Mobile Couponing: Nur eine Frage der Zeit

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 28. August 2013 |

Tobias Conrad
"Individualisierung kommt ganz klar vor Geofencing-Angeboten". Das sagt Tobias Conrad im Interview mit etailment. Der  General Manager von Deals.com sieht dabei für mobile Gutscheine vor allem beim In-Store Couponing gute Chancen. Noch aber sind nicht alle Händler am "Puls der Zeit".

Steigern mobile Coupons die Lust am mobilen Bezahlen oder muss erst Mobile Payment auf breiter Front akzeptiert sein, damit es auch mit den mobilen Coupons am Ende auch im Laden klappt?

Der wesentlichste und entscheidendste Erfolgsfaktor beim mobile beziehungsweise  In-Store Couponing ist die Einlösung des Gutscheins im Point of Sale. Hier wird Mobile Payment sicherlich große Unterstützung leisten, ist aber nicht unbedingt notwendig. Dennoch sind die technischen Voraussetzungen vor Ort, also die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Kassensysteme entscheidend. Kassensysteme die Strich-, QR- oder numerische Codes lesen und mit einer zentral abgelegten Datenbank abgleichen können, sind zwingende Vorrausetzung für das In-Store Couponing. In der Praxis hat sich gezeigt, dass hier noch nicht alle Systeme am Puls der Zeit sind. Mit der Akzeptanz von Mobile Payment wird dies jedoch auch dann nur noch eine Frage der Zeit sein.

Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden?

Die größten Hürden im In-Store Couponing sind neben den technischen Voraussetzung der Kassensysteme, zum einen die Bereitschaft des Handels, hier neue Wege einzuschlagen und die Brücke zwischen Offline und Online auch zu überqueren, zum anderen muss eine kritische Masse von Nutzern erreicht werden, damit bei einer In-Store Couponing Kampagne auch eine relevante Masse an potentiellen Käufern in die lokalen Verkaufsstellen gebracht werden kann.

Es ist sicherlich einfacher, aus dem Pool der zahlreichen Internetnutzer potentielle Käufer auf einen national  agierenden E-Commerce Store zu leiten, als regional, in strukturschwächeren Regionen, tatsächlich für eine Filiale merkbar die Besucherfrequenz zu erhöhen. Kurz- bis mittelfristig wird der Einsatz von In-Store Couponing daher zunächst in städtischen Ballungsgebieten sinnvoll sein.

Google hat mit Google Offers eine Pilotkampagne mit der Telekom gestartet. Ist der Suchriese strategisch im Vorteil?

Google hat per se strategische Vorteile, die man nicht von der Hand weisen kann und sollte. Dennoch hat die Vergangenheit gezeigt, dass Google schon oft versucht hat, Geschäftsmodelle zu adaptieren, die nicht zu ihrem eigentlichen Kerngeschäft passten und ist damit dann auch oft gescheitert. Die Akquisition von DailyDeal durch Google in Deutschland beispielsweise hätte an sich großes Potential haben können, wenn denn die notwendigen Verknüpfungen zu Google relevanten Produkten wie z.B. Maps oder entsprechende SEA-Platzierungen gemacht worden wären. Fraglich ist am Ende die Skalierung, die dem Suchmaschinenriesen vermutlich nicht ausreichte, um hier weiteres Engagement zu zeigen. Google hat ganz klar eine marktdominierende Stellung. Wenn also der nötige Wille da ist, kann Google sicherlich jedem Geschäftsmodell gefährlich werden. Die Frage muss also lauten, ob und wie stark der Fokus tatsächlich auf diesen Bereich gesetzt wird, denn das wird den tatsächlichen Erfolg maßgeblich beeinflussen.

Wie sollten mobile Coupons gestaltet sein?

Rabatte aller Art sind mobil genauso attraktiv wie Online. Service-Angebote oder Cashback sind im mobilen Bereich natürlich wegen der Möglichkeit, Angebote lokalisiert zu versenden, eine gute Ergänzung. Bezüglich der Art von Rabatten gibt es einen klaren Trend. Laut einer Umfrage von Deals.com werden bei Gutscheinen ganz allgemein Rabatte in Prozent eher bevorzugt: Fast die Hälfte (47 Prozent) gab an, dass ein Preisnachlass in Prozent sie am meisten anspricht – 38 Prozent favorisieren einen reduzierten Angebotspreis. Lediglich sieben Prozent halten einen Mengenrabatt (3 Produkte zum Preis von 2 Produkten) für die attraktivste Gutschein-Variante.

Welche besonderen Vorteile bieten da mobile Coupons?

Tobias Conrad

Tobias Conrad verantwortet seit Januar 2012 das Deutschlandgeschäft für den Gutscheinanbieter Deals.com (Teil von RetailMeNot, Inc). Zuvor arbeitete Conrad im Bereich Key Accounts bei Groupon, war General Manager Digital Marketing und Anzeigenleiter von BILD.de / BILD mobil bei Axel Springer Media Impact, und hielt verschiedene Positionen bei Vodafone Deutschland und XING inne.
Ganz wichtig ist die Unterscheidung zwischen Mobile Couponing und als Teil davon In-Store Couponing. Im Gegensatz zum klassischen Mobile Couponing, also dem Einlösen von Gutscheinen über das Handy oder ein anderes mobiles Endgerät in einem mobilen Shop, bedeutet In-Store-Couponing , den Gutschein vom Handy direkt im Laden vorzuzeigen und einzulösen.

Die Vorteile von Mobile Couponing sind: Unterwegs on the fly shopping und sparen, bequem zu Hause auf dem Tablet in aller Ruhe surfen, shoppen und sparen, direkter Preisvergleich mit dem POS, Gutscheine sind jederzeit verfügbar, weil die Speicherung auf dem Handy möglich ist, der Nutzer ist zu jeder Zeit und an jedem Ort erreichbar und es bietet eine erhöhte Chance auf Impulskäufe.

Die Vorteile von In-Store-Couponig sind zudem, dass der Nutzer mit ganz gezielten Angeboten in die Läden gebracht wird, Location-based Angebote können ganz gezielt real-time an eine bestimmte Käuferschaft kommuniziert werden.

Mobiles Couponing verspricht Individualisierung und Geo-Lokalisierung. Was ist entscheidender?

Individualisierung ist sicher eine der wichtigsten Komponenten beim Couponing, denn findet der Kunde nicht, wonach er sucht bzw. wird ihm nicht angeboten, was er braucht, wird er auch nichts kaufen. Es kommt für den Nutzer vor allem darauf an, bequem, zu jeder Zeit und an jedem Ort genau das für ihn gerade passende Angebot parat zu haben. Ob er dabei einen Gutschein nutzt, den er zuvor per E-Mail erhalten hat mit ganz speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnittenem personalisierten Content, oder er mobil nach einem Gutschein  sucht, für ein Produkt, was er gerade in dem Moment offline kaufen möchte, oder ob er zu Hause vor dem Rechner sitzt und beim Online-Shopping nach dem besten Deal sucht.

Individualisierung kommt also ganz klar vor Geofencing-Angeboten. Geofencing kann und wird allerdings diesen Trend hin zu individualisierten Angeboten und Gutscheinen noch verstärken, denn es lassen sich damit real-time und Location-based Angebote ganz gezielt an eine bestimmte Käuferschaft kommunizieren. Der Kunde kann dann ganz gezielt entscheiden, welche Angebote, wie viele und von welchen Händlern er tatsächlich empfangen will und so seinen individuellen Bedürfnissen anpassen.


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Thema: Marketing

Schlagworte: Couponing, Mobile Couponing

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