Interview: Yapital-Boss Nils Winkler will das Schmerzzentrum beim Bezahlen ausschalten

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 24. März 2014 |

Interview: Yapital-Boss Nils Winkler
Yapital-Geschäftsführer Nils Winkler möchte das Bezahlsystem als eine Art Schweizer Taschenmesser für das Crosschannel-Geschäft etablieren. Mobile Payment - überall, jederzeit, kinderleicht. Etliche renommierte Partner im Handel, darunter Rewe, Görtz und einige Versender konnte die Tochter der Otto Group bereits überzeugen.  Jetzt gilt es, die Kunden zu begeistern. Wie das geschehen soll und warum er große Hoffnungen in neue technische Lösungen setzt, verrät Nils Winkler im Interview mit etailment.

Kaum eine Woche vergeht ohne neue Meldungen, dass ein Handelsunternehmen an Yapital andockt. Sie drücken ganz schön aufs Tempo. Nachholbedarf – oder ist der Andrang so groß?

Nils Winkler: Nachholbedarf haben wir keinen. Wir sind von Beginn an mit hohem Tempo unterwegs. Die Nachfrage im Markt ist extrem hoch. Parallel entwickeln wir das Produkt weiter.

Sie sind aber immer noch eher unterhalb des Radars des Massenmarkts unterwegs.

Nils Winkler: Das ist kein Nachteil. Die Händler haben wir unter Vertrag, aber da müssen natürlich erst auch noch die technischen Implementierungen vollzogen werden. Aber wir werden sicher schon in wenigen Monaten einen Punkt erreichen, an dem wir in der Breite stärker auf die Pauke hauen. Wir trommeln dann gemeinsam mit dem Partner.

Und dann gibt es auch noch eine Yapital Mastercard. Wozu denn das? Ich dachte, ich brauche mein Plastik nicht mehr?

Nils Winkler: Die Yapital Mastercard kann man überall einsetzen, wo eine Bezahlung per QR-Code noch nicht möglich ist. Außerdem ist Mobile Payment in der Masse noch nicht im Herzen angekommen. Wenn man aber die Vorteile eine mobilen Applikation mit der Guthaben-Funktion einer Karte verbindet und der Kunde in Echtzeit Guthaben auf die Karte laden kann, erhöht man die Flexibilität für den Verbraucher enorm.


Ich muss die Karte immer aufladen?

Nils Winkler: Wie auch bei der Yapital-App können Sie künftig auch Autofunding wählen.

Warum fahren Sie beim Thema Guthaben zweigleisig?

Nils Winkler: Die eine Hälfte der Menschen möchte nicht darüber nachdenken, ob sie gerade noch ein Guthaben haben. Für diese mehr convenience-orientierten Kunden gibt es Autofunding. Die andere Hälfte bevorzugt eine genauere Kontrolle über ihr Budget und will gezielt Guthaben aufladen. Aber auch das geht bequem binnen Sekunden.

Stichwort Vielfalt: Ist es derzeit nicht ein grundsätzliches Problem von M-Payment, dass zu viele Standards, Technologien, Handlingmethoden und Kassensysteme nebeneinander existieren? Wer wird sich da durchsetzen – NFC oder Beacon?

Nils Winkler:  Yapital (lacht). NFC im Handy unterstützen wir nicht. Denn wenn Mobile Payment im Herzen der Kunden ankommen soll, muss es so einfach wie möglich sein und die Nutzung über alle Kanäle und Plattformen identisch. Da macht es keinen Sinn über iPhone und Android-Handy unterschiedliche Wege anzubieten. NFC fehlt es zudem an Flexibilität. Ein QR-Code ist dagegen universell einsetzbar. An der Kasse, an der Plakatwand, im Regal, im Schaufenster in einer Anzeige.

Sie setzen also auf Beacon?

Nils Winkler: NFC in der Karte hat vielleicht noch einen gewissen Convenience-Faktor, weil man die Karte bei Kleinbeträgen nur an das Kassensystem hält, aber dafür lohnt sich der Aufwand nicht. Es kann aber auch auf Dauer nicht die Lösung sein, einen Laden mit Beacon zuzupflastern und den Kunden mit Informationen und Features zu bombardieren: Wir nutzen die Bluetooth Low Energy (BLE) in erster Linie als Funkverbindung zwischen dem Smartphone und dem Point of Sale, wenn es kein Mobilfunknetz gibt. Beacon dürfte auch noch nicht das Ende der Evolution sein. In Zukunft werden noch eine ganze Reihe weiterer Technologien auf den Markt kommen –Ultraschall oder auch intelligente LED, die mit dem Handy kommunizieren.

Fehlt es nicht ohnehin noch am Killer-Feature, das die Nutzer wirklich für Mobile Payment begeistert?

Nils Winkler: Ein Schlüssel für den Erfolg wird in der Einfachheit der Anwendung liegen. Beim Bezahlen wird im Gehirn das Schmerzentrum angesprochen. Also muss man den Bezahlvorgang so selbstverständlich gestalten, dass die Kunden gar nicht mehr darüber nachdenken müssen. Hinzu kommt: Wenn man nach dem Bezahlen etwas in Händen hält, dann wird das Belohnungszentrum aktiviert. Das wird aber mit einer reinen Mobile Payment-Anwendung nicht gelingen. Da braucht es in der Tat Zusatzfunktionen.

Ein Beispiel bitte.

Nils Winkler:  Finanztransaktionen von Nutzer zu Nutzer beispielsweise, wenn Sie sich im Restaurant die Rechnung teilen wollen, aber kein Bargeld dabei haben, haben einen hohen Reiz. Yapital bietet solch eine Funktion und wir beobachten hier eine steigende Nutzung.

Und wie steht es um digitale Treuepunkte, Coupons? Noch fehlt das bei Yapital. Aber doch sicher nicht mehr lange?

Nils Winkler: Wir bereiten da gerade etwas vor. Aber wir werden uns dabei nicht zwischen Händler und Kunden stellen. Stattdessen werden wir dem Händler erlauben, seinen Kunden mit einer geringen Frequenz ein Angebot auf das Handy zu schicken. Beispielsweise, wenn der Kunde gerade im Laden steht. Was wir aber nicht wollen, ist, dass der Kunden im Laden dann gerade womöglich Coupons eines Mitbewerbers geschickt bekommt.

Glaubt man diversen Umfragen fehlt es den Kunden noch am Vertrauen in das Bezahlen per Handy. Große Marken haben da sicher einen Vertrauensvorschuss. Müsste sich da nicht auch Yapital eher des vertrauenswürdigen Namens der Mutter Otto Group bedienen?

Nils Winkler: Im  B2B-Bereich weiß natürlich jeder um die Beteiligung der Otto Group. Aber wenn wir das im B2C-Bereich darstellen würden, würden wir einen gefühlten Wettbewerb zu den Handelspartnern herstellen. Das wollen wir nicht. Außerdem haben die Kunden ja auch ein hohes Vertrauen in die Marken, bei denen sie regelmäßig einkaufen. Davon profitiert dann ja auch Yapital.
 
Yapital ist in erster Linie ein Crosschannel-System. Wo liegen die Vorzüge für einen Onlineshop?

Nils Winkler: Die größten Vorteile hat sicherlich der Multichannel-Händler, weil ihm Yapital eine 360-Grad-Ansicht seines Kunden verschafft. Was hat ein Kunde online eingekauft, was hat er im Laden geholt? Im Web kann der QR-Code eine wesentliche Alternative zur Eingabe von E-Mail und Passwort sein. Das ist bequemer und sicherer, weil wir jetzt schon mit der Zwei-Faktor-Authentifizierung arbeiten. Wir gehen davon aus, dass der Zwang zur Zwei-Faktor-Authentifizierung im Onlinehandel nicht mehr lange auf sich warten lässt. Die EZB,  die Nationalbanken und die Finanz-Aufsichtsbehörden der EU-Staaten arbeiten derzeit an entsprechenden Empfehlungen. Außerdem stellen wir fest, dass Yapital-Nutzer beim Online-Einkauf lieber den QR-Code nutzen, als E-Mail und Passwort. Diese Kunden kommen zudem öfter in den Shop und sind konsumfreudiger.

QR-Code, Pin und Passwort können doch wohl kaum der Weisheit letzter Schluss sein? Gesichtserkennung oder Bezahlung per Fingerabdruck auf dem Handy klingen doch deutlich komfortabler.

Nils Winkler: Gesichtserkennung wäre mir zu unsicher. Aber biometrische Daten werden eine zunehmende Rolle spiele. Ich bin ein Fan von Voice Recognition. Noch ist die Technik dafür in einem sehr frühen Stadium. Aber stellen Sie sich vor: Sie stehen an der Kasse und sagen schlicht: „Ich bezahle mit Yapital“. Und der Kassierer sagt nur noch: Danke, Herr Kolbrück. Auf Wiedersehen.“ Das wäre doch cool.

Kindle Kindle
Drucken Artikel versenden

Thema: Mobil

Schlagworte: Mobile Payment, Yapital

roboter logistik
Guten Morgen etailment-Leserinnen und Leser!Zum Morgen eine kleine Textaufgabe: Ein Branchen-Manager ...
Topartikel
6 ausgewählte Tools für Ebay-Händler
eBay ist für viele Händler die erste Anlaufstelle, um den Onlinehandel zu proben. Doch wer nicht nur ...
So helfen Sie sich selbst - kostenfreie SEO-Tools
An Agenturen und Dienstleistern, die sich um die Optimierung von Shops für Suchmaschinen kümmern, he ...
10 Startups und
Am Anfang eines Unternehmens steht die Idee. Manchmal ist es eine Nische. Zuweilen ein cleveres Mode ...
So knacken Sie die IT-Geheimnisse des Mitbewerbers
Sie wollten immer schon mal wissen, wo der Mitbewerber in Sachen Traffic steht? Sie würden noch lieb ...
Pop-up-Stores
Sinkende Mieten, mehr leere Läden vor allem in Klein- und Mittelstädten. Der Onlinehandel hinterläss ...

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats