Spezialisierung auf Wohn- und Wandgestaltungen beschäftigen wir uns ebenso intensiv mit vielen anderen Bereichen des Wohnens, zumal meine Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin Heike Bachus Innendesignerin und FengShui-Expertin ist.
Mittlerweile sehen wir uns auch als Scouts für innovative Einrichtungsideen, Accessoires, Ideen für kreatives und individuelles Wohnen - Indoor, wie Outdoor. Durch dieses Wohnideen-Scouting lernen wir viele interessante Anbieter mit tollen Wohn- und Designprodukten kennen.
Auf unserem neuen Marktplatz der Wohnideen werden wir genau diese besonderen Anbieter den Besuchern unserer Webseite präsentieren. Darunter befinden sich einige hervorragende Wohn-Webshops. Für uns ist das der Einstieg ins Affiliate-Marketing und der Beginn, unsere Webseite mit direkten Umsätzen zu monetarisieren.

 "Für uns ist das der Einstieg ins Affiliate-Marketing."

Web 2.0 ist für Sie Chefsache“ Was spricht dafür?

Das - bewusste und unbewusste - Marketing von Handwerksunternehmen ist meist Personen bezogen. Der Chef vertritt die Firma nach außen. Seine Botschaften die er versendet (z. B. seine Kommunikation, sein Verhalten), sind für den Betrachter gleichzeitig die Botschaften des Unternehmens. Im Social Media merkt man sehr deutlich, ob der Chef kommuniziert, oder ein Mitarbeiter oder gar eine Agentur. Persönlich und authentisch -und davon profitiert jedes Social Media Marketing- ist es meiner Meinung nach nur, wenn der Chef selbst schreibt. Allerdings gibt es bei strategischem Social Media Marketing auch Fleißarbeiten im Hintergrund zu verrichten. Diese können z. B. Mitarbeiter übernehmen.

Wie groß ist der Aufwand? Wie schaffen Sie das zeitlich?

Ich investiere Tag für Tag etwa 3 Stunden in unser Web-Marketing. Damit gewinne ich interessante Kunden und lukrative Aufträge, damit wiederum sichere ich unsere Zukunft und generiere entsprechendes Wachstum für unser Unternehmen. Das ist ein gesundes Verhältnis, finde ich. Kollegen verbringen diese Zeit oft mit der Bearbeitung von Ausschreibungen, die in den wenigsten Fällen zu Aufträgen führen. Und wenn, dann zu billigsten Preisen, was wiederum zusätzliche Probleme mit sich bringt. Jeder entscheidet selbst, wo er seine Zeit am sinnvollsten investiert.  


Lohnt sich das denn? Darf man dadurch auf Mehrumsatz hoffen?

Über Volker Geyer

Volker Geyer ist mit sein Unternehmen Aperto – Handwerk & Wohnen Ltd. spezialisiert auf individuelle Wand- und Wohngestaltungen und immer mehr international tätig. Er startete eine Handwerkskooperation mit Aperto-Lifestyle Wohnen und gründete die Marke „Malerische Wohnideen“. 2011 wurde Volker Geyer mit seinem Handwerksbetrieb von der Europäischen Kommission in Brüssel ausgezeichnet, Seine Webseite wurde Gesamtsieger beim Preis „Handwerkerseite des Jahres 2012“.
Wir generieren mit unserem Web2.0-Marketing derzeit nachweislich zwei Drittel unseres gesamten Firmenumsatzes und erzielten damit in den vergangenen Jahren jeweils 25 bis 30% Firmenwachstum. Außerdem hat das Internet unserer Spezialisierungsstrategie einen erheblichen Schub verschafft.

Welche Rat können Sie anderen Mittelständlern  geben, die mit Social Media Fans und Kunden gewinnen wollen?

Je besser man im Vorfeld seine unternehmerischen Hausaufgaben gemacht hat, desto größer sind die Erfolgsaussichten mit Web2.0-Marketing. Wer keine interessanten Produkte hat, wer keine zufriedenen Mitarbeiter hat, wer keine begeisterte Kunden hat … bekommt auch kein positives Feedback im Netz.
Im Gegenteil, der Schuss kann mit negativer Mundpropaganda dann auch nach hinten losgehen. Wer viel Positives zu berichten und zu zeigen hat, zu dem kommen auch Fans und Kunden. Und wer sich dann noch eine Strategie erarbeitet, wie er seine Zielgruppe in seine sozialen Netzwerke einladen kann und das auch konsequent mit Leidenschaft und Ausdauer umsetzt, den verlieren immer mehr Kunden und Zielgruppenpersonen nicht mehr aus den Augen.
Meine Tipps: Einfach anfangen, die TOP-Social Media Marketer der eigenen Branche und anderer Branchen beobachten, eigene Erfahrungen sammeln und nach und nach eine auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittene Social Media Strategie entwickeln und umsetzen. Achtung: Die Verzettelungsgefahr ist groß, Disziplin ist gefragt, manchmal ist weniger mehr.


webchance
Volker Geyer auf der Webchance: Die Fachmesse Webchance in Frankfurt will am 24. und 25. August parallel zu Tendence kleinen und mittleren Einzelfachhändlern auf die Sprünge helfen. Volker Geyer berichtet dort in einem Vortrag, wie ein Handwerkbetrieb über 100.000 Besucher auf der Webseite erreicht, über 3.000 Facebook-Fans anspricht und mit Internetmarketing zwei Drittel des Umsatzes macht. etailment-Autor Olaf Kolbrück moderiert auf der Veranstaltung.




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Thema: Marketing

Schlagworte: Social Media

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